Ist Jazz tot, Kamasi Washington?

Der Saxophonist über Wutausbrüche beim Musizieren, sein Gefühl für Johann Sebastian Bach und Frisurprobleme.

Geboren 18. Februar 1981 in Los Angeles
Beruf Saxophonist
Ausbildung Studium des Jazz und der Musikethnologie an der University of California, Los Angeles
Status Sax-Symbol

Beim Fototermin in einem Hamburger Hotelzimmer streift Kamasi Washington mit seiner Haarpracht fast die Zim-merdecke. Der 37-jährige Jazzmusiker ist eine imposante Erscheinung, optisch wie musikalisch: in bunte afrikanische Gewänder gehüllt und mit ungewöhnlichem Schmuck behängt, ein Hüne, dessen 2015 erschienenes Debüt The Epic fast drei Stunden dauerte und bejubelt wurde wie kaum ein anderes Jazzalbum der vergangenen Jahrzehnte. »Meisterwerk«, urteilte der Kollege vom SZ-Feuilleton, und die New York Times fragte, ob man endlich die ersehnte Figur gefunden habe, die den Jazz aus der »Wüste der Obskurität« führen könne, wo immer die liegen mag. Kamasi Washington wuchs im Ghetto von Los Angeles auf, als dort der Gangsta Rap entstand; nachts hörte er Schüsse und Sirenen, tagsüber übte er Saxophon. Später spielte er eine Weile in der Band des Rappers Snoop Dogg, doch nach den Shows machte er nicht etwa Party, sondern zog weiter in kleine Jazzclubs und blies dort bis zum Morgengrauen. Diese Hingabe an die Musik ist auch auf seinem gerade erschienenen Album Heaven & Earth zu spüren, das auch schon wieder zweieinhalb Stunden lang ist. Bei manchen Musikern ist eben alles ein paar Nummern größer als bei anderen.

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