Diese Sätze würden Schwerkranke gerne einmal hören

Das wird schon wieder, Kopf hoch und toll, wie stark du bist: Viele gut gemeinte Genesungs­wünsche gehen Patienten gehörig auf die Nerven. Wir haben sie gefragt, was sie passender fänden.

Michael Tappe findet die esoterisch angehauchten Sinnsprüche, die er von Bekannten manchmal zu hören bekommt, reichlich kitschig. Die Karten zeigen, was für Aufmunterungen ihm lieber wären.

Michael Tappe

Sein Arzt gab ihm noch zwei Jahre – mittlerweile lebt Michael Tappe seit mehr als dreißig Jahren mit HIV. Der 59-Jährige nimmt Medikamente, die den Virus in seinem Körper unterdrücken. Doch in all der Zeit wusste Tappe nie, ob Aids in seinem Körper ausbrechen wird. Die mitfühlenden Blicke seiner Freunde verschlimmerten die Angst. Tappes Reaktion: exzessives Reisen, um möglichst viel von der Welt zu sehen. Das spanische Dorf Torremolinos gefiel ihm bisher am besten – dort will er als Rentner leben.

Martina Krämer

Martina Krämer ist 58. Sie hat familiären Brust- und Eierstockkrebs – einen erblichen Gendefekt, durch den immer wieder Krebs in ihrem Körper wuchert. Ihre Schwester starb daran, auch bei Krämer besteht das Risiko. Dass sich manche Bekannte seit der Diagnose seltener melden, weil sie überfordert sind, versteht Krämer – hätte aber gern, dass sie mit ihr darüber reden. Krämer ist froh, dass der Alltag mit ihren Kindern sie ablenkt: »Ich hätte mich nicht ein halbes Jahr ins Bett legen können, das Leben ging immer weiter.«

Carsten Wittes

Vor sieben Jahren entdeckten Ärzte Knochenkrebs in Carsten Wittes linkem Oberarm. Sie schnitten erst den hühnereigroßen Tumor heraus, dann die Metastasen in der Lunge. Der Krebs kann jederzeit wieder ausbrechen. Witte ist 31 Jahre alt und überlegt seit der Diagnose viel genauer, womit und mit wem er seine Zeit verbringt. Er schmiss den Job, holte das Abitur nach und studiert jetzt Gesundheitspädagogik. Seine Abende verbringt er mit Menschen, die ihn nicht wie den Mann mit Krebs behandeln – sondern wie jeden anderen im Freundeskreis.

Barbara Kurz

Wenn Barbara Kurz einen Schub bekommt, kriecht ein dumpfes Gefühl durch ihre Hände und Füße. Ihre Augen können keinen Punkt mehr fixieren, beim Laufen geben ihre Beine nach. Kurz ist 37 und leidet seit zwanzig Jahren an Multipler Sklerose. Sie weiß nie, wann der Schub wieder aufhört – und ob sie dauerhaft im Rollstuhl sitzen wird. Am liebsten mag sie Abende, an denen sie mit Freunden Lasagne isst, Big Bang Theory schaut und nicht über die Krankheit spricht – und wenn doch, dann nicht als die Starke, die mit allem schon klarkommt.

Angela Ertl

Die Muskeln in ihrer Wade versteifen sich. Dann krallen sich ihre Zehen in die Fußballen. Angela Ertl schluckt eine Tablette und wartet, bis sich die Krämpfe lösen und sie aus dem Bett steigen kann. Fast jeder Tag in ihrem Leben beginnt so – die Fünfzigjährige hat Parkinson. Am Anfang litten ihr Mann und ihre Tochter so sehr unter der Diagnose, dass Ertl vor ihnen nicht weinen wollte. Jetzt begleiten die beiden sie zur Selbsthilfegruppe – und Ertl kann sie einfach umarmen, wenn sie einen schlechten Moment hat.