Das Beste aus aller Welt

Axel Hacke präsentiert diese Woche: den Mahlzeitendrucker! Sie wollen nie wieder einkaufen gehen und trotzdem lecker essen? Drucken Sie sich ihr Schnitzel doch einfach zuhause aus!

Diäten, nun ist die große Zeit der Diäten, viele Menschen sind mit umfassenden Diätplänen ins Jahr gestartet. Da hilft es vielleicht, sich an ein Experiment zu erinnern, das der Psychologe Carey Morewedge vergangenes Jahr an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh machte.

Morewedge hat nämlich 51 Studenten gebeten, sich möglichst detailliert den Verzehr von Schokokugeln vorzustellen: in den Mund stecken, drauf rumlutschen, kauen, hinunterschlucken, diese Vorgänge. Darauf teilte er die Gruppe in zwei Hälften. Die eine sollte das Essen von drei Schokokugeln imaginieren, die andere dreißig. So. Danach wurden Schüsseln mit realen Schokokugeln auf den Tisch gestellt. Nach Belieben zugreifen!, hieß es. Heimlich wurde gezählt, wer wie viele Kugeln aß. Ergebnis: Jene Studenten, die in Gedanken schon dreißig davon gegessen hatten, nahmen sich weniger, sie hatten Schokokugeln schon ein bisschen satt. Weitergehender Schluss: Es hat keinen Sinn, seinen Appetit zügeln zu wollen, indem man Gedanken an eine Speise unterdrückt, im Gegenteil: Man sollte sich deren Verzehr möglichst genau vorstellen, schon wird man nicht mehr so viel Essenslust haben.

Ob das Ergebnis auf andere Lebensbereiche übertragbar ist? So etwa: »Chef, ich habe mir heute Morgen schon sehr intensiv einen Acht-Stunden-Tag vorgestellt, bin total erschöpft, komme deshalb etwas später.« Besser den Chef nicht auf Ideen bringen! Die Reaktion könnte sein: »Sie wollen wieder einen freien Tag? Meine Empfehlung: Stellen Sie sich den einfach intensiv vor …«

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Von der Cornell University in Ithaca im Staat New York kommt die Nachricht, man habe dort ein Gerät entwickelt, das man Mahlzeitendrucker nennen könnte. Der Apparat sei, heißt es, im Stande, ein Gericht dreidimensional auf einen Teller zu drucken, wenn er seinerseits mit den für Geschmack und Konsistenz dieses Gerichts notwendigen Tinten gefüttert werde. Wer zum Beispiel Buchstabenkekse essen wolle, müsse den dazu notwendigen Teig ins Gerät einspeisen, schon spucke ihm die Maschine ebendieses Gebäck auf den Tisch – aber das sei, heißt es, nur der Anfang.

Vorstellbar sei zum Beispiel in der Zukunft, sagen die Konstrukteure, dass man in diesen Drucker Rezepte eingebe, ihn dann mit einem ganzen Set von Rohstoff-Tinten versehe und schließlich nur noch auf einen Knopf drücke, um beispielsweise ein dreidimensionales Tiroler Gröstl verspeisefertig vor sich zu haben. Oder man lasse
sich per Elektronikpost Mutters Apfelkuchen schicken (sofern Mutter mit Elektronikpost
umgehen kann), den drucke man einfach aus. Was man dann nicht mehr braucht: eine Küche, einen Supermarkt, einen Bäcker, auch eine Mikrowelle, all dieses altmodische Zeug, mit dessen Hilfe man sich heute noch ernährt. Die Menschen werden aus dem Drucker essen, sie könnten neben dem Laptop einfach einen Mahlzeitenprinter aufstellen und sich per Wikileaks zum Beispiel das aktuelle Mittagessen des amerikanischen Präsidenten auf den Schreibtisch zaubern.

Moralisch ist das natürlich verwerflich; es entfernt den Menschen noch weiter von seinen natürlichen Ernährungsgrundlagen, es macht ihn zum hilflosen Opfer einer Nahrungsmittelindustrie, die ihn heute schon mit Analogkäse, Scheinschinken und Sägespänen mit Erdbeergeschmack im Joghurt traktiert. Andererseits ist es ja ein Druckverfahren. Ich fände es interessant herauszufinden, ob es möglich ist, zum Beispiel in einen Text das Wort Gugelhupf hineinzuschreiben, und wenn man dann dieses Wort aus dem Papier herausbisse und äße, würde es auch nach Gugelhupf schmecken.

Am Ende stünde die komplett essbare Kolumne, das heißt, der Leser würde den Text zunächst lesen und ihn dann inkorporieren, also auch physisch in sich aufnehmen, er könnte beim Kauf des Heftes zwischen Erdbeer- und Vanillegeschmack wählen, auch die Zahl der Kohlenhydrate im Voraus festlegen. Wir hätten dann erstmals eine Zeitschriftenkolumne, die nicht nur ihren Verfasser, sondern auch den Leser ernährt.

Illustration: Dirk Schmidt

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