Kaltstart

Das Herumstehen im Uferbereich von Badegewässern hat Tradition. Vorgeblich dient es dem »Abschrecken« – einer kleinen Wasserschlacht gegen sich selbst. Die lässt man aber meist schnell wieder sein und steht nur noch verzagt vor Schilf. Da weht immer ein kleiner Wind, alles fröstelt, und der große Zeh tief unten sieht schon wasserleichig aus. Die Wahrscheinlichkeit eines Bades nimmt ab, je länger man so halb nass verweilt. Denn es ist ja ein ewiger Irrtum zu denken, der Körper würde sich an die Kälte in der Kniekehle gewöhnen. Tut er nicht! Der einzig richtige Stapellauf geht so: Noch am Ufer losrennen, »Jippie!« schreien (oder was Zeitgemäßes), beim erstem Wasserkontakt die Augen zukneifen, die Arme heillos in die Flucht werfen, um sich fünf Storchensprünge später ganz hinzugeben, zu versinken und den Schmerz dort loszuwerden, wo es niemand hört. Danach muss man nur noch halbwegs souverän auftauchen und den Verbliebenen am Ufer bedeuten, sie sollten sich gefälligst nicht so anstellen. Easy!

Freizeittauglich: Aktentaschen von Ermenegildo Zegna.

Foto: Myrzik und Jarisch

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