Biomüll und Seelenschrott

In der Pandemie ist vieles, was einem vorher einerlei war, auf einmal unheimlich wichtig. Etwa wann die Müllabfuhr kommt.

Illustration: Dirk Schmidt

Mittwochs ist bei uns Müllabfuhr. Am Donnerstagabend um halb zehn begab ich mich, beladen mit Kartons, in den Hof. Da war eine der beiden Papiertonnen unseres Mietshauses schon wieder voll, so altpapieren sind die Zeiten. Ich zückte ein Messer, zerschnitt die Kartons und schichtete die Teile in die zweite, ebenfalls bereits wieder halb gefüllte Tonne. Nach mir erschien ein Nachbar, tat es mir gleich und füllte die Tonne zur Gänze. Anderthalb Tage nach der Leerung waren die Behälter also randgefüllt.

Da wir aber noch drei kleine Kartons in der Wohnung hatten, auch alte Zeitungen, stopfte ich diese Kartons voll mit dem Altpapier und warf sie in eine Ecke des Restmüllcontainers. Zwei Stunden später traf eine Mail der Hausverwaltung ein: So gehe es nicht. Jemand hatte die Kartons aus der Ecke gezerrt, im Container ausgebreitet und dann fotografiert, samt unserer Namen darauf. Er (oder sie) hatte sich über uns beschwert. Wer? Das dürfe sie nicht sagen, antwortete die Verwaltung, Datenschutz.

Ich war auf 180 und verfasste einen – in Anbetracht meines Blutdrucks – maßvoll, ausgeruht und entspannt formulierten Aushang für die Hausgemeinschaft: Man möge sein Heil nicht in anonymen Beschwerden (das Wort Denunziation verbot ich mir) suchen, sondern im nachbarschaftlichen Gespräch.

Ehrlich,

Bruno,

Als das Müllauto um die Ecke bog und die Männer sich näherten, kratzte er all seine Freundlichkeitsvorräte zusammen und erkundigte sich servil-jovial, wie man denn die Tonne diesmal wirklich leeren könne. Ob es nicht angezeigt sei, den von der Hebekippruckelvorrichtung am Wagen angehobenen Behälter so oft gegen das Auto zu schlagen, bis er tatsächlich leer sei?

Die

Für

Ich