Ungeduld

Früher waren Handschuhe ein Zeichen von heiler Welt. Heute dienen sie nur noch dazu, unsere Hände zu wärmen. Schade eigentlich, findet unser Kolumnist.

Küsst die Hand: Lederhandschuhe von Max Mara.

Moos-Tang

Ungeduld des Herzens ist der einzige Roman, den Stefan Zweig zu Ende geschrieben hat. Es geht darin eigentlich weniger um Ungeduld als um kolossales Unheil, die Liebe betreffend. Das kann man ruhig mal lesen, auch wenn die Probleme des K.-u.-k-Leutnants Anton Hofmiller auf den ­ersten Blick recht speziell scheinen: spontane Verlobung mit Edith, der gelähmten Tochter eines ungarischen Schlossherrn, später Angst um Ansehensverlust vor anderen Offiziersschnöseln. Das lässt sich nicht so leicht »runterbrechen«, wie der Journalist sagt. Sehr wohl aber sind der akkurate Umgangston und die allzeit glänzenden Stiefelspitzen bis heute ein Hinweis darauf, wie fein säuberlich die Welt war. Und Handschuhe! Die werden bei Zweig häufig nervös an- und ausgezogen. Eigentlich schade, dass wir uns dieses Accessoire jenseits des Winters abgewöhnt haben, denn mit Handschuhen kann man auch ausgezeichnet winken, wedeln und werfen. Und vor allem – die Welt ist weicher, wenn man sie mit guten Handschuhen berührt.

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