Sagen Sie jetzt nichts, Barbara Hannigan

Die Sopranistin und Dirigentin Barbara Hannigan im Interview ohne Worte über das Gefühl des Scheiterns, klassische Musik und ihren privaten Tanzstil.

    Geboren: 8. Mai 1971 in Waverley, Kanada
    Beruf: Sopranistin und Dirigentin
    Ausbildung: Musikstudium an der University of Toronto
    Status: Königin der Nacht

    Mit schwarzer Perücke und Latexmantel im Matrix-Style betrat sie die Bühne des Théâtre de la Monnaie in Brüssel, bedeutete dem Publikum, nicht zu klatschen, und sang die ersten, schrillen Noten von Györgi Ligetis modernem Stück Mysteries of the Macabre. Ihre Hand zuckte dazu im Takt. Barbara Hannigan ist nicht nur Sopranistin, sie dirigiert auch, oft tut sie beides gleichzeitig. Wie schafft sie es, sogar Laien mit Leichtigkeit schwere Opern näherzubringen? Früher übertrafen sich Diven mit ihrer Exzentrik. Auch abseits der Bühne: Pelz, Juwelen und immer diese Aura des Ungewöhnlichen. Sieht man Hannigan in Latex-Manier, könnte man meinen, dass auch sie auf so ein Image setzt. Aber dann hört man sie im Interview mit einem kanadischen Radiosender sagen, sie habe die Grammy-Verleihung im Pyjama vor dem Fernseher verbracht. Und das, obwohl sie dort für ihr neues Album Crazy Girl Crazy, auf dem sie Klassiker von Berg und Gershwin mit ihrem Orchester aufgenommen hat, einen Preis für das beste klassische Soloalbum bekam. Und in Interviews trägt sie lockere Leinenhose und streicht sich verlegen durchs Haar. Barbara Hannigan führt auf, dass die moderne Primadonna die Exorbitanz im Alltag nicht mehr braucht.

    Fotos: Tibor Bozi

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