Mädchenabend

Die eine schreibt die erfolgreichsten Dialoge des deutschen Kinos, die andere verstört Literaturkritiker im ganzen Land. Und abends gucken sie zusammen Reality-TV. Anika Decker und Helene Hegemann über ihre ungewöhnliche Freundschaft.

Pyjamaparty: Decker (l.) und Hegemann fotografieren sich selbst - in Fernsehabendkleidung.

SZ-Magazin: Frau Hegemann, Frau Decker, woher kennen Sie beide sich?
Anika Decker:
Au, wir hätten uns da mal eine gute Geschichte überlegen sollen …
Helene Hegemann: Stimmt. Wir könnten was erzählen über unsere Landgüter auf Mauritius und unsere gemeinsamen englischen Adelsvorfahren.
Decker: Oder vom Esperanto-Kurs.
Hegemann: Tatsache ist, wir haben uns nachts um vier im »King Size« kennengelernt, das ist eine Bar in Berlin. Dann sind wir spontan zur Tankstelle gefahren und haben für 600 Euro eingekauft. Bonbons, Chips, palettenweise Cornetto-Eis.

Für 600 Euro?
Decker: Alkohol auch ein bisschen.

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Wann war das?
Hegemann: Sommer 2010.

Also genau in dem Sommer, in dem Ihr erstes Buch, Frau Hegemann, stark in der Kritik stand, weil Sie darin Passagen von einem Berliner Blogger übernommen hatten. Und Sie, Frau Decker, waren da gerade als Drehbuchautorin der Til-Schweiger-Filme Keinohrhasen und Zweiohrküken bekannt geworden. Zwei Frauen der Stunde. Stellt man sich da einander vor oder geht man davon aus, dass einen eh ganz Deutschland kennt?
Hegemann: Denk dir was Gutes aus!
Decker: Nein, jetzt mal real. Ich habe zu dem Zeitpunkt mit Detlev Buck an einem Film gearbeitet, Buck kannte Helene, hat ab und zu von ihr erzählt. Und als ich sie dann getroffen habe, habe ich einfach reflexartig gesagt: »Hey, Helene.«
Hegemann: Und los ging’s.
Decker: Plötzlich tanzten wir nebeneinander.
Hegemann: Es war sofort eine große hippiehafte Euphorie, die sich da breitmachte.

Wie wurde daraus eine Freundschaft?
Decker:
Ich glaube, Schreiben ist ein sehr merkwürdiger Beruf, da hat man komische Probleme mit sich und dem Leben, die sind für Außenstehende nicht so nachvollziehbar.
Hegemann:
Und die kannst du auch nicht unbedingt mit Martin Walser teilen.
Decker: Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns in dem Punkt gut verstehen, dass wir uns gegenseitig inspirieren. Aber wir konnten sofort auch Tage auf dem Sofa verbringen und Fernsehschrott anschauen.
Hegemann: Wir bestellen dabei gern Essen – und bekommen immer sechs Bestecke mitgeliefert, weil sich niemand vorstellen kann, dass diese Menge für nur zwei Menschen gedacht sein kann.

Was schauen Sie dann am liebsten an?
Decker: Stumpfes amerikanisches Reality-TV.
Hegemann: Bis zum Exzess! Das ist auch eine große sogenannte Inspirationsquelle. Wir lieben zum Beispiel Gallery Girls, da geht es um reiche Mädels, die in New Yorker Galerien arbeiten, aber nebenher noch in Asien für Werbekampagnen modeln. Unglaublich, noch abgehobener und brutaler als Gossip Girl.
Decker: Wir haben dazu noch nicht mal ironischen Abstand. Und ich kann ja da aus meinen früheren Erfahrungen als Redakteurin bei Big Brother schöpfen, wir diskutieren dann, wie das wohl gedreht wurde. Aber ich mag das grundsätzlich nicht, wenn man sein Leben in so ironischer Distanz verbringt.
Hegemann: Unangreifbar.
Decker: Sich cool über Leute erheben zu wollen, das find ich abstoßend.
Hegemann: Wer sich nackt macht, hat mehr vom Leben. Das gilt für alles, von menschlichen Beziehungen bis zur Inneneinrichtung. Coolness ist gefährlich.

Inwiefern?
Hegemann: Alles höflich zu bewerten, aber sich nichts auszusetzen, das ist feige und langweilig.

Spielen absurde Fernsehformate für Ihre Arbeit eine Rolle?
Hegemann:
Was uns verbindet, ist die Fähigkeit, Mainstream in Frage zu stellen, ohne ihn zu verabscheuen.
Decker: Was ich mache, ist ja purer Mainstream! Und eben auch nicht mit Distanz. Ich schreibe einfach das, was ich mir als Zuschauer gern anschauen würde. Da ist keine Berechnung dabei. Mich interessiert alles, was authentisch, ehrlich ist. Ich finde ja deine Bücher auch ehrlich und direkt, Helene. Genau das Gegenteil von »Ich mach mal das, was im Feuilleton funktioniert«.

Frau Hegemann, wie wichtig ist Ihnen Authentizität?
Hegemann: Das Wort ist problematisch! Authentizität ist ein Wort, das konstruierte Dinge als natürliches Ultimatum verkaufen will. Man hält etwas für authentisch, weil man es zehnmal in einer Fernsehserie gesehen hat. Und wenn jemand im realen Leben differenzierter funktioniert und daraus keinen Hehl macht, gilt das als verlogen. Man muss nach Echtheit suchen.
Decker: Dialogsätze, die authentisch klingen, sind ja oft genau die, an denen man endlos geschraubt und gedreht hat.

Schrauben Sie auch an Passagen lange herum, oder schreiben Sie anders, Frau Hegemann?
Hegemann: Kann man schwer vergleichen. Mir sind von vornherein Grundstimmungen klar, und die verdichten sich dann zu etwas. Über Monate hinweg. Das kann zu totalen Blockaden führen. Solange man keinen Grund hat, etwas zu schreiben, sollte man das auch wirklich nicht tun.
Decker: Ich hab grundsätzlich schon mal enormen Respekt vor jedem, der ein Buch nicht nur anfängt, sondern auch fertigschreibt. Man wird ja so durchbewertet von allen, dass es ganz angenehm ist, das selbst nicht zu tun.
Hegemann: Allein die Parameter, anhand derer man bewertet wird! Irre! Ich würde nie auf die Idee kommen, Anika – oder irgendwen sonst – anhand meiner eigenen Maßstäbe zu bewerten oder zu entkräften. Das wäre ja eine riesige Anmaßung.

In der Bewertungsfalle stecken Sie beide. Über Sie, Frau Hegemann, hieß es anfangs ständig, Sie würden Ihre Generation irgendwie repräsentieren.
Hegemann:
Obwohl ich das selbst immer und immer wieder bestritten habe. Das ist absurd – Leute schreiben ungern was anderes als das Naheliegendste, das hat dann nichts mehr mit Tatsachen zu tun, sondern mit Faulheit.

Sie, Frau Decker, stehen dagegen immer für »die« lustigen jungen Frauen.
Decker: Hab ich gar nicht so ein Problem damit, muss ich sagen. Ich lese Kritiken nur, wenn ich echt oft drauf angesprochen werde. Dann will ich halt mal wissen, was genau da drin steht.

Da steht drin: »Wer wissen will, wie die junge deutsche Frau tickt, der muss die Filme von Anika Decker anschauen.«
Hegemann: Interessant. Würde man das über einen männlichen Autor auch sagen? Würde man sagen, Bora Dagtekin weiß sehr genau, wie junge deutsche Männer ticken? Eher nicht. Männer würden sich lobenswerterweise nicht so verallgemeinern lassen.

Sie befassen sich durchaus mit ähnlichen Themen, gehen dann aber in unterschiedliche Richtungen. Sie, Frau Decker, suchen eher die Pointe.
Hegemann: Die suche ich doch auch! Klappt nur nicht so gut wie bei ihr.
Decker: Ich finde, der Unterschied ist gar nicht so groß. Man muss ja den gleichen Schmerz finden. Auch bei lustigen Sachen braucht es etwas, was berührt, sonst ist der Gag nicht gut. Deine Geschichten, Helene, sind komplexer als meine, das ist vielleicht der Hauptunterschied.

Frau Decker, die Filme, an denen Sie mitgeschrieben haben, bestätigen viele Klischees, das müssen sie ja auch, um viele Leute zu erreichen. Was halten Sie davon, Frau Hegemann?
Hegemann: Ich sehe das absolut nicht als Bestätigung von Klischees.

Na ja, allein die Hauptfiguren von Keinohrhasen: ein gewiefter Klatschjournalist, eine schusselige Kindergärtnerin …
Hegemann: Da werden Klischees verhandelt, das macht den Erfolg aus. Aber sehen Sie sich die Eröffnungssequenz von Keinohrhasen an, in der Jürgen Vogel sich selbst parodiert – so was finden Sie in keinem Arthouse-Film! Das ist total radikal. Nur eben in einen Kontext gesetzt, in dem das niemand merkt.
Decker: In so einer Frauenfigur wie der Kindergärtnerin sind verschiedene Eigenschaften, Szenen oder Sprüche gesammelt, die ich auch schon für Soap Operas und Fernsehfilme geschrieben hatte, aber die alle beim Mainstream-Fernsehen abgelehnt wurden.

Was denn?
Decker: In viele Köpfe passt es schon nicht rein, dass die Figur öko ist und trotzdem schlagfertig. Schlagfertig ist die heiße Karrierefrau. Öko ist die feministische Psychologiestudentin.

Noch ein Beispiel?
Decker: Bei Frauenfiguren wird oft gewünscht, dass sie sehr eindimensional sind. Ich versuche da einen Schritt weiterzugehen. Bei Keinohrhasen wurde mir oft gesagt, dass die weibliche Hauptfigur zu unsympathisch sei. Gott sei Dank hat Til gesagt, nein, die lassen wir genau so. Und bei Rubbeldiekatz hat die Frau Bindungsprobleme, das ist normalerweise immer Thema der männlichen Hauptfiguren. War auch nicht einfach durchzukriegen.
Hegemann: Probier mal, bei einer deutschen Fernsehredaktion ein Filmprojekt über einen Marsmenschen durchzukriegen. Geht nicht. Wird nur erlaubt, wenn sich der Marsmensch am Ende als »richtiger« Mensch herausstellt, der eine Psychose hat. Es wird alles auf so eine komische angebliche Plausibilität runtergebrochen, die eigentlich völlig bekloppt ist.

Diskutieren Sie Ihre Arbeit viel oder spielt sich Ihre Freundschaft eher jenseits des Schreibtisches ab?
Decker: Wir besprechen schon öfter Dinge, wenn eine mal hängt. Aber inhaltlich wissen wir beide immer relativ genau, was wir schreiben wollen.
Hegemann: Schreiben kann eine ganz komische autistische Form von Inhalt-Rausdonnern sein. Man liefert sich dann gegenseitig Bestätigung, die einem ein leeres Blatt nicht geben kann.
Decker: Es gibt nur ganz bestimmte Menschen, und da gehört Helene auf jeden Fall dazu, denen ich überhaupt was zeige, bevor es fertig ist, bevor es den geschützten Raum verlässt.

»Das ist nur so eine Art langer Wille zur kurzen Perfektion, mehr nicht.«


Gibt es so etwas wie Schamgrenzen?
Hegemann: Wir haben ja beide noch keine dreißigseitige Sexszene geschrieben. Aber erzähl doch mal die Story mit Thomas Gottschalk.
Decker: Ich war auf Tils Geburtstag und da war auch Thomas Gottschalk. Ich habe vor tausend Jahren mal ein Praktikum bei ihm gemacht, in der Redaktion von Gottschalks Hausparty, und weil ich leider schon ein bisschen angetrunken war, habe ich jemandem erzählt, dass ich da mal gearbeitet habe. Und der fing dann an, Gottschalk furchtbar aufgeregt herzuwinken. Und rief dabei, auf mich zeigend: »Hier Praktikum! Oralsex! Sie – Oralsex!«

Weil Sie die sehr prägnante Oralsex-Szene für Keinohrhasen geschrieben haben. Unangenehm?
Decker: Die Situation schon. Ansonsten freut es mich natürlich, wenn ich in meinem Leben schon eine Szene erschaffen habe, die sich so einprägt.
Hegemann: Mit der Szene hattest du dich bei Til Schweiger als Drehbuchautorin beworben, oder?
Decker: Beworben trifft es nicht ganz. Er saß zufällig bei einem Essen neben mir und wir haben uns gut unterhalten, viel gelacht. Und dann hat er mich gebeten, ihm eine Textprobe zu geben. Ich hatte einen USB-Stick dabei, da waren Steuerunterlagen drauf, Briefentwürfe und eben auch eine Probekolumne für ein Magazin, in der es um Männer beim Oralsex ging. Til hat die gelesen, fand sie witzig und hatte die Idee, sie zu einer Szene zu machen.

Testen Sie Gags auch mal vorher, zum Beispiel bei Twitter?
Decker: Oh ja, Twitter. Das ist für mich eine totale Befriedigung, weil es so schnell fertig ist, im Gegensatz zum Buch. Ein Tweet, 140 Zeichen, fertig.
Hegemann: Das ist der Grund, warum Kippenberger so selten detailliert gemalt hat – weil er schnelle Effekte wollte. Ich finde Twitter immer ein bisschen zu unverschlüsselt. Ich fühle mich blöd dabei, permanent alle mit meinem langweiligen Innenleben zu konfrontieren.
Decker: Du bist da viel privater. Mich befriedigt das. Ich glaube, ich habe ein ganz großes Bedürfnis in mir, etwas zu teilen. Und Twitter ist für mich faszinierend, weil ich noch aus der Generation komme, wo man nur ein Haustelefon hatte.
Hegemann: Ich erinnere mich da an diesen irren Moment, als Ashton Kutcher ein Foto seiner damaligen Frau Demi Moore halbnackt beim Bügeln twitterte. Das hat mich schwer irritiert. Gotthafter Starkult ist dadurch nicht mehr möglich. Schade eigentlich.

Werden Sie beide als Personen des öffentlichen Lebens oft erkannt?
Decker: Ich nicht. Höchstens auf einer Filmpremiere.
Hegemann: Ich schon gar nicht auf einer Filmpremiere!
Decker: »Ist das deine Tochter?« Ha, ha.
Hegemann: Ihr wird immer der Mantel abgenommen, die Fotografen schreien ihren Namen und zu mir dann: Die in der ranzigen Jacke mal weg da!

Spielt in Ihrer Freundschaft der Altersunterschied eine Rolle?
Decker: Nur, wenn es um die Liebe geht. Da erreicht man halt nach vielen Jahren und vielen Erfahrungen doch irgendwann eine gewisse Entspannung.
Hegemann: Während ich ständig an der Dachkante stehe und heulend bei ihr anrufe.
Decker: Ha, ha!
Hegemann: Doch! Und ich mir von ihr sagen lassen muss, es wird wieder gut, in zwei Jahren sieht die Welt wieder anders aus. Das hat sie oft gemacht – und sie hatte ausnahmslos immer recht. Auf so einem irrationalen Feld wie Liebe trifft sie Prognosen, die exakt zutreffen. Das finde ich unglaublich. Es ist nie nur Trost, es stimmt auch noch immer.

Decker: Tja, in solchen Dingen habe ich offenbar die Erfahrung einer 80-Jährigen. Ich habe mich oft genug in völlig irrsinnige Liebesgeschichten gestürzt.
Hegemann: Davon leben ja auch die Filme. Dein Schreiben.

Frau Hegemann, Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Erfolg für Sie nicht zwingend Glück und Zufriedenheit bedeutet.
Hegemann: Ja, definitiv. Es ist nicht selbstverständlich, dass du durch beruflichen oder Liebeserfolg in irgendeiner Form eine Stufe von Zufriedenheit erreichst. Das ist Quatsch.

Wodurch erreicht man denn dann Zufriedenheit?
Hegemann: Ich würde sagen, dadurch, dass du auf der Autobahn mal zehn km/h zu schnell fährst und es dir in dem Moment ziemlich großen Spaß macht. Oder dass du auf den Bus wartest und dir eine Zigarette anzündest, weil dir gerade wieder eingefallen ist, dass du ja eine Sucht hast.

Sie beide wollen mit dem, was Sie schreiben, viele Menschen erreichen. Wenn das klappt, empfinden Sie es doch als Erfolg.
Hegemann: Ja, aber das ist nur so eine Art langer Wille zur kurzen Perfektion, mehr nicht.

Wie ist das bei Ihnen, Frau Decker?
Decker: Über den Erfolgsdruck, die Zuschauerzahlen denke ich nicht nach. Ich war mal an Weihnachten im Kino und habe mir Keinohrhasen angesehen. Die vielen Gesichter, als ich mich umgesehen habe, haben mich glücklich gemacht. Das ist was sehr Direktes und sehr Menschliches. Der Erfolg macht es mir aber auch möglich, dass ich mir Pippi-Langstrumpf-mäßig meine Welt basteln kann. Für jeden Kreativen ist es wohltuend, mal keine Existenznöte zu haben.
Hegemann: Da geb ich dir Recht. Aber genug Geld zu haben kann mörderisch sein. Zumal man doch in irgendeiner Form darauf angewiesen ist, auf Zufälle zu vertrauen, sich in was reinzuarbeiten. Ich mache ganz gern Sachen von äußeren Zwängen abhängig, egal wie schmerzhaft die sind. Ich entscheide ungern selbst alles.
Decker: Ich genieße es, dass ich nicht mehr so in der Beweispflicht bin. Ich muss nicht mehr erklären, wieso etwas witzig ist. Wenn ich heute sage: Ich versprech dir, das funktioniert auf jeden Fall, dann glauben mir die Leute.

Sie, Frau Hegemann, spornt dagegen eher Widerspruch an?
Hegemann: Das kann man so nicht sagen. Ich glaube aber, dass man immer eine Form von Beschränkung braucht. Das ist ein normales menschliches Phänomen. Ich glaube, die freiesten Menschen sind die unglücklichsten und die gefährdetsten. So wie Justin Bieber. O Gott, das habe ich jetzt nicht wirklich gesagt?
Decker: Aber weißt du, was noch ein Unterschied ist: Beim Roman bist du der alleinige Erschaffer. Und beim Film bist du das nicht. Ich habe ja sehr viele Außenbeschränkungen durch das Medium und bin von daher gar nicht so frei.

Gibt es Eigenschaften, um die Sie einander beneiden?
Decker: Ich finde wahnsinnig beeindruckend, wie belesen du bist, und dass jedes Buch, das du mir jemals empfohlen hast, mittlerweile zu meinen Lieblingsbüchern gehört. Glass Castle zum Beispiel. Und Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell.
Hegemann: Das macht mich immer stolz, wenn sie das sagt.
Decker: Und mit welcher Affengeschwindigkeit du Bandwurmsätze zusammensetzt, während ich keinen Satz zu Ende spreche!
Hegemann: Dafür macht das, was du sagst, wenigstens Sinn.
Decker: Ja, weil ich immer nur Subjekt, Prädikat, Objekt benutze. Das mache ich, weil ich schon nach der Hälfte vergesse, wie ich angefangen
hatte.

Und worum beneiden Sie Frau Decker?
Hegemann: Ihre Wohnung, ihre Katze, ihre Lamborghinis!
Decker: Ha, ha.
Hegemann: Ihre antike Flippersammlung! Und die Farbe in ihrem Arbeitszimmer. Und die Vorhänge, die neuen. Und um den Hermès-Mantel.
Decker: Den wollte ich dir eigentlich schenken. Ich sehe in vielen Sachen nämlich aus wie eine 45-jährige Zahnarztgattin, die sich aufgeföhnt hat.
Hegemann: Und ich sehe in jedem Hermès-Teil aus, als würde ich gerade vom Joggen kommen. Aber ich nehm ihn trotzdem.

Helene Hegemann ist 22 Jahre alt und bei ihrer Mutter, einer Kulissenmalerin, in Bochum aufgewachsen. Die Mutter starb, als Helene 13 war, daraufhin zog sie zu ihrem Vater, dem Theaterdramaturgen Carl Hegemann, nach Berlin. Mit 14 schrieb und drehte sie den Spielfilm »Torpedo«. Bekannt wurde sie durch ihren ersten Roman »Axolotl Roadkill«, der erst von der Kritik gefeiert und dann für die darin enthaltenen Plagiate heftig kritisiert wurde. Vor Kurzem erschien ihr zweiter Roman »Jage zwei Tiger«.

Anika Decker hat schon viele Jobs im Film und Fernsehen hinter sich, die 38-Jährige war unter anderem als Redakteurin für »Big Brother« zuständig, bevor sie von Til Schweiger als Drehbuchautorin entdeckt wurde. Sie schrieb mit ihm die Bücher für »Keinohrhasen«, »Zweiohrküken«, außerdem für Detlev Buck »Rubbeldiekatz« - das heißt, zusammengerechnet hat sie mit ihren Dialogen mehr als zwölf Millionen Zuschauer erreicht. Anika Decker ist in Marburg aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

(Foto: Rojinski: dpa)

Fotos: Daniel Josefsohn

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