Kleine Eier, großer Genuss 

Wachteleier sind groß im Kommen: Man findet sie häufiger im Supermarkt, und das zu erschwinglichen Preisen. Wenn Sie dieses Rezept ausprobiert haben, werden Sie wissen, warum das eine gute Nachricht ist. 

Wachteln verhalten sich zu Hühnern - oder gar Gänsen - wie kleine Elektroautos zu großen SUVs, die kleinen Vögel brauchen wenig Futter und machen wenig Dreck. Wachteln sind die perfekten Hühnervögel für den kleinen Garten in der Stadt. Sicher ist es deshalb kein Zufall, dass mir in letzter Zeit immer wieder Menschen begegnen, die mit Begeisterung Wachteln halten. Selbst in gewöhnlichen Supermärkten findet man inzwischen regelmäßig Wachteleier, sogar zu erschwinglichen Preisen.

Zuletzt sind mir im lettischen Riga wirklich auf jedem Markt und in jedem Restaurant Wachteleier begegnet. Am schönsten war ein Wachteleier-Stand auf dem Markt im Kalnciema-Viertel, sowohl der Markt mit den Angeboten vieler lokaler Mini-Produzenten als auch das Stadtviertel mit seinen eleganten Holzhäusern sind übrigens sehr zu empfehlen. An einem Stand briet ein junger Mann Wachteleier in einem kleinen Gerät, das mit seinen vielen halbkugelförmigen Vertiefungen an eine Pofferties-Pfannkuchen-Backplatte erinnerte. Nur dass die halbrunden Vertiefungen so konstruiert waren, dass man einen Holzspieß durch die halbfertigen Eier schieben konnte. Der junge Mann drehte den Spieß samt fünf Mini-Spiegeleiern um und briet sie noch eine Minute fertig. Spiegeleier am Spieß! Vor dem Stand war eine lange Schlange, ich hatte das Gefühl eine superauthentische lettische Spezialität entdeckt zu haben. Wäre ja auch plausibel in der Stadt der allgegenwärtigen Wachteleier. Allerdings stellte sich im Gespräch heraus, dass der junge Lette einige Jahre in Korea gelebt hatte.

Die Idee für die lettischen Spiegel-Wachteleier stammte aus Korea – genauso wie das Rezept für seine zweite Spezialität: Eingelegte Wachteleier in einem leicht scharfen Sojasud. Die schmecken cremig, leicht nussig und mit einem Hauch Ingwer und Chili anregend scharf (das Rezept hat mit den gefürchteten Uralt-Eiern aus China überhaupt nichts zu tun). Die kleinen Wachteleier sind sehr gut als Snack, auf Salaten oder mit Reis und Gemüse. Mir gefällt, wie der Mann vom Kalnciemer Markt für sein Wachteleier-Startup Anregungen aus einem weit entfernten Land geschickt mit den Gegebenheiten seiner Heimat verquickt.

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Wachteleier «Rigastyle«
Für 6-8 Personen:

2 EL Weißweinessig
36 (Bio-)Wachteleier
1 kleine Knoblauchzehe
1 Zwiebel
100 g Karotten
30 g Ingwerwurzel
3-5 große, nicht zu scharfe Chilischoten
150 ml Sojasauce

Optional:
Mangold
Gekochter Reis
Furikake (aus dem Japanladen oder mit diesem Rezept)

Wachteleier in 1 l Wasser mit 2 EL Weißweinessig 4 Minuten hart kochen, abgiessen, abschrecken. Die Eier im Topf schütteln, so dass die Schalen teilweise zerbröseln. Dann wieder etwas Wasser in den Topf geben, so lassen sich die Eier besser schälen. Wachteleier schälen.

Knoblauch, Zwiebel, Karotten und Ingwerwurzel schälen. Den Knoblauch hacken, die Zwiebel halbieren und in dünne Spalten schneiden, die vom Wurzelansatz jeweils zusammen gehalten werden. Karotten in Scheiben und Ingwer in ganz dünne Scheiben schneiden. Chilischoten waschen und ein paarmal mit einer Rouladennadel o.ä. anpieksen. Alles zusammen mit 500 ml Wasser und der Sojasauce 5 Min. kochen. Wachteleier in die heiße Marinade geben, vom Herd nehmen und mindestens einen Tag lang durchziehen lassen. Im Kühlschrank halten sich die Eier mindestens zwei Wochen.

Die Wachteleier mit etwas Gemüse und Marinade snacken. Wer will kann dazu etwas gedünsteten Mangold und gekochten Reis servieren und alles mit Furikake bestreuen.