Für feurig-fruchtige Sommernächte

Die Michelada, Mexikos Sommerdrink, schmeckt wie eine Kreuzung aus Bloody Mary und Radler. Da eine wichtige Zutat hier aber nur schwer zu bekommen ist, griff unser Koch als Ersatz zu einer Würzsoße, die nur höchst selten für Drinks verwendet wird.

Foto: Hans Gerlach

Beinahe hätte mir »ergiebiger Landregen« einen Strich durch die Kolumne gemacht - doch das Wochenende wird heiß, sehr heiß hoffe ich. Denn das ist auch schon die wichtigste Voraussetzung, um eine Michelada wirklich zu genießen. Die fruchtig-säuerlich-scharfe Kreuzung zwischen Bloody Mary und Radler klingt gewagt, schmeckt aber gut. Im Original kommt »Clamatojuice« in den erfrischenden Long-Drink, das ist ein US-amerikanischer Tomatensaft mit pulverisierten Venusmuscheln. Zwischen Toronto und Puerto Angel steht er in jedem Supermarkt. Ähnlich wie die Mexikaner ihre Michelada bereiten auch die Kanadier ihren National-Cocktail Caesar mit Clamato zu, nur kommt dort Wodka in den Tomatensaft, anstelle von Bier.

Ich war mir nicht sicher, ob man die Michelada einfach in den mitteleuropäischen Sommer verpflanzen sollte, denn Clamatojuice ist bei uns schwer zu bekommen und unverschämt teuer, ich müsste also eine passende Alternative suchen. Die Frage ist: Warum verwenden mexikanische Michelada-Mixer den Saft? Es gibt einen technischen Grund: Das sanfte Muschelaroma sorgt für Umami, also einen vollen Geschmack. Zweitens ist der Tomatensaft mit Muschel-Umami in den lokalen Supermärkten leicht verfügbar. Regionale Produkte prägen regionale Rezepte, das ist ja beim bayerischen Krustenbraten mit Kartoffelknödel genauso. Nur ist der Supermarkt kein Kartoffelacker, ich finde deshalb zieht das regionale Argument nicht so richtig. Abgesehen davon enthält Clamato eine Menge Lebensmittelzusatzstoffe, die ich eigentlich in meinem Essen gar nicht haben will. Um zu prüfen, ob ich das Muschel-Umami ersetzen kann, habe ich zuerst ganz streng eine Original-Michelada gemixt. Für die neue Version habe ich dann einen sehr guten Bio-Cocktailtomatensaft genommen und einen Teelöffel Fischsauce dazugegeben.

Ergebnis: Die Bio-Michelada schmeckt noch viel besser. Ähnliches wie für den Tomatensaft gilt auch für Chamoysauce und Bier – hier wird sogar in Mexiko wild variiert. Es ist deshalb sicher kein Problem ein deutsches Bier zu verwenden, zur fruchtigen Tomate gefällt mir zum Beispiel ein herbes Altbier aus Düsseldorf.

Ist eine Michelada mit Bio-Cocktailtomatensaft vom Niederrhein, vietnamesischer Fischsauce und Düsseldorfer Bier dann überhaupt noch eine Michelada? Ich weiß es nicht, ist mir aber auch egal: Wenn ich meine Münchner Michelada trinke, denke ich an Mexiko und freue mich über die letzten Sommertage.

Video: Hans Gerlach

Für 2 Micheladas in großen Gläsern (400 - 500 ml):

  • 2 Gläser
  • Salz, Chilipulver (nicht zu fein gemahlen)
  • 1 Limette
  • 300 ml eiskalter Tomatensaft (oder Clamatojuice)
  • Worcestersauce
  • Chili-Chamoy-Sauce oder eine andere sehr milde säuerliche Chilisauce – oder einfach weglassen
  • Tabasco oder eine andere scharfe Chilisauce ohne Knoblauch
  • 2 TL Fischsauce
  • 2 kleine Flaschen eiskaltes Bier

Gläser im Gefrierfach kühlen. Etwas Salz und Chilipulver auf einem kleinen Teller mischen. Limette halbieren, eine Hälfte verwenden um die beiden Glasränder zu befeuchten, Glasränder in der Salz-Chilimischung drehen.

Tomatensaft auf die beiden Gläser verteilen, Limettensaft auspressen und dazu geben. Mit jeweils einem kräftigen Schuss Worcestersauce und Chamoy-Sauce, einem nicht ganz so kräftigen Schuss Tabasco und etwas Fischsauce würzen. Mit Bier aufgießen.

Dazu passen zum Beispiel Tortillachips, ein Tomatenwürfel-Koriander-Zwiebel-Dip und Guacamole (zum Beispiel mit Bio-Avocados aus Ostafrika, wo es genug Wasser für den Anbau gibt).

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