Das kann doch nicht wahr sein!

Ob mit dem Unimog in der Sahara, auf dem Münchner Oktoberfest oder vor der Dönerbude der Kindheit – Zufälle passieren überall. Hier präsentieren wir die unglaublichsten Erlebnisse unserer Leser.

    Unimog in der Wüste, stehend. Um ihn wieder in Gang zu bringen, sollte man über ein Fahrzeugteil verfügen, das unserer Leserin aber leider verloren ging, damals in der libyschen Sahara.

    Foto: glowimages.de

    Knochen in der Sahara

    Mein Freund und ich durchquerten mit unserem Unimog, einer Art Wunderfahrzeug mit zuschaltbarem Allrad, 1977 Nordafrika. Ein Unimog hat eine zweite Sicherung neben dem üblichen Fahrzeugschlüssel, den sogenannten Knochen. Fehlt er, ist die gesamte Stromversorgung lahmgelegt. Im südlichen Teil der libyschen Sahara wollten wir in einer Siedlung ein Brot kaufen. Auf dem Weg zurück zum Wagen merkte mein Freund, dass der Knochen durch ein Loch in der Hosentasche seiner Jeans gerutscht war. Wir verbrachten Stunden damit, im hauchfeinen, heißen Wüstensand nach dem Knochen zu suchen. Schließlich gaben wir auf und bauten eine Metallkonstruktion, die eine Art Kurzschluss erzeugte und uns das Weiterfahren ermöglichte.

    Drei Tagesreisen später kamen wir zum Sonnenuntergang in die Nähe einer riesigen Düne und beschlossen, dort zu übernachten. Beim Essen hörten wir Motorengeräusche und sahen einige Zeit später drei weiße LKW über die Dünenkämme rollen. Es war eine Reisegruppe aus Berlin, die über Ägypten nach Libyen gereist war – entgegengesetzt zu unserer Route über Marokko und Algerien. Wir empfanden schon den Umstand, dass wir in diesem riesigen Wüstengebiet Deutsche trafen, als eine Art Wunder, aber es wurde noch besser: Im Laufe des Abends erzählten wir vom Missgeschick mit dem Unimog-Knochen, als plötzlich einer der Männer aufstand, in seine Tasche griff und sagte: »Hier habt ihr einen neuen Knochen! Ich habe meinen Unimog in Berlin, habe aber vor unserer Abreise vergessen, den Knochen aus der Hosentasche zu nehmen.«
    Von Birgit Schmidt

    Der falsche Bindestrich

    Bei einem Wochenendbesuch vereinbarten mein Vater und mein Bruder den Austausch einer Grafik per Mail. Mein Vater schickte also die Mail an meinen Bruder. Der fragte zurück, was er damit anfangen sollte, was meinen Vater erstaunte. Sie schrieben sich noch mal hin und her, bis klar wurde: Mein Vater hatte bei der Mail zwischen Namen und Nachnamen seines Sohnes einen Bindestrich statt eines Punktes gesetzt. So landete die Mail bei einem jungen Mann, der genauso hieß wie mein Bruder. Der eigentliche Zufall war, dass dieser junge Mann einen Vater mit ebenfalls demselben Namen hat wie unser Vater. So wunderte er sich über die seltsamen Mails von seinem Vater, die in Wahrheit gar nicht von seinem Vater kamen. Und umgekehrt.
    Von Henning Pfeifer

    Gut betucht

    In den Siebzigern fuhr ich mit einem Freund zu einem Fest in Bonn, wo er auch seine in Basel lebende Freundin treffen würde. Als wir von der Autobahn abfuhren, fiel ihm ein, dass er das Tuch vergessen hatte, das sie bei ihm gelassen hatte und das er mitbringen sollte. Dieses Versäumnis würde voraussichtlich zu großem Ärger führen. Just in diesem Augenblick fiel uns ein Stofffetzen ähnlicher Farbe im Straßengraben auf. Wir setzen zurück – es war das identische Tuch. Er übergab es ihr später, ohne dass sie bemerkte, dass es gar nicht ihres war.
    Von Burkhard von Fritsch

    Hey Baby

    Ich war mit Freunden auf dem Oktoberfest in einem überfüllten Zelt. Auf dem Weg zur Bierrückgabe durch die verstopften Gänge sprachen wir darüber, wer von uns heuer schon auf der Wiesn war und mit wem. »Ja«, sagte ich, »ich war schon mit einem Arbeitskollegen – genau mit diesem«. In eben diesem Moment stand der Kollege plötzlich vor uns.
    Von Norbert Pitzer

    Zur rechten Zeit am rechten Ort

    Auf dem Weg zu einem beruflichen Termin hatte ich mein neues Handy verloren. Als ich es bemerkte, bin ich in Panik zurück ins Büro, wieder zum Termin, habe mich bei der U-Bahn gemeldet und bin schließlich in den Apple Store am Münchner Marienplatz gegangen,  in der Hoffnung, dort könne man mir helfen. Tatsächlich konnten sie dort das irgendwo am Sendlinger Tor, Nußbaumstraße, Mathildenstraße orten. Sie schickten eine Nachricht an das Handy mit der Telefonnummer, bei der sich der Finder bitte melden möge. Ich fragte noch: »Soll ich mal in die Nußbaumstrasse gehen, um die Person zu suchen?« »Nee, wie soll denn das gehen?«, entgegnete man mir. Der Mensch, der es hatte, konnte ja überall in den Häusern und Kliniken rund um das Sendlinger Tor sein.

    Vor dem Apple Store beschloss ich dann doch, einfach mal hinzugehen. Ich bat den Heiligen San Antonio, der Verlorenes zurückbringt, mir zu helfen. Ich kämpfte noch eine Minute gegen die Absurdität der Aktion, und entschied mich letztendlich, vom Sendlinger Tor die Nußbaumstrasse entlang Richtung Goethestraße zu gehen und mir alle telefonierenden Menschen genau anzusehen. Ich war mir dabei selber etwas lächerlich. Dann bemerkte ich einen jungen Mann, der angeregt telefonierte und an mir vorbei ging. Ich ging ihm hinterher, tippte ihn an und fragte, ob er zufällig mit meinem Handy telefonieren würde. Er war sichtlich überrascht, sagte nur noch: »Ja, sie steht gerade vor mir und will das Handy«. Er telefonierte gerade mit meinem Mann.
    Von Helga Platz-Ceseña

    Der Dritte im Bunde

    Vor einigen Jahren machten wir zusammen mit meinem früheren WG-Mitbewohner und seiner Familie einen kurzen Winterurlaub auf Mallorca. Einer unserer Ausflüge führte uns zu einer bekannten Tropfsteinhöhle. Die Besichtigung war in geführten Gruppen organisiert und wir mussten kurz auf den Start der nächsten Führung warten. Als es gerade losgehen sollte, stand plötzlich unser dritter früherer Mitbewohner vor uns, aus derselben Studenten-WG aus den Neunzigern.
    Von Henrik O.

    Mörderische Radtour

    Ich machte eine spontane Fahrradtour durchs Nördlinger Ries. Im Osten bei Harburg geht es über ein paar Kurven den Rand des Rieses hoch. Kurz vor Erreichen der Anhöhe schoss mir plötzlich ein absurder Gedanke durch den Kopf: »Wie viele Leute sind hier wohl schon ermordet worden?« Ich dachte nicht weiter darüber nach, fuhr um die letzte Kurve. Aus dem Augenwinkel sah ich ein Schild, hielt kurz an und stellte fest: Ich befand mich direkt auf dem »Harburger Richtplatz«.
    Von Rainer Sawitzki

    Döner verbindet

    Mit 14 Jahren war ich auf einer Klassenfahrt in Berlin. Die Jugendherberge, in der wir wohnten, lag direkt neben einem Imbiss mit dem einprägsamen Namen »Alibaba und die 40 Döner«. Jahre später fand ich heraus, dass ich eine Halbschwester habe, die in Berlin lebt. Als ich sie zum ersten Mal besuchte, sah ich auf dem Weg in ihre Wohnung wieder den Döner-Imbiss vor mir. Es stellte sich heraus, dass sie schon damals direkt neben der Jugendherberge gewohnt hatte, in der ich mit 14 war. Womöglich haben wir uns damals auf der Straße getroffen – ohne zu wissen, dass wir Schwestern sind.
    Von Katharina Liebe

    Zusammentreffen im Urwald

    Ich habe in Amsterdam an einem kleinen Projekt mitgearbeitet. Mit dem Projektleiter auf der Seite des Kunden habe ich mich prächtig verstanden. Beim Abschied haben wir uns beide gewünscht, bald wieder zusammen zu arbeiten. Das nächste Projekt hat mich ein paar Wochen später nach Jakarta geführt. Übers Wochenende bin ich nach Sumatra geflogen, um Orang Utans in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Beim Abendessen in der Lodge saß am Nebentisch der Projektleiter aus Amsterdam.
    Von Michael Treichel

    Du hier?

    Als ich 15 war, verbrachte ich ein Jahr in Südafrika. Ich ging dort zur Schule und traf einige nette Menschen, darunter auch ehemalige ausgewanderte Deutsche, die vor vielen Generationen nach Südafrika gekommen waren, deren Kinder aber heute noch deutsch in ihren Familien sprechen. Mit meinen Mitschülern habe ich allerdings nie Deutsch gesprochen. Sechs Jahre nach meinem Aufenthalt war ich zu einem Geburtstag einer guten Freundin in Heidelberg eingeladen. Als ich auf der Party im Flur etwas aus meiner Tasche holen wollte, ging die Tür auf. Vor mir stand Kirsten, meine ehemalige Mitschülerin aus Südafrika. Sie studierte nun in Deutschland und war die Mitbewohnerin meiner guten Freundin. Vollkommen überwältigt fingen wir beide an, miteinander Englisch zu reden, ohne groß darüber nachzudenken. Später stellte sich heraus, dass Deutsch unser beider Muttersprache war.
    Von Eva Hoßfeld

    Alter Schwede

    Als ich mit meiner Frau nach einem Rucksackurlaub von Mumbai aus nach Hause fliegen wollte, fiel der Flieger aus. Wir erhielten einen Fluggutschein und übernachteten in einem Fünfsternehotel. Am nächsten Tag wurde gefragt, wer freiwillig bleiben würde. Wir meldeten uns zusammen mit zwei Schweden, die wir bereits aus dem Hotel kannten. Dieses Gutscheinspiel konnten wir noch weitere drei Tage wiederholen und hatten unsere nächste Reise damit locker in der Tasche. Das begossen wir jeden Abend mit den zwei lustigen Nordländern im Nobelhotel. Ein Jahr später saßen wir in Saigon in Vietnam im Straßencafe und freuten uns über unseren kostenlosen Urlaub. Da hielt ein Bus in Höhe unseres Tisches, die Tür ging auf und die zwei Schweden aus dem Nobelhotel stiegen aus.
    Von Markus Hladik

    Mode der Zukunft

    Meine Frau und ich sind im Jahr 1982 von unserem damaligen Wohnort in Ostafrika nach Istanbul geflogen, um an einem offiziellen Empfang teilzunehmen, verbunden mit der Übersiedlung dorthin. Dabei haben wir Zwischenstation in Wien gemacht, um noch ein passendes Kleid für meine Frau zu besorgen. Nach der vergeblichen Ausschau in mehreren Geschäften sind wir in einer kleinen Boutique gelandet, haben des Gewünschte gefunden und es passte auch noch perfekt. Beim Bezahlen wurde das Etikett entfernt und darauf stand: »Modell Istanbul.«
    Von Norbert S.

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