Ohne Socken fahren wir zur WM

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland wurde die deutsche Nationalmannschaft mal wieder zeitgemäß ausstaffiert. Die Anzughosen mit Tunnelzug sind dabei nicht mal das überraschendste Detail.

Teile der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in edlem Zwirn. Sandro Wagner (ganz rechts) war da noch im Team, bevor er in Folge seiner Nicht-Nominierung daraus zurücktrat.

Foto: Hugo Boss

Vor vier Jahren lachte das Netz über einen Style-Vergleich zwischen der englischen und der italienischen Fußballnationalmannschaft. Beim Teamfoto nach der Ankunft zur Weltmeisterschaft in Brasilien machten die Italiener – trotz ermüdendem Langstreckenflug – »bella figura«: In perfekt sitzenden, dunkelblauen Dolce & Gabbana-Dreiteilern, schmalen Krawatten, Sonnenbrillen und reichlich Gesichtsbehaarung. Die Engländer wirkten dagegen wie in ihre »Marks & Spencer«-Schuluniform gedrückt. Der einzige Punkt, in dem sie ihre lässigen italienischen Kollegen in der Gegenüberstellung eines  Twitter-Nutzers schlugen: dem ordentlichen Aufstellen. 

Quelle: Screenshot Twitter

Die Möglichkeit einer solchen Stil-Demütigung möchte man im deutschen Kader schon im Vorhinein ausschließen und wandte sich einmal mehr hilfesuchend an Hugo Boss, seit 2013 offizieller Modeausstatter der deutschen Herren-, Frauen- und U21-Fußballnationalmannschaft. Der Metzinger Modekonzern stellte vor einer Woche die neuen Outfits des deutschen Männerteams vor, bestehend aus einem Anzug, wahlweise kombinierbar mit Hemd oder Strickpolo, einer Bomberjacke, Feinstrickpullover und einer Tunnelzughose – alles schön monochrom in weltbürgerlichem Navyblau. Damit doch noch irgendwo sichtbar ist, wessen Nationalmannschaft man da gerade vor sich hat, wurden ein paar kleinere Länderakzente gesetzt: ein kleiner Bundesadler-Print im Inneren des Sakkos, ein größerer auf dem Pulli – natürlich Ton-in-Ton - und ein winziges schwarz-rot-goldenes Fläggchen im Nacken des Sakkos.

Während sich die deutschen Kicker vor vier Jahren abseits des Spielfelds noch in gemusterten Cardigans, rostroten Hosen und anthrazitfarbenen Anoraks präsentierten, beweist man mit den neuen Looks auch neue Weltgewandtheit: Die Outfits vermitteln Coolness, Stil und Klasse, sind dabei aber zurückhaltend – und somit alles, wofür das moderne Deutschland in der Welt gerne stehen möchte.

Dass man auch in puncto Trends ganz oben mitspielt, beweisen die sportlichen Akzente in der sonst so formellen Kollektion (Bomberjacke! Tunnzelzughose!), vor allem aber die Schuhe, die Jogi, Khedira und überraschenderweise Sandro Wagner (bei dem das Outfit in Russland und auch danach wohl eher nicht zum Einsatz kommen wird) anhaben: weiße Lederturnschuhe, selbstredend getragen ohne Socken. Seit dem kometenhaften Aufstieg des »Stan Smith« von Adidas (benannt natürlich nach dem Tennisspieler) vor wenigen Jahren ist der weiße Tennisschuh mittlerweile sowas wie der Corsa unter den Sneakers und als sichere Bank in jedem noch so spießigen Männerkleiderschrank angekommen. Wer lässig ist, trägt zum Anzug Turnschuh – nur eben nichts ganz so gewagtes, sondern einen relativ gesichtslosen Ledertreter.

#ReDefiningSuccess lautet der Hashtag zu den Boss-Bildern. Etwas rätselhaft? Was soll damit gesagt werden? Auf Instagram findet sich keine Antwort – unter den etwa 3 200 derart getaggten Bildern befinden sich ein paar ambitionierte Selbstoptimierer (Yoga, Meditation, Ernährung), einige Büro-Fotos und viel Vermischtes. Im Gegensatz zu vielen anderen (geistigen) Disziplinen, ist im Fußball so ein »Success« ja recht eindeutig umrissen. Die Mission »Titelverteidigung« also umdefinieren? Der Trend, die Mode zu reduzieren, dürfte sich gern auch auf Hashtag-Kampagnen übertragen.

Wird getragen von: Business Punks, die ihre Work-Life-Balance einfach im Griff haben, »Smart Casual«-Lifestyle-Bloggern
Wird getragen mit: farbähnlichen Accessoires und vor allem: ohne Socken
Der Song dazu: In the Navy