Verraten und vermöbelt

Für 1550 Euro soll es bald eine Matratze geben, die über die Untreue des Partners informiert. Noch viel unauffälliger wären allerdings einige andere Fremdgeh-Warnmöbel.

Die Presse auf der ganzen Welt hat über die »Smartress« berichtet, alle staunen über die Produktinnovation eines spanischen Herstellers: eine mit Bewegungssensoren und anderen Messinstrumenten ausgestattete Matratze, die einen per Smartphone-App darüber informiert, wenn der Partner auf dieser Matratze fremdgeht bzw. -liegt. Auch wenn es Zweifel daran gibt, ob das Produkt wirklich erhältlich sein wird (angeblicher Preis: 1550,- Euro), oder ob es sich um den aufwendigen Gag einer PR-Agentur handelt: intelligente Einrichtungsgegenstände, die ihre Besitzer über Untreue informieren, gelten jetzt schon als künftiges Standbein der Möbelindustrie. Hier ein Ausblick auf alles, was in der Entwicklung ist.

CleverChair
Misst über akustische und Gewichts-Sensoren, ob der Partner sich mit erschöpftem Seufzen setzt, und ob sein Gewicht im Laufe der Monate leicht, aber stetig zunimmt. Sobald diese Parameter verletzt werden, der Partner also plötzlich abnimmt und nicht mehr voll Lebensüberdruss stöhnt, schlägt der CleverChair Fremdgeh-Alarm.

FailyMirror
Mit Hilfe hochsensibler Stirnfalten- und Mundwinkel-Messgeräte registriert dieser praktische Badezimmerspiegel bereits kleinste Anzeichen jenes leicht dümmlichen, selbstzufriedenen Gesichtsausdrucks, mit dem sich unbeobachtet wähnende Fremdgeherinnen und Fremdgeher ihr Antlitz gern im Spiegel mustern. Gegen leichten Aufpreis mit Backen-Einsaug-Alarm.

Meistgelesen diese Woche:

TrueTable
Ehebrecherinnen und Ehebrecher sind im allgemeinen stark beeinflusst durch Hollywoodfilme aus den späten Achtziger Jahren und Fernsehserien aus den Nullern. Hierdurch zeigen sie eine Prädisposition zu schnellem, hungrigem Sex auf dem Tisch bzw. Schreibtisch. Dieses unauffällige, auch modernen Ansprüchen vollauf genügende Büromöbel wird zum wachsamen Privatdetektiv, weil es genau registriert, sobald jemand die klassische Ich-will-dich-hier-und-jetzt-die-Familie-ist-mir-egal-sogar-der-Hund-Bewegung macht und den Tischinhalt mit einer ungeduldigen Geste von der Platte fegt (auf Wunsch mit Override-Mechanismus, der die Fremdgeh-Anzeige deaktiviert, sofern das Unterlagen-vom-Tisch-Fegen begleitet wird durch die Ausrufe »Warum immer ich? Buhuhu, es ist doch Wochenende« oder »Macht euren Scheiß doch alleine«.

Wird oft zusammen gekauft mit:

FrameFrame
Dieser Bilderrahmen schlägt bereits an, wenn er in der charakteristischen Bewegung auf dem Nacht- oder Bürotisch von einer vor außerehelicher Erregung zitternden Hand umgedreht wird. Auf Wunsch mit vorinstalliertem Familien- oder Hochzeitsfoto.

ShelveIt
Dieses hochwertige Bücherregal in der international anerkannten »Billy«-Optik wird zum gewieften Eheretter, sobald nach einfacher Konfiguration durch die eingebauten Farbsensoren folgendes gemessen wird: Buchgeschenke unbekannter Herkunft, die nicht in die Farb- und Stimmungswelt der Bibliotheksumgebung passen. Diese Buchgeschenke werden in Fachkreisen auch »Musst-du-unbedingt-lesen-hat-mir-so-viel-bedeutet«-Bücher bezeichnet und sind ein eindeutiges Warnsignal (also in stark heterosexuellen Mustern folgenden Beziehungen etwa, wenn er plötzlich Bücher von Joyo Moyes oder Nicholas Sparks ins Regal stellt, und sie Bücher von Franz Beckenbauer, Helmut Schmidt oder Thilo Sarazzin).

NoseyTrimmer
Dieser handelsübliche Nasenhaarschneider für den Herrn verfügt über eine genial einfache Modifikation: die zugehörige App meldet Betrugsgewissheit in dem Moment, wo der Nasenhaarschneider nach Jahren zum allerersten Mal überhaupt von seinem Platz hinten im Badezimmerregal angehoben wird. Extra gegen Aufpreis: Stimmdetektor, der bereits bei »Wo ist eigentlich mein, der Dings, dieser.. na, der Trimmer, ach, Mann, wenn man ihn einmal braucht ...« anschlägt.

Illustration: Eugenia Loli

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