Wie viel Spießigkeit steckt in den Grünen?

Die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock im Interview ohne Worte über SUVs, die geschwächte SPD und Björn Höcke als Nachbarn.

Geboren 15. Dezember 1980 in Hannover
Beruf
Politikerin
Ausbildung Bachelor in Politikwissenschaften und Öffentlichem Recht, Master in Völkerrecht an der London School of Economics
Status Grüne Wellenreiterin

Eine Sache hat Annalena Baerbock den meisten Frauen in der Politik schon mal voraus: Kaum jemand spricht über ihr Äußeres. Es könnte daran liegen, dass sie sich gut kleidet, schlicht, elegant, Jeans, Lederjacke, oder auch daran, dass Robert Habeck ihr mit seinem Dreitagebart sämtliche Kommentare vor der Nase wegschnappt. Eine Zeit lang konnte sie sich darüber ärgern, weil sie nicht ganz so im Fokus stand wie er, aber auch freuen, weil man sich besser aufs Arbeiten konzentrieren kann, wenn man nicht ständig angehimmelt wird. In ihrer Bewerbungsrede zum Parteivorsitz der Grünen 2018 stellte sie klar, dass sie auf keinen Fall die »Frau an Roberts Seite« sein wolle. Das gelingt ihr immer überzeugender. Baerbock hat in London studiert, im Westen und im Osten Deutschlands gelebt und ist – das sollte man nicht vergessen – mit gerade mal 38 Jahren die Chefin einer Partei, die bei der Europawahl ordentlich abgeräumt hat und in naher Zukunft das Land regieren will. Zum Fototermin mit dem ­SZ-Magazin brachte sie, noch ohne die Fragen zu kennen, einige Accessoires mit, einen Eisbären aus Stoff, eine Erdkugel, Gummibärchen, am Ende wurden aus 45 Minuten fast zwei Stunden. Baerbock scheint nichts dem Zufall zu überlassen, das kann eine Stärke und eine Schwäche sein, meistens ist es beides auf einmal.