Für das Herz, für den Bauch, für den Kopf

Lust auf Lesestoff, Musik, einen guten Film, ein tolles Rezept? Hier sind Empfehlungen fürs Wochenende aus der Redaktion des SZ-Magazins.

    Illustration: Lea Sophie Fetköter

    Die Tipps von Lara Fritzsche, 4./5. Februar 2023:

    Für den Bauch
    Wenn man Zitronenkuchen mitbringt, liegt die Vermutung nahe, dass es eine Backmischung war. Deshalb mache ich mit der Zitronenbackmischung immer Multivitaminkuchen. Einfach indem ich alle Obstreste, die vom Frühstück oder Vortag liegen geblieben sind, auch noch reinpüriere. Etwa Himbeeren, Banane, Kiwi und Apfel. Wird dann sogar gegessen.

    Für den Kopf
    Kann ein Buch über Cancel Culture eigentlich witzig sein? So wie die Debatte oft läuft, finde ich, muss es geradezu witzig sein. Wie könnte es ernst bleiben? »Identitti« von Mithu Sanyal ist so ein Buch. Das Besondere daran: Manche, denen ich es heiß empfohlen haben, fanden es gut, aber überhaupt nicht lustig. Irgendwie auch witzig!

    Meistgelesen diese Woche:

    Für das Herz
    Einen zügigen Spaziergang Richtung Wasserstelle unternehmen und ein Badetuch mitnehmen. Sobald Beine, Arme und Ohren richtig warm gelaufen sind, ausziehen, nur die Mütze anlassen und rein ins eiskalte Wasser. Langsam natürlich, aber mit dem ganzen Körper rein, unbedingt weiter atmen und nach wenigen Minuten wieder raus. Dann pumpt das Herz.

    Die Tipps von Susan Djahagard, 28./29. Januar 2023:

    Für den Kopf
    Manche Regionen gehen in der Nachrichtenwelt oft unter. Die Journalistin Sham Jaff macht das mit ihrem Newsletter »what happened last week« anders. Seit 2014 verschickt sie News aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Immer übersichtlich, jede Woche gibt es auch gute Nachrichten – und eine begleitende Playlist mit Songs aus den jeweiligen Ländern. 

    Für das Herz
    Neulich war ich auf einer Geburtstagsfeier, die darin endete, dass wir alte Seemannslieder sangen, sogar im Kanon. Kurz war es peinlich, seither frage ich mich: Wie bringe ich meine Freunde dazu, öfter mit mir zu singen?

    Für den Bauch
    Bis vor Kurzem kannte ich Kaffee mit Kardamom nur als arabischen Mokka, klein und stark. Nun hat mich ein Freund darauf gebracht, dass man Kaffeebohnen zusammen mit Kardamomkapseln mahlen und ganz gewöhnlich weiterverarbeiten kann. So schmeckt der Cappuccino, als hätte man einen Kardamomknoten darin versenkt, also auf eine gute Art und Weise. 

    Die Tipps von Michaela Rogalli, 21./22. Januar 2023:

    Für den Kopf
    Der Bücherstapel wächst mit Weihnachten und dem Geburtstag immer stärker an. Nicht aktuell, aber das nächste Buch auf meinem Stapel ist »Zehn Wahrheiten« von Miranda July – ein Sammelband mit 16 Kurzgeschichten aus dem Jahr 2008. Zwölf Jahre später haben wir mit der preisgekrönten Künstlerin gesprochen, das Interview finden Sie hier.

    Für das Herz
    Eigentlich mag ich es musikalisch eher laut, aber in den Wintermonaten höre ich gerne das Album »The Other Side of Life: Piano Ballads« der New Yorker Band Beach Fossils. Unüblich ruhig interpretieren die Musiker acht ihrer älteren Songs neu: vom träumerischen Indie-Rock zu tiefenentspannten Klavier-Balladen und Jazz-Sound.

    Für den Bauch
    Apropos Winter: Wer eine Abwechslung zu den klassischen Heißgetränken wie Ingwer-Tee und heißer Zitrone sucht, dem empfehle ich, einen Yuzu-Tee zu probieren: In gut sortierten Asia-Märkten gibt es diese Vitamin-C-Bombe – die geschmacklich irgendwo zwischen Zitrone, Mandarine und Grapefruit liegt – im Marmeladenglas als Zubereitung für Tees und als Brotaufstrich.

    Die Tipps von Michael Ebert, 14./15. Januar 2023:

    Für den Kopf
    In seinem Podcast »The Esra Klein Show« spricht der US-Journalist klug und empathisch mit Personen der Zeitgeschichte über Politik, Kunst, Kultur, Wissenschaft. In einer meiner Lieblingsfolgen unterhält sich Klein mit der Schriftstellerin Margaret Atwood unter anderem über die Bibel. Gelegentlich erzählt Klein auch aus seinem Leben als junger Vater in San Francisco. Überall, wo es Podcasts gibt (hier etwa bei Apple).

    Für das Herz
    George Saunders' Buch »Fuchs 8« liest sich leicht an einem Nachmittag und ist eine der bezauberndsten Erzählungen der vergangenen Jahre. Ein Fuchs hat sprechen gelernt und erzählt aus seinem Leben – und davon, wie seltsam Menschen sind. Die ersten zwei Seiten stolpert man über die eigenwillig füchsische Grammatik, von da an ist da nichts als Liebe für das schlaue, lustige Tier. Das Buch kann man gut weitergeben an Kinder ab 12 Jahren.

    Für den Bauch
    Die »Münchner Suppenküche« auf dem Viktualienmarkt ist herrlich unprätentiös (keine Selbstverständlichkeit auf dem Markt), ich habe dort nie schlecht gegessen und die Gerichte sind vergleichsweise günstig. Um mittags einen Sitzplatz zu ergattern, muss man Glück haben, aber die »Hochzeitssuppe« (meine Wahl) lässt sich auch im Stehen essen. Einen Stand weiter gibt’s fantastischen Kaffee in der »Kaffeerösterei Viktualienmarkt«, dazu einen Florentiner. Beste Mittagspause.

    Die Tipps von Johannes Waechter, 7./8. Januar 2023:

    Für den Kopf
    Weihnachten ist schon wieder ewig her. In dem ganzen Trubel haben wir es dieses Jahr versäumt, gemeinsam Selma Lagerlöfs »Legende von der Christrose« zu lesen, aber das werden wir dieses Wochenende nachholen, solange der Baum noch steht. Die Geschichte von Abt Johannes und der Räubermutter aus dem Göinger Wald gehört für mich zu den schönsten und klügsten Weihnachtserzählungen.

    Für das Herz
    Im Alter von 11 Monaten war ich zum ersten Mal auf Bornholm und erst letzten Sommer wieder. Den Zauber der dänischen Ostsee-Insel hat der frühere SZ-Reporter Birk Meinhardt nun in einem wunderbaren kleinen Buch eingefangen: Mein Bornholm heißt es, und selbst der Bäckereiwagen (dänisch: »Brødbilen«), in dem wir immer unsere Brötchen (dänisch »Rundstykker«) gekauft haben, wird darin lobend erwähnt.

    Für den Bauch
    Schon lange habe ich mich nicht mehr so auf ein neues Musikalbum gefreut wie auf Van Morrisons Moving On Skiffle – das aber leider erst im März erscheint. Zum Glück lässt sich die Wartezeit leicht mit Morrisons früherem, höchst unterhaltsamen Skiffle-Album The Skiffle Sessions überbrücken, an dem 1998 noch Lonnie Donnegan, Chris Barber und Dr. John mitwirkten – alle inzwischen leider verstorben.

    Die Tipps von Verena Haart Gaspar, 31. Dezember 2022 / 1. Januar 2023:

    Für den Kopf
    Eine Minute, 14 Sekunden. So lange braucht mein achtjähriger Sohn, um einen Rubik Zauberwürfel zu lösen. Geduldig erklärt er mir, wie es funktioniert. Die Hälfte des Würfels bekomme ich schon hin. Falls Sie keinen Achtjährigen zur Hand haben, empfehle ich dieses Youtube-Tutorial.

    Für das Herz
    Pop + Fado = maximaler Herzschmerz. Das Lied »Onde vais« habe ich 2022 in Endlosschleife gehört. Bárbara Bandeira, Jahrgang 2001, singt gemeinsam mit der Fadista Carminho über das Verlassenwerden, Einsamkeit und den Wunsch: Arcoda me quando acabar (auf Deutsch: Weck mich auf, wenn es vorbei ist).

    Für den Bauch
    In der Netflix-Serie »Somebody feed Phil« futtert sich Host Phil Rosenthal durch die Großstädte dieser Welt. Probiert Choripán (ein Chorizo-Sandwich) in Buenos Aires, Tteokbokki (Reiskuchen) in Seoul oder Shakshuka in Tel Aviv. Danach haben Sie nicht nur unglaublichen Appetit, sondern wollen auch sofort verreisen.

    Die Tipps von Dorothea Wagner, 24./25. Dezember 2022:

    Für den Kopf
    Ich habe eine Freundin, deren Serienempfehlungen ich blind vertraue. Für diese bin ich ihr immer noch dankbar. »Das Parlament« ist eine Liebeserklärung an die EU und so lustig und wohltuend, wie eine Serie nur sein kann. Gerade ist die zweite Staffel erschienen. Verfügbar in der ARD-Mediathek, auch im Orginal mit Untertiteln für mehr Europa-Gefühl.

    Für das Herz
    Die amerikanische Musik-Seite »Pitchfork« kürt jedes Jahr die 50 besten Alben des Jahres. Wenn ich trotz des Weihnachtstrubels Zeit habe, höre ich mich gerne durch die Liste – und entdecke dadurch Lieder, die ich wegen meines Hangs zu 2000er Indie sonst komplett verpasst hätte. Eines meiner Lieblingslieder habe ich dort vor einigen Jahren gefunden: Moon Begins von Florist.

    Für den Bauch
    Dank unseres Koch-Kolumnisten Hans Gerlach habe ich vor einiger Zeit »Ume Su« entdeckt, eine Würzsauce, die ich am liebsten von der Marke »Arche« im Bio-Supermarkt kaufe. Macht fast jedes Salatdressing besser, besonders, wenn es mit Tahin oder Miso ist. Den Text von Hans über den japanische Salzpflaumen-Sud finden Sie hier.

    Die Tipps von Marc Baumann, 17./18. Dezember 2022:

    Für den Kopf
    Die Serie »The Americans« lief von 2013 bis 2018, mein Tipp ist also nicht taufrisch, aber a) hab ich sie eben erst entdeckt und b) geht es um den Kalten Krieg zwischen Russland und den USA – also doch aktuell. Zwei KGB-Spione führen eine arrangierte Ehe mit Kindern und erledigen nebenbei lebensgefährliche Aufträge. Ich bin erst bei Staffel 2, aber bisher ist jede Folge so dicht und spannend wie ein Staffelfinale. (Auf Disney+)

    Für das Herz
    Neulich war der Singer-Songwriter Marlon Williams in München, außer mir waren ca. 60 Fans da. Verdient hätte er 60.000. Williams ist in jeder Kategorie sensationell: Stimme, Bühnenpräsenz, Stil, Songwriting. Neuseeland und Hollywood haben ihn schon entdeckt, jetzt wir bitte. Hörtipp: Das Liebeskummer-Album »Make Way for Love« oder das Māori-Disco-Album »My Boy«.

    Für den Bauch
    Alle Jahre wieder top: Die Weihnachtsfolge von »Kitchen Impossible«, der einzig guten deutschen Kochsendung. Profiköche kochen Gerichte nach, die sie vorher nur einmal probieren dürfen. Diesmal tritt Tim Mälzer u.a. gegen Tim Raue an: Dicke, alte, eitle weiße Männer verzweifeln an Panettone oder chinesischer Físchsuppe und betrinken sich fluchend dabei. Wärmt Bauch und Herz. (RTL+)

    Die Tipps von Nicola Meier, 10./11. Dezember 2022:

    Für den Kopf
    Ich lese gerade »Alles, was wir nicht erinnern« von Christiane Hoffmann. Darin geht die Autorin zu Fuß den Weg nach, auf dem ihr Vater 1945 aus Schlesien floh – wie die Familie meiner Mutter. Auch ohne persönlichen Hintergrund ist es ein Buch, in dem sehr klug über Flucht und Heimat reflektiert wird – gerade leider wieder sehr aktuell. 

    Für das Herz
    Ich freue mich schon sehr auf die Serie »Fleishman is in trouble«, unter anderem mit Claire Danes, die gerade in den USA angelaufen ist (dort auf Hulu). In Deutschland soll sie im Frühjahr auf Disney+ kommen. Empfehlen kann ich schon mal das gleichnamige Buch. Geschrieben von Taffy Brodesser-Akner, einer Journalistin vom New York Times Magazine. Gibt es auch auf Deutsch.

    Für den Bauch
    Hin und wieder kommt es vor, dass ich plötzlich denke: Jetzt ein Burrito von Chipotle. Das ist ein mexikanisches Schnellrestaurant mit Filialen überall in den USA (und in Frankfurt). Abhängig wurde ich, als ich vor langer Zeit ein Praktikum in Washington machte, viel unterwegs war und wenig Geld hatte. Damals machten mich die Burritos satt, heute machen sie mich immer auch ein bisschen glücklich. Wer möchte, findet hier Rezept-Seiten, die erklären, wie man die Chipotle-Gerichte möglichst original nachkocht.

    Die Tipps von Samira Fricke, 3./4. Dezember 2022:

    Für den Kopf
    Die 1936 geborene New Yorkerin Joan Jonas ist eine Pionierin der Videokunst. In ihrer Ausstellung (aktuell im Haus der Kunst in München) nimmt sie einen mit in eine Welt vor Special Effects und vor der Digitalisierung. In ihren Filmen spielen der Wind, der Ton und auch mal Tilda Swinton die Hauptrolle. Eine Zeitreise durch Jahrzehnte des Films. Ihre Videos findet man online auf Mubi.

    Für das Herz
    Zum Selbermachen: Wir haben eine Landkarte im Esszimmer, die ich beim Einzug mit viel Mühe, einem Beamer und Schwammtechnik an unsere Wand getupft habe. Die Karte ist 2x1 Meter groß. Sie hat uns über die Jahre beim Essen mit der Familie und Gästen viele gute Gespräche über Reisen, Tiere, Liebeskummer, Wahlen und Krisen beschert.

    Für den Bauch
    Italien, Vietnam, Kuba – der Reisefotograf Sam Youkilis nimmt uns auf Instagram mit in Küchen, Wohnzimmer oder Märkte. Kurze Videos zeigen, wie Tomatensugo in Sizilien gemacht wird oder Händchen gehalten werden in Mexiko-Stadt. Seine Beobachtungen des Alltäglichen haben etwas Entschleunigendes und man schaut wieder mal genau hin, wie liebevoll die eigene Oma Plätzchenteig ausrollt.

    Die Tipps von Kerstin Greiner, 26./27. November 2022:

    Für den Kopf
    Ich habe eine befreundete Drehbuchautorin gefragt, welches bereits verfilmte Drehbuch sie am liebsten selbst geschrieben hätte. Sie nannte ohne zu zögern die südkoreanisch-amerikanische Netflix-Produktion »Okja« (2017). In der Hauptrolle: ein genmanipuliertes Schwein. Diese herzzerreißende Fabel hält uns einen Spiegel über unser Verhältnis zum Tier, Wirtschaft und Profitgier vor.

    Für das Herz
    In vielen Glühwein-Saisons habe ich drei Weisheiten gelernt:
    1. Weißer Glühwein schmeckt besser als roter.
    2. Riesling ist eine gute Wahl.
    3. Die richtige Würze macht den Unterschied.
    Bei der Weinhandlung meines Vertrauens stehen deswegen Fläschchen mit einer »Weißen Glühweinessenz« bereit, die eine Berliner Manufaktur aus Honig, Apfelsaft, Ingwer, Vanille, Zimt, Nelken herstellt. 

    Für den Bauch
    »Twenty Thousand Hertz« ist ein Podcast über die bekanntesten Klänge und Geräusche unserer Welt: Der amerikanische Audio-Engineer Dallas Tayler erzählt über Jingles und Titelmelodien etwa von Twenthies Century Fox, der Seinfeld-Melodie und dem Minecraft-Computerspiel. Er betrachtet aber auch Klänge und Geräusche aus der New Yorker U-Bahn, die einer Stradivari-Geige oder von klassischen Cartoon-Sounds.

    Die Tipps von Marvin Ku, 19./20. November 2022:

    Für den Kopf
    »Du glaubst nicht, was ich letztens gehört habe!«, so beginnen oft die witzigsten Gespräche. Dann wird der Klatsch interpretiert, analysiert, küchenpsychologisiert. So auch beim Podcast »Normal Gossip«. Tratschen ist aber nicht alles: Die Gastgeberin Kelsey McKinney diskutiert mit ihren Gästen auch, wieso Menschen überhaupt tratschen – und den Tratsch auch brauchen.

    Für das Herz
    Wer ausländische Wurzeln hat, hört vermutlich oft die penetrante Frage: »Woher kommst du wirklich?« Die Frage nach der Herkunft ist auch eine nach der Identität. Khuê Pham ging ihr in einem autobiographischen Roman nach. »Wo auch immer ihr seid« beginnt mit einem Geständnis der Hauptfigur Kiều: »Ich kann meinen eigenen Namen nicht aussprechen.« Dazu lernt man noch viel über die vietnamesische Geschichte und den Vietnamkrieg.

    Für den Bauch
    Ich zelebriere Filmabende gern wie ein Fest. Dafür muss auch das richtige Essen und Trinken her. Neulich schauten wir Animationsfilme, also: Milkshakes, in der Pulp-Fiction-Variante aus der legendären Szene. Meine Kollegin Simone Buchholz hat darüber eine herrliche Kolumne inklusive Rezept geschrieben.

    Die Tipps von Roland Schulz, 12./13. November 2022:

    Für den Kopf
    Als Russland die Ukraine angriff, trat ein neues Genre auf: der Kriegs-Schnipsel – knappe Videos auf sozialen Medien, die Kämpfe zeigten, unmittelbar. Sie erzeugen einen trügerischen Sog; als wäre Krieg auch als Zuschauer hautnah erfahrbar. Als Gegengift half mir ein altes Buch, »Das Antlitz des Krieges«: Der Militärhistoriker John Keegan erzählt anhand von drei Schlachten aus dem Lauf der Geschichte, was das wirklich bedeutet, im Kampf zu stehen.

    Für das Herz
    So viele Filme, so wenig Zeit. Zum Glück hat das Kino solche Liebhaber wie die Kenner von »Cinefix«, die ihr Wissen auf YouTube in lange Listen gießen: die besten Bösewichte der Filmgeschichte, die größten Helden, die schönsten Kulissen, die tollsten Dialoge oder die überraschendsten Enden – lauter Schätze zum Anschauen.

    Für den Bauch
    Mit drei Dingen beginnt Samstagmorgen am besten: frischen Semmeln, der Zeitung vom Wochenende – und einem Frühstücks-Ei. Gerne auch anders zubereitet als gekocht. Eier im Glas? Eggs Benedict? Shakshuka? Es lohnt sich, über den Eierbecherrand hinaus zu blicken, zum Beispiel mit diesen fünf Rezepten.

    Die Tipps von Anaïs Barth, 5./6. November 2022:

    Für den Kopf
    Wer sich jenseits von Nachrichten oder Social Media mit Iran auseinandersetzen möchte, dem lege ich Marjane Satrapis im Jahr 2000 erschienene Graphic Novel »Persepolis« ans Herz. Sie erzählt aus der Sicht eines kleinen Mädchens von der islamischen Revolution, dem Golfkrieg, dem Exil und der Rückkehr. Erschreckend aktuell.

    Für das Herz
    Blumen auf Wänden, in Gärten, auf Strumpfhosen, in Gewächshäusern, auf Geschirr, in Wohnungen – Blumen wohin das Auge reicht. Bei schlechter Laune empfehle ich die Flucht in die bunte Welt des Magazins »Blumenhaus«, das auch eine der schönsten Instagram-Seiten überhaupt hat.

    Für den Bauch
    Den Youtube-Kanal »Italia Squisita« gibt es inzwischen zum Glück mit englischen Untertiteln. Große italienische Köche und Köchinnen reden über Produkte, Gerichte und Gastronomiekultur. Neben fantastischen Rezepten gibt es amüsante Videos, wie die Reaktion italienischer Köche auf die meistgeklickten Carbonara-Rezepte.

    Die Tipps von Gabriela Herpell, 29./30. Oktober 2022:

    Für den Kopf
    Ein Buch, das mir die Ukraine auf angenehmste Weise nahegebracht hat, ist Karl Schlögels »Entscheidung in Kiew«, Untertitel: »Ukrainische Lektionen«. Die wichtigste Lektion Schlögels: Im Westen überträgt man das ohnehin vage Wissen über Russland und die »russische Seele« reflexhaft auf die Ukraine, die man immer irgendwie als Teil davon begriffen hatte. Aber wirklich befasst haben sich die meisten nicht mit der Ukraine. Für mich hat das gestimmt.

    Für das Herz
    Ich habe keinen Fernseher mehr, gucke also auf dem Laptop vor allem Nachrichten und streame, doch manchmal bleibe ich im Öffentlich-Rechtlichen hängen. Neulich erst: »Weil du mir gehörst« ist nicht nur fürs Fernsehen ein außergewöhnlich guter Film. Eine Mutter ist so verletzt von ihrem Exmann und Kindsvater, dass sie alles tut, damit das gemeinsame Kind ihn hasst und nicht mehr sehen möchte. Gruselig. Bis 14. Dezember in der ARD-Mediathek.

    Für den Bauch
    Wenn es jetzt überall Kürbissuppe gibt, halte ich mit Süßkartoffelsuppe dagegen. Sie ist der Kürbissuppe von der Farbe und vom Geschmack her ähnlich, aber weniger grob. Süßkartoffeln in Gemüsebrühe weich kochen, mit dem Zauberstab pürieren, eine Dose Kokosmilch dazu und je nach Wunsch Schärfe, am besten »turboscharfes Gewürz« von Just Spices.

    Die Tipps von Tobias Haberl, 22./23. Oktober 2022:

    Für den Kopf
    Immer wieder tröstlich, wenn man Sätze liest, die man nie schreiben könnte, aber schon hundertmal gedacht hat, wenn man sich also von einem fremden Menschen verstanden fühlt. Mir ging es so beim Essay-Band Coventry der Schriftstellerin Rachel Cusk. Es geht ums Autofahren, Inneneinrichtungen und die Pubertät – Themen, über die in Talkshows zu selten gesprochen wird.

    Für das Herz
    Ich bin auf dem Land großgeworden, selbstverständlich habe ich Heavy Metal gehört. Dreißig Jahre später entdecke ich den Youtube-Kanal Krachmucker TV – und bin wieder jung. Dort erzählt Ernie Fleetenkieker (früher Sänger einer Band namens Fäulnis) über seine Liebe zu Metal aller Art, und zwar so charmant, kenntnisreich und inspirierend, dass ich seit Monaten nur noch Platten kaufe, auf denen Maden aus Totenköpfen kriechen.

    Für den Bauch
    Ich koche nicht, ich gehe jeden Abend essen, dafür lasse ich gern die Heizung aus. Selbstverständlich ist mein Kühlschrank meistens leer. Dafür liegt im Gefrierschrank grundsätzlich eine Tafel Vollmilch-Schokolade. Wenn ich nachts um 4 Uhr aufwache, wanke ich in die Küche und esse ein Rippchen. Es ist gefroren, aber irgendwann knackt es, und der Geschmack verteilt sich im Mund – und ich liege im Bett und bin glücklich.

    Die Tipps von Annabel Dillig, 15./16. Oktober 2022:

    Für den Kopf
    Petra Kelly hat mich immer fasziniert: Gründungsmitglied der Grünen, Friedensaktivistin, Frauenrechtlerin. 1992 starben und sie und ihr Mann Gert Bastian, der Ex-Nato-General, der sich für Abrüstung einsetzte, durch Schüsse. Selbstmord? Das wollen noch immer viele ihrer Weggefährt*innen nicht glauben. Toller Doku-Dreiteiler von Anna Grün, zu sehen bei Sky.

    Für das Herz
    Wie ist es, einen gewalttätigen Vater zu haben? Zu erleben, dass Mutter und Brüder geschlagen werden? Was wird aus so einer Familie, deren bürgerliche Fassade unverrückbar aufrecht steht? Und wie prägt es eine junge Frau für das Leben und die Liebe? All das verhandelt der Roman »Liebe ist gewaltig« von Claudia Schumacher. Beklemmend wie befreiend, ein Schlag ins Herz.

    Für den Bauch
    Es ist mein WD 40. Fans des Heimwerkens wissen, was ich meine: ein Alleskönner, noch dazu ein günstiger, aus dem Drogeriemarkt. Das Hautpflegeöl Bi-Oil hilft gegen Dehnungsstreifen bei Schwangerschaften, rissige Hände, andere trockene Hautstellen und spröde Haarspitzen. Es ist samtig und wärmend, zieht schnell ein und riecht nach Haut, die gerade in einer Sommerwiese lag.

    Die Tipps von Timm Klotzek, 8./9. Oktober 2022:

    Für den Kopf
    Jüngst erschien die Autobiografie des Filmregisseurs Werner Herzog. Im ersten Drittel las ich mit großer Begeisterung, die verflog dann hintenraus leider. Axel Hacke sieht das ganz anders, wir sind verabredet, um über das Buch zu streiten. Das ist auch mein Tipp: Diskutieren Sie mal wieder – mit Leidenschaft, der Sache wegen, mit einem lieben Menschen, zum Umdenken bereit, versöhnlich am Ende. Das pustet den Kopf frei.

    Für den Bauch
    Das »River Café« in London begann als Kantine eines Architekturbüros und wurde zu einem berühmten Restaurant. Im Echtzeit Verlag, diese Schweizer machen eh die schönsten Kochbücher, sind alle Rezepte gesammelt erschienen; gerade wenn man viel kocht und auf Variationen der italienischen Klassiker aus ist, dann ist dieses Buch eine Schatzkiste, allein das Kapitel »Risotto« umfasst mehr als 40 Variationen.

    Für das Herz
    Es ist ein immergroßes Wunder wie im besten Sinne verrückt Menschen sein können, wie sie sich weigern, Normen zu erfüllen, wie sie sich ihren Freigeist bewahren. In sehr guten Dokumentarfilmen kommt man solchen Menschen einigermaßen nahe. Besonders mag ich »Julian Schnabel – A Privat Portrait«. Ich war nie ein großer Fan dieses Malers - seine Sicht aufs Leben, auf seine Mitmenschen finde ich aber faszinierend. Musik, Schnitt, die Surf-Szenen tragen einen herzenswarm durch einen kalten Abend.

    Die Tipps von Marie Godt, 30. September/ 1. Oktober 2022:

    Für den Kopf
    Ich finde, dass ich zu wenig über den weiblichen Zyklus weiß. Deswegen freue ich mich darauf, das neu erschienene Buch »Zyklus im Glück« zu lesen. Die Zyklus-Coachin und Ernährungsberaterin Jessica Roch erklärt darin die unterschiedlichen Phasen genau und erzählt, wie man seinen Körper jeweils unterstützen kann. Schnelle Tipps findet man auch auf ihrem Instagram-Kanal »Bodysynchron«.

    Für das Herz
    Momentan könnte ich Stunden auf dem Instagram-Account »Small room Big room« verbringen. Die Seite zeigt individuell designte und eingerichtete Wohnungen und Häuser von unterschiedlichsten Menschen. Wer also gerade einen Umzug oder eine Renovierung plant, findet hier garantiert Inspiration.

    Für den Bauch
    Ich mag die Rezepte der Autorin und Food-Aktivistin Sophia Hoffmann, die sich auf bewundernswerte Art gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt und zeigt, wie man ohne Abfall kocht. Einige Rezepte teilt sie auf ihrer Website, besonders empfehlenswert ist der Zero-Waste-Carrot-Cake, der aus Resten aus dem Entsafter entsteht. Den Link zu einem Interview mit ihr finden Sie hier.

    Die Tipps von Patrick Bauer, 24./25. September 2022:

    Für den Kopf
    Anita Blasberg ist eine der besten Reporterinnen des Landes. Nun hat sie ein so großartiges wie wichtiges Buch geschrieben: »Der Verlust« (Rowohlt) erzählt davon, warum immer mehr Deutsche das Vertrauen in Politik und Institutionen verlieren, Stichwort: Verschwörungstheorien. Blasbergs Spurensuche beginnt bei ihrer Mutter. Ein mutiger Versuch, der wachrüttelt.

    Für das Herz
    Dead Eyes ist ein wahnsinniger und wahnwitziger Podcast. Der US-Comedian Connor Ratliff macht sich auf eine Reise, um eine scheinbar kleine Episode seines Lebens zu verstehen, die ihn seither verfolgt: Warum warf Tom Hanks ihn vor über zwanzig Jahren aus einer TV-Serie raus? In den mittlerweile 31 Folgen geht es dabei auch um die Seele Hollywoods.

    Für den Bauch
    Es wird kälter draußen, umso heißer muss das Essen sein. Im Instagram-Feed einer Freundin entdeckte ich dieses Gericht, das sie nur »Schweine-Nudeln« nennt und das schweinemäßig gut (und wenn man will: scharf) ist. Eine Art asiatische Bolognese, Udon-Nudeln mit Gehacktem. Meine Kinder (wollen es weniger scharf) fordern es einmal die Woche. Hier das Rezept.

    Die Tipps von Katrin Börsch, 17./18. September 2022:

    Für den Kopf
    Langweilige Talkshows machen müde. »deep und deutlich« hingegen ist ein junges Talk-Format, das unterhält und zum Nachdenken anregt. Drei mehr oder weniger prominente Gäste diskutieren etwa darüber, ob sich Porno mit Feminismus verträgt, wie man aus Krisen Hoffnung schöpft und ob Menschen in der Kleinstadt weniger weltoffen sind. Zu sehen in der ARD Mediathek, im linearen Programm des NDR und auf »one«.

    Für das Herz
    Ab und zu brauche ich eine Pause vom Alltag. Die gibt mir zurzeit das Album »A Castle In The Sky« von Jennifer Vanilla – experimenteller Electro, der sich wie ein psychedelischer Trip anfühlt und einen das Weltgeschehen kurz ausknipsen lässt. Zu hören auf allen gängigen Streaming-Plattformen (zum Beispiel hier) und auf YouTube.

    Für den Bauch
    Aus den Blättern von Supermarkt-Basilikumtöpfchen stelle ich gerne besonders aromatisches Basilikumöl her. Dafür befülle ich ein Gurkenglas zur Hälfte mit der Ernte und gieße es mit kaltgepresstem Olivenöl komplett auf. Deckel drauf und mindestens 24 Stunden an einem dunklen Ort ziehen lassen, dann das Grün heraussieben und fertig. Peppt jedes schnöde Salatdressing auf.

    Die Tipps von Lars Reichardt, 10./11. September 2022:

    Für den Kopf
    Emanuele Coccia habe ich vor Jahren einmal kennengelernt, als wir uns gemeinsam mit Peter Wohlleben trafen und uns über den Wald unterhielten. Coccia ist ein origineller Philosoph, der ohne viele Zitate aus der Primärliteratur auskommt. Vor Jahren schrieb er über die Pflanzenwelt, jetzt hat er über »Das Zuhause« geschrieben, veröffentlicht bei Hanser. Werde ich unbedingt lesen.

    Für das Herz
    Raoul Schrott sammelt seit Jahren die Sternenbilder verschiedenster Kulturen und erzählt ihre Entstehungsgeschichten. Am 17. September spricht er beim »2. Fest unter der Himmelskuppel von Nantesbuch«, wo es Lesungen, Konzerte, DJ Sets und einen nächtlichem Blick in die Sterne gibt. Wer das verpasst: Einige seiner Sternenhimmel kann man auch online erkunden.

    Für den Bauch
    Ich liebe Asien. Ich liebe es, mich den Suppenküchen an der Straße anzuvertrauen, bin da selten enttäuscht worden. Ein einfaches Gericht gibt es meist nur, aber das dann richtig gut. Wer so schnell nicht nach Asien kommt, dem empfehle ich das Rezept meines Kollegen Tobi Haberl, der von seiner Schwiegermutter lernte, wie man Pho Bo kocht.

    Die Tipps von Vivian Pasquet, 3./4. September 2022:

    Für den Kopf
    Manchmal halte ich minutenlang Papierfetzen unter Wasser, lasse Rollläden herunter, um nach leuchtenden Zeichen zu suchen oder schneide mit der Nagelschere winzige Dreiecke aus. 14,99 Euro kostet ein Rätsel-Spiel der Reihe »EXIT – das Spiel« und das ist es wert: Nach einer Stunde fühle ich mich kreativer, mein Kopf ist angenehm aufgeräumt und ich bin jedes Mal stolz, es bis zum Ende geschafft zu haben.

    Für den Bauch
    Als Tochter eines Uruguayers bin ich das gewohnt: Alles, was ich als Kind für uruguayisch hielt, hat Argentinien berühmt gemacht: Fleisch, Tango, Mate-Tee. Trotzdem bin ich empört, dass mein geliebtes Chimichurri oft als »argentinische« Steaksoße angepriesen wird. Dabei haben doch die Uruguayer… - ach egal. Schmeckt köstlich zu Fleisch und Gemüse. Ein Rezept finden Sie zum Beispiel hier.

    Fürs Herz
    Beim ersten Treffen mit meiner großen Liebe lagen wir Arm in Arm und ich war fasziniert von einem anderen Mann. Mein Date hatte »The Life Aquatic« eingelegt. Darauf interpretiert Seu Jorge auf brasilianisch David-Bowie-Songs. Ich war gebannt von Jorges Stimme: warm, dunkel, den Raum einnehmend. Die große Liebe habe ich später geheiratet. Nicht nur wegen ihres hervorragenden Musikgeschmacks.

    Die Tipps von Daniela Ptok, 27./28. August 2022:

    Für den Kopf
    Der englischsprachige Podcast »Criminal« von Lauren Spohrer und Phoebe Judge bedient das True-Crime-Format auf wohltuend unaufgeregte Art. Nicht nur die Sendung, auch Phoebes Stimme hat viele Fans: Im Podcast »Phoebe reads a Mystery« kann man sich von ihr alte Kriminalromane vorlesen lassen.

    Für den Bauch
    Im berühmten »Caffè Pedrocchi« in Padua serviert man eine spezielle Kaffee-küsst-Minze-Kreation, die mir auch daheim ab und zu den Alltag versüßt. Man findet einige Rezepte online, ich habe ein bisschen rumprobiert und mag dieses: 70 ml Sahne, 20 ml Milch und 20 ml Minzsirup mischen und mit dem Schneebesen dickflüssig aufschlagen. Espressi in Cappuccino-Tassen geben, vollständig mit der Minz-Sahne bedecken, mit ungesüßtem Kakao bestäuben. Dazu Adriano Celentano hören.

    Fürs Herz
    2019 starb die österreichische Fernsehjournalistin Elizabeth T. Spira. Ihre wunderbare Kuppel-Sendung »Liebesg’schichten und Heiratssachen« führt der ORF zum Glück fort. Derzeit läuft die neue Staffel mit Moderatorin Nina Horowitz im ORF 2, zu sehen auch auf YouTube.

    Die Tipps von Beate Zollbrecht, 20./21. August 2022:

    Für den Kopf
    Dieser Sommer ist für mich speziell: Zum ersten Mal wird in meiner Familie keine Ernte mehr eingebracht, mein Vater ist nun im Ruhestand, die Landwirtschaft eingestellt. Was mir bleibt, sind Geschichten: zum Beispiel der neu erschienene Graphic Novel »Starkes Ding« der Schweizer Künstlerin Lika Nüssli. Sie zeichnet mit kräftigem, humorigem Strich die Erinnerungen ihres Vaters, der in dunkler Vergangenheit als Verdingbub arbeiten musste. Schöne furchtbare Bauernwelt!

    Für das Herz
    2019 lief die erste Staffel dieser US-amerikanischen Hip-Hop-Casting-Show, bei der Nachwuchsrapperinnen und -rapper gegeneinander antreten. Als vor kurzem endlich die zweite Staffel herauskam, war ich erstmal enttäuscht: Dieses Mal spielt die Show in Frankreich und ich verstehe bei »Rhythm + Flow: Nouvelle École« (fast) kein Wort. Aber ich habe gemerkt, dass ich das gar nicht brauche – die Musik fühle ich trotzdem und die Leidenschaft der Rapperinnen und Rapper sowieso.

    Für den Bauch
    Seit ich vor einigen Jahren in Venedig eine bittere Spritz-Variante mit dem Artischockenlikör Cynar getrunken habe, bin ich großer Fan (Aperol Spritz ist mir nämlich eigentlich viel zu süß). Anfangs musste ich noch zum italienischen Feinkostladen pilgern, mittlerweile gibt es den Likör aber auch in vielen deutschen Supermärkten. Etwas Cynar mit Prosecco und/oder Sprudelwasser aufgießen, Eiswürfel rein, fertig.

    Die Tipps von Thomas Bärnthaler, 13./14. August 2022:

    Für den Kopf
    Die Anziehungskraft von Twitter gleicht jener einer Kneipenschlägerei, die man halb fasziniert, halb angewidert verfolgt. Es gibt allerdings Accounts, in denen es nicht um Hetze, Empörung oder schnelle Gags geht. Etwa The Cultural Tutor, dessen Tweets und Threads mich immer ein bisschen klüger, neugieriger und glücklicher machen. Zum Beispiel wenn er dort 15 unbekannte Meisterwerke der klassischen Musik vorstellt oder den Einfluss antiker Politiker auf das Heute erklärt.

    Für das Herz
    Diese Woche starb mit Issey Miyake ein Titan der Mode. Niemand konnte Stoffe so kunstvoll drapieren wie der Mann aus Hiroshima, der als Kind dieExplosion der ersten Atombombe überlebte. Ich besitze kein Kleidungsstück von ihm, aber seinen DuftL'Eau d'Issey pour Homme habe ich noch gut in der Nase: pudrig-frisch, mit satter Zedernherznote. Sollte man mal wieder ausprobieren.

    Für den Bauch
    Im Restaurant »Nello Pasta E Pizza« in St. Maria Castellabate habe ich das beste Olivenöl meines Lebens gekostet. Es schmeckt nach gemähtem Gras, sehr grün und leicht scharf und hat eine honiggoldene Farbe. Auf meine Frage, wo ich das kaufen könne, schenkte mir der Koch eine angebrochene Flasche. Die Sorte heißt Ravece, der Hersteller Fam. Wieder daheim stellte ich fest, man kann es ganz leicht bestellen und zwar hier: strien.com.

    Die Tipps von Saskia Menges, 6./7. August 2022:

    Für den Kopf
    Die ZDF-Neo-Serie »FETT UND FETT« hat eine zweite Staffel – endlich! Wir erfahren, wie es Protagonist Jaksch nun geht, mit abgeschlossenem Studium und erstem richtigen Job. Die Comedy-Serie porträtiert fast schon zu treffend das Lebensgefühl junger Städter – und zeigt München herrlich unschick. Alle Folgen finden Sie in der ZDF-Mediathek.

    Für das Herz
    Müde von Streamingdiensten, Podcasts & Co.? Ich empfehle die digitalen Mixtapes des New Yorker DJ-Kollektivs »Chances with Wolves«. Auf mittlerweile über 500 Mixes findet sich nicht ein einziger Song doppelt – man wird immer wieder mit Liedern aus HipHop, Soul und Funk überrascht. Für Musikentdecker über ihre Website und auf Soundcloud abrufbar.

    Für den Bauch
    Die schönsten Mitbringsel aus Auslandssemestern sind die Freunde und Freundinnen. Wenn ich eine davon in Griechenland besuche, trinken wir Ouzo auf Eis, natürlich. Allerdings gemischt mit »Loux« – einer Zitronenlimonade aus Patras. Hier gibt es sie in guten griechischen Restaurants, im Internet (zum Beispiel hier) – oder lässt sich mit Fritz Zitrone ersetzen. Herrlich erfrischend schmeckt es immer.

    Die Tipps von Till Krause, 30./31. Juli 2022:

    Für den Kopf
    Ich liebe serielle Podcasts. Mein Favorit zur Zeit: Himmelfahrtskommando von Patrizia Schlosser. Darin begibt sich die Autorin zusammen mit ihrem Vater Guido auf die Spuren des Olympia-Attentats in München vor 50 Jahren. Das Spannende daran: Ihr Vater war damals Polizist und Teil eines Kommandos, das die Attentäter stoppen sollte. Doch dann kam alles ganz anders.

    Für das Herz
    Die Musik von Lucio Battisti, dem König der italienischen Popmusik der 1960er und 1970er Jahre, kann man immer hören. Aber wenn es draußen richtig heiß ist, mag ich ihn besonders gern. Ob Balladen mit unglaublichen Akkordwechseln (»I giardini di Marzo«), tanzbare Popsongs (»Ancora tu«) oder seine Experimente mit Elektronik.

    Für den Bauch
    Ich finde, es gibt im Sommer kaum etwas erfrischenderes als gefrorene Himbeeren. Ob Überschüssige aus dem Garten oder Verpackte aus dem Supermarkt ist eigentlich egal. Manchmal esse ich sie direkt aus dem Gefrierfach, mal mische ich sie mit ein bisschen Jogurt und immer denke ich mir: Herrlich und besser als jedes Eis.

    Die Tipps von Lea Sophie Fetköter, 23./24. Juli 2022:

    Für den Kopf
    Scrabble ist über drei Generationen hinweg unser absolutes Familienspiel, der Scrabble-Duden verhindert größere Streitigkeiten bei besonders kreativen Wortneuschöpfungen. Obwohl mir mein Flohmarkt-Fundstück mit Holzspielsteinen immer noch am liebsten ist, nutze ich seit einiger Zeit die App »Wordfeud« (hier für Android und Apple) das Spielbrett ist etwas anders aufgebaut, das Prinzip jedoch das gleiche und so funktioniert das Spielen auch über Distanz!

    Für das Herz
    Gute Kinderbücher wärmen auch Erwachsenen das Herz: »Winter im Mumintal« – von der beeindruckenden Tove Jansson geschrieben und illustriert – erzählt davon, wie der kleine Troll Mumin es schafft, seine Angst vor der Dunkelheit und dem Winter zu überwinden. Das beste Buch für alle, die darunter leiden, dass der Sommer viel zu schnell vorbeigeht.

    Für den Bauch
    Seit Jahren warte ich darauf, dass Ferrero ihre Kinder-Reihe veganisiert. Bis es soweit ist, liefert »love raw« eine vegane Alternative für Kinderbueno – geschmacklich meiner Meinung nach sehr nah am Original! Die Riegel sind online zum Beispiel bei vegavegan.de bestellbar und – nicht nur im Sommer – besonders lecker nach ein paar Stunden im Eisfach.

    Die Tipps von Ralf Zimmermann, 16./17. Juli 2022:

    Für den Kopf  
    Die Uni Chemnitz hat eine App namens »BirdNET« zur Bestimmung von Vogelstimmen entwickelt. Die App nimmt eine Sequenz mit dem Smartphone auf, die sie gleichzeitig analysiert. Die Bestimmung funktioniert auch bei überschneidendem Gesang unkompliziert und schnell. Erhältlich kostenlos bei Google Play und im Apple App Store.

    Für das Herz
    Andrea Arnolds Dokumentarfilm »COW« von 2021 zeigt den arbeitsreichen Alltag einer Milchkuh aus der Perspektive der Kuh Luma. Alles ist nüchtern, auf Augenhöhe und empathisch gefilmt. Wir kommen der Persönlichkeit und dem Innenleben der Kuh so nah wie möglich. Ein Tierfilm mit Herz, aber ohne Kitsch. Zu sehen etwa bei MUBI.

    Für den Bauch   
    Mapo Tofu, einer der Klassiker der Sichuan Küche, lässt sich erstaunlich einfach zuhause selbst machen. Wer es lieber vegan mag, kann das Hackfleisch auch gut durch Shiitake Pilze ersetzen. Die Zutaten sind leicht im Asia-Supermarkt erhältlich. Das Rezept gibt es hier.

    Die Tipps von Marc Schürmann, 9./10. Juli 2022:

    Für den Kopf
    Vor Jahren stieß ich durch Zufall auf eine neuseeländische Horrorkomödie, die ich neulich mit meinem ältesten Sohn nochmal geschaut habe – und wir waren beide begeistert: »5 Zimmer Küche Sarg« (zum Trailer) zeigt den Alltag einer Vampir-WG. Das Aufteilen der Hausarbeit funktioniert nicht so gut, das Blutsaugen auch nicht, und ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, die Unversehrtheit leidet ebenfalls etwas. Ein großer Spaß!

    Für das Herz
    Seit es MTV Unplugged gibt, dieses Konzertformat, bei dem die Bands ohne elektronische Instrumente auskommen sollen, bin ich manches Mal erfreut gewesen, was dabei herauskam, und manches Mal enttäuscht. Und richtig beglückt: nämlich als die norwegische Gruppe A-ha ihr Unplugged-Album herausbrachte. Darin steckt so viel Mühe, so viel Einfallsreichtum, so viel Neues – meine Seele geht jedes Mal wie auf Wolken, wenn ich das höre.

    Für den Bauch
    Fünf Zentiliter Pisco, das ist ein Destillat aus Traubenmost, sehr beliebt in Chile und Peru. Drei Zentiliter Limettensaft. Zwei Zentiliter Zuckersirup. Ein Eiweiß. Eigentlich ein Spritzer Angostura, den ich aber immer weglasse, geht auch ohne. Alles im Shaker durchschütteln. Ins Glas abseihen. Das ist dann ein Pisco Sour. So herrlich lecker. Und so herrlich anzuschauen mit der Eiweißkrone. Mir fällt auf, mein Pisco ist alle!

    Die Tipps von Anna Sullivan, 2./3. Juli 2022:

    Für den Kopf
    Nicht erst seit dem gekippten Abtreibungsgesetz in den USA ist es wichtig, die selbstbestimmte Körperlichkeit von Frauen zu unterstützen. Der Instagram-Account @Empoweredbirthproject hat gegen die strikte Zensur der Plattform gekämpft und darf dort nun Nacktheit zeigen. Ein wunderschöner und realistischer Beitrag für gebärende Menschen.

    Für das Herz
    Während der Pandemie wurde viel vermisst. Mein Kultur-Herz vermisste etwa Live-Konzerte. Während der Lockdowns schenkten mir Tiny-Desk-Konzerte auf YouTube Linderung. Und es tat gut, in den Kommentaren unter den Videos zu sehen: Da geht es anderen wie mir. Live-Konzerte sind zurück, sie machen meinen Alltag schöner. (Und die Tiny-Desk-Konzerte gibt es zum Glück weiterhin.)

    Für den Bauch
    Fast hätte ich verlernt, einfach Zeit zu vertrödeln. Aber dann bin ich durch Zufall am unscheinbaren, aber größten deutschen Kochbuch-Antiquariat vorbeigelaufen und habe Stunden dort verbracht. Als Designerin isst das Auge mit, und das fängt schon beim Kochbuch an. Wenn Sie mal in Berlin sind, besuchen Sie unbedingt die Bibliotheca-Culinaria (www.bibliotheca-culinaria.de), die auch Bücher versendet.

    Die Tipps von Sara Peschke, 25./26. Juni 2022:

    Für den Kopf
    Wie so viele Menschen bin ich regelmäßig davon genervt, wieviel Zeit ich abends sinnlos mit dem Handy auf dem Sofa verdaddele. Deshalb habe ich mir kürzlich auf Empfehlung eines Freundes hin eine Mandala-App runtergeladen (Mandala Maker), und bevor ich mich um 23.11 Uhr aus Bräsigkeit in irgendwelchen Twitter-Threads verliere, male ich jetzt ein Mandala und lege das Handy danach weg. Bringt mich erstaunlich schnell runter.

    Für das Herz
    Jim ist ein Schimpanse, der in den gleichnamigen Bilderbüchern so ganz anders ist als die meisten Heldinnen und Helden in Kindergeschichten: Er ist oft mies drauf und will nicht gut gelaunt mit den anderen Tieren spielen. Das Vorlesen tut auch mir als Erwachsene jedes Mal gut, denn die Buchreihe von Suzanne & Max Lang zeigt: Tage sind verschieden und es ist völlig ok, wenn man einfach mal grummelig ist.

    Für den Bauch
    Wenn es um wohltuendes Essen geht, macht den Italienern niemand etwas vor. Trotzdem habe ich erst vor Kurzem einen wahren Schatz dieser Küche entdeckt: Tapenade, diese würzig-salzige Oliven-Kapern-Paste. Ich benutze sie mittlerweile häufig statt Butter, um mir ein herzhaft-befriedigendes Käsebrot zu machen. Hier finden Sie ein Rezept für eine besondere Variante aus unserem Kochquartett.

    Die Tipps von Marius Buhl, 18./19. Juni 2022:

    Für den Kopf
    Ein Thema, das kaum Beachtung findet, ist das gerade stattfindende Artensterben. Ein Klassiker dazu stammt von Elizabeth Kolbert und heißt Das sechste Sterben. Seit ich das Buch gelesen habe, laufe ich oft durch den Wald und versuche, Flora und Fauna viel bewusster wahrzunehmen. Hilfreich ist die App »Naturblick«, mit der man Vögel und Pflanzen per Foto bestimmen kann.

    Für das Herz
    Landkarten finde ich toll, besonders alte. Regelmäßig besuche ich daher staubige Antiquitätenläden, der letzte Fang: eine Karte Europas von 1904 mit Niederschlagshöhen. Die besten sind Reliefkarten, auf denen man mit dem Finger durch Täler streifen und Gipfel erklimmen kann. Ersetzt fast eine ganze Reise.

    Für den Bauch
    Ich war gerade in Norditalien – und habe eine Wagenladung voll Lebensmittel über die Alpen transportiert. Zu Hause habe ich dann eine Parmigiana gekocht: die Auberginen in Mehl wenden und frittieren, die Tomaten zu einer Soße verkochen und beides abwechselnd in einer Auflaufform stapeln, dazwischen Mozzarella, Parmesan und Basilikum schichten. Das Gemüse soll übrigens nur verschleiern, worum es eigentlich geht bei der Parmigiana: so viel Käse wie möglich zu essen. Hier ein Rezept.

    Die Tipps von Daniela Gassmann, 11./12. Juni 2022:

    Für den Kopf
    Am tollsten finde ich Bücher, die mich vergessen lassen, dass ich lese. »Die Idiotin« von Elif Batuman ist so eines: Mit 18 wurstelt sich Selin durch ihr erstes Jahr Harvard, und darin steckt nicht nur eine Liebeserklärung an Bildung, sondern auch an jugendliche Dummheit. Ich habe sehr gelacht! Jetzt erschien die englische Fortsetzung »Either/Or« mit noch mehr Selin-Spaß.

    Für das Herz
    Wenn es am Wochenende regnet, fotografiere ich meine ausgedienten Klamotten und stelle sie in der App »vinted« zum Verkauf. Ein schöner Hintergrund, ein paar Hashtags und faire Preise, so wird man den textilen Ballast schnell los. Von dem Gewinn sammle ich dann neue alte Lieblingsstücke – einen schöneren Recycling-Kreislauf kann ich mir nicht vorstellen.

    Für den Bauch
    Leckerer als teuer vermarktetes Superfood: Smoothies selbst machen. Ich habe immer zwei bis drei verschiedene Fruchtsorten im Tiefkühlfach, Bananen in der Obstschale, getrocknete Datteln und Nüsse im Schrank. Die Kombinationsmöglichkeiten sind nahezu unendlich (Inspiration finden Sie auch hier, in der Rezeptsammlung der NYT) – und man startet ganz gesund in den Tag, obwohl man etwas Süßes gegessen hat.

    Die Tipps von Max Fellmann, 4./5. Juni 2022:

    Für den Kopf
    Enno Kaufholds Bildband »St. Pauli Fotografien 1975 – 1985« (Junius Verlag) zeigt den Hamburger Stadtteil in all seiner Tristesse und wildverwucherten Schönheit. Straßenszenen, große Nachtmomente, kümmerliche Liebe. Wie sang Bernd Begemann – »Oh, St. Pauli / man fühlt sich wie ein Gewinner / obwohl man nichts erreicht«. Ganz genau!

    Für das Herz
    Weil vor Kurzem irgendwo der Geburtstag von Charles Aznavour erwähnt wurde, habe ich spontan mal wieder »Ich halte dich schon warm« aufgelegt, die deutsche Version seines Hits »Je te réchaufferai«, die er 1967 ein­fach­heits­hal­ber gleich selbst aufgenommen hat, mit gutturalem Akzent und unvergleichlichem Charme. Wer dieses Lied jetzt hört, dem wird es die Seele noch bis in den Spätherbst wärmen.

    Für den Bauch
    Wäre ein Leben ohne den Stracciatella-Quark von Weihenstephan lebenswert? Ich werde es nie herausfinden. Ich kann nicht ohne die Frische des Quarks, die Süße der Schokostücke. Ich sage, die Welt wäre besser, wenn alle Menschen mehr Stracciatella-Quark äßen. Für jeden eine regelmäßige Dosis, und ein Friede würde sich breiten über die Erde, jetzt und immerdar.

    Die Tipps von Jonas Natterer, 28./29. Mai 2022:

    Für den Kopf
    Magazine für Kinder werden von Erwachsenen gemacht und von Erwachsenen gekauft. Die Hefte versprechen vorne Unterhaltung, sind aber hinten voll mit öden Artikeln und landen – kurz durchgeblättert – in der Legokiste. Das Comicmagazin »Polle«, respektiert, dass Kinder einfach nur Spaß wollen. Hier können Sie das Magazin bestellen.

    Für das Herz
    Statt Kribbeln im Bauch auf viel zu schmalen italienischen Straßen wird es an diesem langen Wochenende nur ein Besuch in Braunschweig. Man sagt, man könne sich Umstände schön trinken. Aber kann man sich den Alltag auch schön hören? Jedenfalls teile ich mit ihnen meine tröstende Spotify-Playlist für dieses Wochenende mit meinen liebsten italienischen Liedern und viel »vacanze«.

    Für den Bauch
    Ohne Hoffnung auf Erfolg habe ich diesen Frühling viel zu viele Radieschen gesät. Und jetzt bekomme ich sie täglich in der Schul-Brotzeitbox retour und meine Nachbarn machen auch schon nicht mehr die Tür auf. Um lange etwas von den Radieschen zu haben, habe ich sie nun – statt Rettich – ins Kimchi gemacht. Was wohl die Youtuberin Maangchi, von der ich das Original-Rezept habe, davon hält?

    Die Tipps von Lara Fritzsche, 21./22. Mai 2022:

    Für den Kopf
    Die beste Vorbereitung auf eine ersehnte neue Staffel der Lieblingsserie? Die ersten Staffeln nochmal durchgucken. Am 2. Juni startet die neue und vierte Staffel der dänischen Polit-Serie auf Netflix. Wenn Sie heute mit Staffel eins starten und in etwa so engagiert Fernsehen wie ich, dann schaffen Sie alle bisherigen Folgen an den sechs Abenden bis zum Staffelstart.

    Für das Herz
    Ich versuche mich in den Alltag von Freund*innen zu mogeln, die in einer anderen Stadt leben und die ich oft vermisse. Wie? Ein sehr tragbares, feines, nach dem Abspülen schnell trocknendes Freundschaftsband. Ein Foto für zwischen Handy und Handyhülle. Oder ein Stein, der in der Schmuckschale am Bett liegen kann und jeden Abend erinnert: Ich mag Dich.

    Für den Bauch
    Ob Salat, Nudeln oder Fisch, ich machte alles mit Olivenöl. Aber das ist jetzt vorbei. Seit neustem mache ich alles mit – Achtung – Sesamöl. Fühlt sich an wie ein neues Leben: Salat, Gurken, Avocado, alles mit Sesamöl oder Tahini anmachen. Fisch in Sesamöl schwenken, Zitrone, Sojasoße dazu, fertig. Reis, Sesamöl, Sesam statt Nudeln mit Olivenöl und Parmesan.

    Die Tipps von Johannes Waechter, 14./15. Mai 2022:

    Für den Kopf
    Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg schwirrt mir oft der Kopf. In langen Testreihen habe ich herausgefunden, dass mir die Musik des virtuosen US-Folkgitarristen Norman Blake zuverlässig dabei hilft, zur Ruhe zu kommen. Mit 84 hat Blake noch das Album Day by Day herausgebracht, ein Alterswerk von großer Würde und Klarheit. Wenn ich diese CD höre, bin ich gleich wieder bei mir.

    Für das Herz
    Ich bin Fan von Hertha BSC, danke für Ihr Mitgefühl. Als Nervennahrung fürs Spiel heute, wenn es wieder mal um alles geht, werde ich mir ein Brot von Weichardt schmieren – einer legendären Vollkornbäckerei aus Berlin, für mich der Inbegriff des Brotgenusses. Vom Osterbesuch in Berlin hatte ich noch ein Weichardtbrot eingefroren, man kann sie aber auch online bestellen.

    Für den Bauch
    Der Dienstag war er erste T-Shirt-Tag des Jahres, und in mir erwachte ein Verlangen nach Roots Reggae. Ich glaube nicht, dass jemand widerspricht, wenn ich hier Bunny Wailers Album Blackheart Man von 1976 empfehle, dank seiner großen spirituellen Tiefe und klanglichen Finesse ohne Zweifel ein Meilenstein des Reggae. Bitte laut hören, sodass die Bässe schön im Bauch kitzeln!

    Die Tipps von Christoph Cadenbach, 7./8. Mai 2022:

    Für den Kopf
    Das Wochenende ist auch die Zeit des Wäscheaufhängens und Staubsaugens. Ich höre dabei gern Podcasts, weil ich so das Gefühl habe, das Nötige mit dem Angenehmen zu verbinden. Ein Favorit momentan: »The Daily« von der New York Times. 20 Minuten, fünf Tage die Woche. Weil er mir die Welt gut zusammenfasst.

    Für das Herz
    Früher hat mich Heimwerken gestresst, mittlerweile entspannt es mich. Am liebsten irgendwas mit Holz, ein Hochbeet selber bauen zum Beispiel, im Mai kann man darin prima Gemüse aussäen. Fürs Beetbauen reicht ein wenig handwerkliches Geschick, ein Besuch im Baumarkt und ein Akkubohrer.

    Für den Bauch
    Spätestens im Mai räumen auch die überzeugtesten Raclette- und Fondue-Liebhaber ihre Geräte in den Schrank bis zum nächsten Winter. Ein Ersatz, der auch im Sommer schmeckt: Hot Pot, also eine Art asiatisches Fondue mit würziger Brühe, viel Gemüse, Kräutern und Seafood. Mit Gaskochern (und vorgekochter Brühe) auch im Garten machbar.

    Die Tipps von Marc Baumann, 30. April / 1. Mai 2022:

    Für den Kopf
    Ich habe den halben Sonntag meine Jugend-Fußballmannschaft zu einem Auswärtsspiel gefahren (0:2) und den halben April für eine geflüchtete Ukrainerin, die bei uns wohnt, ein WG-Zimmer in München gesucht. Ja, ehrenamtliches Engagement ist zeitaufwendig, bisweilen belastend, manchmal überfordernd – und es am Ende doch wert. Ideen für verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten finden Sie hier.

    Für das Herz
    Die TV-Serie »Wunderbare Jahre« aus den 90ern gibt es als Neuauflage auf Disney+. Wieder geht es um einen 12-Jährigen in den 60er Jahren in den USA – diesmal aber in einer schwarzen Familie, was das damals wie heute klug verwebte Themenspektrum von erster Liebe bis Vietnamkrieg jetzt noch um Rassismus und Diskriminierung erweitert.

    Für den Bauch
    Semmelknödel machen jedes Wochenende besser. Egal, ob zu veganer Pilzsauce oder Schweinebraten. Meine ersten Knödel waren immer zu weich und aufgedunsen – bis ich die kleinen Weißbrotwürfel der Firma Leimer entdeckt habe. Damit klappen sie idiotensicher jedesmal. (Erhältlich in vielen Supermärkten.)

    Die Tipps von Michaela Rogalli, 23./24. April 2022:

    Für den Kopf
    Zurück auf die Couch: Die zweite Staffel der französischen Serie »In Therapie« ist in der Arte-Mediathek erschienen. Ein spannender fiktiver Einblick in die Arbeit eines Pariser Psychotherapeuten und die Leben seiner Klienten. Dosierungsempfehlung: Eine Folge/Sitzung pro Tag!

    Für das Herz
    Das tolle Album »An Awesome Wave« von Alt-J feiert im Mai 10-jähriges Jubiläum. An dieser Stelle viele Grüße an meine ehemaligen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, die die Platte damals entweder auf Repeat ertragen mussten oder bei Tracks wie »Breezeblocks« lauthals mitgesungen haben.

    Für den Bauch
    Onigiri, die gefüllten Dreiecke oder Bällchen aus Reis, sind in Japan ein klassisches Resteessen. Für mich sind sie das perfekte Mitbringsel in der Picknicksaison. Lifehack: statt Sushi-Reis kann man auch günstigen Milchreis verwenden! Ein Rezept finden Sie hier.

    Die Tipps von Susan Djahangard, 16./17. April 2022:

    Für den Kopf
    Für einen Roman bin ich am Wochenende oft zu platt und zu verplant. Auch deshalb lese ich sehr gerne Essaybände. Auf Deutsch schreibt Mely Kiyak besonders Gute. Vor kurzem ist »Werden sie uns mit FlixBus deportieren?« erschienen. Der Band versammelt vor allem Kolumnen, die sie für das Gorki Theater Berlin geschrieben hat.

    Für das Herz
    Manchmal hilft es dem Herz, etwas mit den Händen zu tun. Eine Freundin hat mich darauf gebracht, Möbel anzumalen. Das hat zwei Vorteile: Man muss dafür sonst nicht viel können. Und die Farben machen auch später noch gute Laune. Bei mir zumindest klappt das gut, mit der nun pinken Holzkiste in meinem Wohnzimmer.

    Für den Bauch
    In meiner Familie gibt es eine seltsame Tradition: Am Ostersonntag halbieren wir gekochte Eier, streichen auf die eine Seite Ketchup, auf die andere Senf, setzen die Hälften zusammen und schieben uns das Ei in den Mund. Zwischen all den super Küchentipps, ausgetüftelten Rezepten und behäbigen Feiertagstraditionen fühlt sich das an wie ein Klops Freiheit.

    Die Tipps von Michael Ebert, 9./10. April 2022: 

    Für den Kopf
    Wes Andersons »The French Dispatch« ist zum Kinostart voll ins Corona-Loch gefallen. Dabei hätte der sehr lustige, sehr liebevolle Film über die Ereignisse rund um eine Zeitschrift in der französischen Fantasie-Stadt Ennui-sur-Blasé großes Publikum verdient. Jetzt zum Beispiel auf Disney+ zu sehen.

    Für das Herz
    Kleine Kinder zur Ruhe zu kriegen, indem man ihnen das Handy überlässt, gilt unter Eltern als Niederlage. Es ist aber trotzdem die nervenschonendste Methode, um ihnen nach dem Baden die Haare trockenföhnen zu können. Toller Zeitvertreib für Kinder so bis acht Jahre: Christoph Niemanns App »Streichelzoo« (iOS und Android) und die Knobeleien in »Pettersons Erfindungen« (iOS und Android).

    Für den Bauch
    Die besten Kekse der Welt … na gut: die besten Kekse, die ich je gegessen habe, sind Canestrej aus der Pasticceria Jeantet im Piemont. Mir wurden sie von Freunden geschenkt, mit hinterhältigem Grinsen. Denn den beiden war klar, dass sie mich in eine lebenslange Abhängigkeit treiben. Die Kekse lassen sich leider problemlos über jeantet.it bestellen.

    Die Tipps von Dorothea Wagner, 2./3. April 2022:

    Für den Kopf
    »Salz und sein Preis« von Patricia Highsmith
    Dieser Roman hat mich in den vergangenen Monaten am meisten begeistert. Highsmith schreibt darin wahnsinnig nah und intensiv über die Liebe zwischen zwei ungleichen Frauen. Das Buch erschien 1952 unter einem Pseudonym und ist trotzdem so viel moderner als viele aktuelle Erzählungen.

    Für das Herz
    Der Soundtrack zum Film »Licorice Pizza«
    Ich habe noch nie bei einem Film so lange am Stück gelacht wie bei Licorice Pizza von Paul Thomas Anderson. Die ganze Wärme des Films und die ganze kalifornische Sonne ist auch im Soundtrack eingefangen. Ich höre ihn gerade jeden Abend beim Kochen. In diesem Sinne: Entschuldigung an meine Nachbarn für all die Wiederholungen von »Stumblin’ In«.

    Für den Bauch
    Spaghetti al limone
    Apropos Sonne, Kochen und schöne Gefühle: Kaum ein Gericht lässt mich graue Tage so gut vergessen wie Nudeln mit Parmesan-Zitronensauce. Eine sehr gute Variante unseres Kochkolumnisten Hans Gerlach finden Sie hier.