Vergängliches Vergnügen 

Nach zwei, drei Knödeln landet man schnell im Fresskoma. Von den einfachen Aprikosenknödeln unseres Kochkolumnisten kann man – trotz Schokoladenfüllung – eine ganze Menge verputzen.

Aprikosen sind vergänglich - gerade waren sie noch unreif, hart und sauer, wenige Tage darauf sind sie schon mehlig, matschig und zu süß. Um die perfekten süß-sauren, gerade nicht mehr festen Aprikosen für seine Marmelade zu bekommen fährt mein Freund Peter jedes Jahr Ende Juni in die Wachau. Dort heißen die Aprikosen Marillen. Er pflückt dann höchstpersönlich die schönsten Früchte im rechten Moment. Sobald die Erntekörbe voll sind, eilt er zurück in seine fränkische Heimat, um die sensiblen Früchte sofort einzukochen. Ich zweifle, dass Peter die Schönheiten der Wachau jemals kennenlernen konnte, es soll dort ja zum Beispiel nette Restaurants geben. Dafür schmeckt seine Marmelade aber eben außergewöhnlich gut.

Natürlich wäre es auch für Aprikosenknödel ideal, die vollreifen Früchte direkt vom Baum in den Kochtopf zu kullern zu lassen. Aber in einer nicht perfekten Welt kann man den Reifegrad der Aprikosen ganz gut über eine etwas längere oder kürzere Kochzeit ausgleichen. Die Aprikosensaison beginnt gerade erst, unsere Fotofrüchte waren deshalb vor zwei Wochen noch nicht sehr reif, mit fünf Minuten längerer Kochzeit aber trotzdem wunderbar saftig. Diese nicht ganz so perfektionistische Herangehensweise passt auch zum Rezept: Anders als bei eher edlen Knödeln (wie unsere Oktoberfestknödel) mit viel Butter und Zucker, bei denen man nach zwei, drei Knödeln wahlweise ins Knödel-Koma oder Knödel-Nirwana gelangt, kann man von diesen Alltags-Aprikosenknödeln eine ganze Menge verputzen. Wer will, lässt den Hauptgang vor den Knödeln einfach weg – so wie es in katholischen Gegenden zum Beispiel an Fasten-Freitagen oft üblich war. Dann aber lieber ein paar mehr Knödel vorbereiten.

Eine sehr gutes Rezept für Aprikosenmarmelade und ungewöhnliche Rezepte mit Aprikosen finden Sie in der Samstagsküche vom Juni 2018.

Einfache Aprikosenknödel mit Schokofüllung

Für 4 Personen (ca.16 St.):
16 reife Aprikosen
16 TL Schokocreme (ca. 75 g, ich nehme eine dunkle Zartbitter-Sorte)
500 g Quark (20%)
2 Eier (M)
60 g weiche Butter (siehe Tipp)
1 TL geriebene Zitronenschale (schadet nie, muss aber nicht sein)
Salz
225 g Spätzlemehl oder Wiener Griessler und etwas mehr zum Ausrollen

Für die Brösel:
80 g Weißbrotbrösel (Für selbstgemachte Brösel mit einem Messer von trockenem (!) Weißbrot die Rinde halbwegs abschneiden. Anschließend das Weißbrot reiben, oder grob würfeln und im Universalzerkleinerer oder im Blitzhacker mixen, nicht sieben)
50 g Butter
2-3 EL (Muscovado-)Zucker
1 TL Zimt

Aprikosen waschen, abtropfen lassen und halb aufschneiden, den Stein jeweils herausnehmen und durch einen TL Schokocreme ersetzen, in den Kühlschrank stellen. Quark in einem Küchentuch fest auspressen, anschliessend in einer Schüssel mit Eiern, Butter, Zitronenschale und einer kleinen Prise Salz verrühren. Mehl unterkneten, den Teig etwa 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Arbeitsfläche mit Spätzlemehl bestreuen, den Quarkteig zu einer Rolle mit etwa 5 cm Durchmesser formen. Ein kleines Stück Teig abnehmen, zu einem nussgroßen Probeknödel formen und in kochendes Wasser legen. Die Hitze reduzieren, einen Deckel zu zwei Dritteln auf den Topf legen, den Knödel 7-8 Minuten mehr ziehen als kochen lassen. Zerfällt der Knödel, noch etwas Mehl in den Teig kneten, ist er zu fest, noch etwas Quark untermengen. In der Regel passt der Teig aber sofort, dann einfach in 16 Scheiben schneiden.

Jedes Teigstück mit bemehlten Händen flachdrücken, der Teig soll recht dünn werden. Jeweils eine Aprikose darin einwickeln, die Ränder sorgfältig zusammendrücken und so verschließen. Die Knödel rund rollen, in einen großen Topf mit kochendem, leicht gesüßtem und schwach gesalzenem Wasser legen. Sobald die Knödel aufsteigen, die Hitze reduzieren, mit leicht geöffnetem Deckel ca. 12 Min. ziehen lassen (wenn die Aprikosen eher unreif sind ein paar Minuten zugeben).

In der Zwischenzeit die Butter in einer Pfanne erhitzen, Brösel unter Rühren goldbraun rösten. Zuletzt Zucker und Zimt unterrühren. Knödel mit einem Sieblöffel aus dem Wasser heben, gut abtropfen auf Teller verteilen und mit Bröseln bestreuen. Oder die abgetropften Knödel in den Bröseln wälzen.

Tipp: Dieser Quarkteig ist ein leichtes und einfaches Grundrezept für den Alltag, Sie können Ihre Knödel auch mit Zwetschgen, Erdbeeren, Apfelwürfeln oder anderen Früchten füllen. Für noch leichtere Knödel die Butter im Teig weglassen, für feine Festtagsknödel etwas mehr Butter verwenden.