Stilkritik

Folge 16: der Deutschlanddaumen

Wir wollen an dieser Stelle ein paar Worte über die Verwendung des Daumens der deutschen Stürmer Klose, Neuville und Podolski verlieren. Seit Beginn dieser WM recken die drei Herren am Ende eines gut gemeinten, gleichwohl ergebnislosen Spielzugs eilfertig den Daumen ihrer rechten Hand empor. Sie möchten damit dem Pass gebenden Mitspieler signalisieren: Hey, Kollege, Dein Zuspiel flog zwar zwanzig Meter an mir vorbei, aber echt nett von Dir, dass Du an mich gedacht hast. Die Geste gehört mittlerweile zum festen Repertoire des deutschen Sturms, etwa gleichbedeutend mit den Standardsituationen Ecke und Freistoß. Seine rhetorische Entsprechung fand der gestreckte Daumen bislang allenfalls in der Diktion von Führungskräfteseminaren („We are SZ“) oder Jürgen Höller („Tschakka“). Dass der Deutschlanddaumen vor allem infolge notorischer Arne-Friedrich-Querschläger zum Einsatz kommt, unterstreicht seine therapeutische Funktion. Sportgeschichtlich betrachtet, ersetzt der Deutschlanddaumen eine Geste, die lange Zeit die Entfremdung innerhalb der deutschen Nationalmannschaft, aber auch zwischen ihren Fans und Spielern versinnbildlichte: die Rede ist vom Effenberg-Mittelfinger.Foto: ddp

Bisher bereits erschienen:

Folge 1: Der Fußball-Bierkrug
Folge 2: Claudia Schiffer
Folge 3: WM-Slips
Folge 4: Das deutsche Trikot
Folge 5: Horst Köhler
Folge 6: Die Hawaii-Blumenkette
Folge 7: Die Brasilianerin
Folge 8: Schweinsteiger
Folge 9: Die VIP-Badges
Folge 10: Beckenbauer
Folge 11: Sönke Wortmann
Folge 12: „Oöeiiihh!“
Folge 13: Die Perücke
Folge 14: der Panama-Hut
Folge 15: Die Doc-Leibchen
Folge 17: Maradona
Folge 18: die Autofahne
Folge 19: der Daumenlutscher
Folge 20: das Budweiser
Folge 21: der Fuchsschwanz
Folge 22: Klinsmanns Outfit
Folge 23: Menschen vor dem Fernseher
Folge 24: Die ZDF-Jubelnudel
Folge 25: Cristianos süßer Ohrring
Folge 26: Der Opportunist
Folge 27: Weiterfeiern
Folge 28: der Pokal

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