Hoppla, sind Sie da vielleicht zu weit gegangen, Boris Palmer?

Der Oberbürgermeister von Tübingen im Interview ohne Worte über seine Trennung von den Grünen, seine Elternzeit und seine Vorliebe für Kontroversen. 

Geboren 28. Mai 1972 in Waiblingen
Beruf Politiker, Oberbürgermeister von Tübingen
Ausbildung Lehramtsstudium Geschichte und Mathematik in Tübingen
Status … lebt es sich ganz ungeniert

Die eigene Partei zu verlassen geht für kaum einen Politiker gut aus. Die Wählerinnen und Wähler sind verwirrt, selbst die größten Charakterköpfe geraten da schnell in Vergessenheit. Ein Parteiausschlussverfahren ist ein noch härterer Schnitt. Eine Ausnahme ist Boris Palmer: Nicht nur hat ihm seine Trennung von den Grünen offenbar keinen Deut geschadet, er schaffte es, als parteiloser Kandidat direkt wieder Oberbürgermeister von Tübingen zu werden. Dabei hatte die Partei sein Ausschlussverfahren eingeleitet wegen einiger, wie man so sagt, »umstrittener« Äußerungen – Palmer hatte sich über die Hautfarbe von Menschen in einer DB-Werbekampagne mokiert. Es war ein Abschied auf Raten, erst ließ Palmer seine Mitgliedschaft ruhen, 2023 trat er aus der Partei aus. Man kann sich aber schon fragen, was den schwäbischen Sturschädel ursprünglich überhaupt zu den Grünen gezogen hat. Gut, bei Klima- und Umweltfragen waren sich Partei und Palmer durchaus einig, seine Äußerungen zur Flüchtlingspolitik aber klangen mitunter eher nach CSU. Wie dem auch sei, Boris Palmer ist weiter im ganzen Land ein Begriff, und das als Chef einer 100 000-Einwohner-Stadt. Seine Beliebtheitswerte sind unerschütterlich, ebenso wie sein Selbstvertrauen. Vielleicht gehört so ein Mann einfach in gar keine Partei.