Immer wieder Klassenfahrt

Der Fotograf Martin Lamberty begleitet die Band AnnenMayKantereit seit sieben Jahren – jetzt veröffentlicht er das Fotobuch »My Friends Got Famous«. 

Name: Martin Lamberty
Geboren: 1991 in Köln, Deutschland
Wohnort: Köln
Ausbildung: Bachelorstudium der Fotografie, aktuell Masterstudium der Photographic Studies, beides an der FH Dortmund
Website: www.martinlamberty.de
Instagram: @bertylam

SZ-Magazin: Herr Lamberty, Sie sind mit den Bandmitgliedern von AnnenMayKantereit zusammen zur Schule gegangen, wann wurde aus der Freundschaft ein Job?
Martin Lamberty: Kurz nach dem Abitur startete die Band mit Straßenmusik, da war ich schon dabei. Als Menschen noch Münzgeld in den Gitarrenkoffer von Christopher geworfen haben, weil denen das so gut gefallen hat. Die Band wollte gerne kleine Videos von den Auftritten ins Internet stellen und haben mich gefragt, denn Fotografie war damals schon mein Hobby. Durch die Arbeit mit der Band habe ich mich dann auch entschieden Fotografie zu studieren.

Nimmt die Band Ihre Kamera überhaupt wahr, weil Sie doch kein fremder Starfotograf, sondern ein guter Freund sind, der dahinter steht?
Ja, natürlich, aber Fotografie hat auch sehr viel mit Vertrauen zu tun. Man begibt sich in einen sehr intimen Persönlichkeitsbereich der Menschen – und ich habe auf jeden Fall einen Vorteil, da wir so gut befreundet sind. Ich bin einfach kein Fremdkörper in der Gruppe, und die Band vertraut mir und meiner Arbeit aus tiefstem Herzen.

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Was produzieren Sie für die Band?
Ich mache klassische Tourbegleitung: halte den Tag fest, mache abends Konzertbilder und beliefere damit die Social-Media-Kanäle der Musiker. Im Herbst waren wir zwei Monate lang in Spanien, dort hat die Band ihr neues Album produziert. Ich habe alle Fotos sowohl für das Album als auch die Singles fotografiert. Zudem nehme ich klassische Pressefotos auf und produziere mit einem Kollegen die Videos.

»My friends got famous«, heißt ihr Bildband. Was ja im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie nicht berühmt geworden sind. Wären Sie es gerne? 
Das ist schon okay für mich. Wenn ich beispielsweise mit Severin in der Stadt unterwegs bin oder wir im Café sitzen, wird er von Fans erkannt und angesprochen. Da bin ich ganz froh, dass ich einfach aus dem Haus gehen kann, ohne dass ich mir über so etwas Gedanken machen muss.

Wie ist das, wenn man praktisch mit seinen Freunden Geschäfte macht?
Das hat seine Vor- und seine Nachteile. Auf der einen Seite ist es natürlich sehr gut, weil wir offen über alles sprechen können, auf der anderen Seite würde man ohne die Nähe vielleicht klarere Grenzen ziehen. 

Manche Fotos in »My Friends Got Famous« sehen gar nicht nach Bandfotos aus, man sieht einen Wald, einen einsam im Pool treibenden Schuh. Wie lassen sich diese unbetitelten Aufnahmen mit AnnenMayKantereit in Verbindung bringen?
Das Buch sollte kein Fan-Backstage-Buch werden und ist keine Auftragsarbeit der Band. Allein durch den Kontext ist es trotzdem mit der Band verbunden, zeigt die Reisen und das ständige Unterwegssein. Durch die bewusste Entscheidung, die Fotos nicht einzeln zu erklären, möchte ich dem Betrachter die Möglichkeit geben selbst zum Erzähler zu werden.

Ist eine Band irgendwann ausfotografiert? Also: jedes Motiv schon x-mal gemacht, jede Geste, jede Publikumsreaktion?
Nein, für mich nicht. Die letzte Tour ist zwei Jahre her und ich habe wieder richtig Lust unterwegs zu sein, das ist immer aufregend, so ein bisschen wie Klassenfahrt.

Der Bildband »My Friends Got Famous« ist gerade im Verlag Kettler erschienen.

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