Kann Schnaps schlecht werden?

»Je leerer die Flasche, desto schneller sollte man trinken«, sagt eine Spirituosen-Expertin – und gibt Tipps zur Aufbewahrung von Hochprozentigem.

Illustration: Ryan Gillet

Julia Nourney ist Spirituosenexpertin und -Beraterin, Produktentwicklerin, Jurorin bei internationalen Spirituosen-Wettbewerben und Mitglied in der exklusiven Londoner Gin Guild, in der sich Destillateure und Experten austauschen:

»Wie so oft lautet die Antwort: Jein. Einerseits hängt die Haltbarkeit vom Alkoholgehalt ab: Je höher die Alkoholkonzentration bei einem Getränk, desto geringer die Veränderung mit der Zeit. Mit Schnaps sind im alltäglichen Sprachgebrauch ja meistens Obstbrände mit einem Alkoholgehalt von um 40 % gemeint. Die sind ungeöffnet praktisch unbegrenzt haltbar und haben deshalb auch kein Ablaufdatum. Liköre dagegen, die auch zu den Spirituosen gehören und mitunter nur 15 % Alkoholgehalt haben, können mit der Zeit schal schmecken. Giftig sind sie deshalb nicht, nur schmecken sie halt nicht – insbesondere sahnehaltige Liköre und Eierlikör.

Andererseits hängt die Haltbarkeit davon ab, ob die Flasche offen oder geschlossen ist. Sobald eine Flasche geöffnet wird, kommt Sauerstoff ans Getränk und fördert dessen Oxidation. Der Alkoholgehalt und die Aromen schwinden und das Getränk schmeckt mit der Zeit wässrig – das kann bei Hochprozentigem aber lange dauern. Eine Faustregel ist hier: Je leerer die Flasche, desto schneller sollte man trinken.

Hochprozentiges bewahrt man anders als Wein am besten stehend auf, weil der Inhalt den Korken angreifen könnte. Die Flaschen nicht direkt ins Sonnenlicht oder unter eine andere Lichtquelle stellen, sondern hinten ins Regal. Für manche alten Cognacs und Whiskeys gibt es übrigens einen Sammlermarkt. Wer einige Flaschen erbt, zum Beispiel von einem Familienmitglied, kann sich im Internet umsehen, ob die Getränke bei vergangenen Auktionen womöglich hohe Preise erzielt haben.«