Schnüff

Manchmal gibt es Tier-Freundschaften, die man nie für möglich gehalten hätte. Bei diesen Bildern mussten sich ein paar unserer abgebrühtesten Redakteure die Tränen aus dem Augenwinkel wischen (natürlich heimlich).

Gefühle bei Tieren – das war in der Wissenschaft lange ein Tabu. Als die britische Primatenforscherin Jane Goodall in den Sechzigerjahren begann, das Verhalten von Schimpansen zu erforschen, wurde sie von Kollegen schon deshalb kritisiert, weil sie ihren Versuchsobjekten Namen gab, statt sie einfach zu numerieren. Sie passte sich in der Folge den allgemeinen Konventionen an und schrieb nicht mehr, der Affe Fifi sei glücklich, sondern: »Fifi verhielt sich auf eine Weise, dass man, wäre sie menschlich, sagen würde, sie war glücklich.« Obwohl sie diese Formulierung selbst für albern hielt.

Heute sind viele Forscher bereit, nicht nur Affen, Hunden oder Katzen Gefühle zuzugestehen, sondern selbst Ratten oder Mäusen. Das Gefühlsleben von Tieren wird in Laboren rund um die Welt untersucht. Nicht etwa, weil die Forscher heute sentimentaler wären, bestimmte Fragen liegen einfach auf der Hand: Ratten und Menschen haben ähnliche Hirnstämme, argumentiert etwa der Neurowissenschaftler Joseph LeDoux. Warum sollten diese Tiere nicht auch zu Empfindungen fähig sein? Der amerikanische Verhaltensbiologe Marc Bekoff ist überzeugt, dass Tiere ebenso wie Menschen Liebe, Hass, Freude, Trauer oder Mitleid empfinden.

Und natürlich auch Freundschaft. Dieser Schluss drängt sich jedenfalls beim Durchblättern des Buchs Unlikely Friendships auf, einer Sammlung anrührender Bilder und Geschichten aus aller Welt: Geschichten von Affen, die junge Katzen bemuttern, von einem Hamster, der auf einer zusammengerollten Schlange kauert, von einem Nilpferd, das mit einer Schildkröte schmust. Sicher ist: Die Tiere verhalten sich auf eine Weise, dass man, wären sie menschlich, sagen würde, sie empfinden Freundschaft füreinander.

Einige dieser Freundschaften lassen sich relativ leicht interpretieren: Ein junges Tier sucht Schutz bei einem älteren, was dessen mütterliche oder väterliche Urinstinkte zu wecken scheint. Und die Schlange könnte den Hamster nur deshalb nicht verschluckt haben, weil das Bild im Herbst aufgenommen wurde. Die Schlange bereitete sich womöglich auf die Winterruhe vor, und ihr Appetit war stark reduziert. Aber wie erklären sich die gegenseitigen Sympathiebekundungen zwischen einem Golden Retriever und einem Koi-Karpfen? Am ehesten damit, dass auch Tiere zur Freundschaft fähig sind, über alle Speziesgrenzen hinweg, sagt die US-Biologin Barbara J. King.

Ob die Tiere dabei dasselbe fühlen wie die Menschen? Der Neurologe Joseph LeDoux gibt zu bedenken, dass »eine bloße Verhaltensähnlichkeit noch keine Erlebensgleichheit« beweise. Er wisse auch nicht, wie er dies beweisen solle, der Wissenschaft fehlten dazu die Mittel. Doch ist das ein Problem? LeDoux sagt, er beschäftige sich einfach nur mit dem emotionalen Verhalten der Ratten, auf diesem Feld gebe es genug zu erforschen. Ähnlich muss man auch die Bilder der ungewöhnlichen Tier-Freundschaften sehen: Was immer diese Tiere wirklich empfinden, ihr Verhalten demonstriert, dass die Tierwelt weit mehr ist als nur ein ewiges Fressen und Gefressenwerden.

Die Fotos zu diesem Artikel stammen aus dem Buch »Unlikely Friendships«. Die amerikanische Journalistin Jennifer S. Holland, die für die Zeitschrift National Geographic schreibt, hat darin 47 kurze Geschichten über ungewöhnliche Tier-Freundschaften zusammengetragen. Sie sagt: »Die Zeiten sind hart genug, die Leute lechzen danach, etwas zu lesen, was sie aufbaut.« Tatsächlich wurde das Buch in den USA seit seinem Erscheinen im Juli hunderttausendfach verkauft.  

Fotos: Getty(2), AP, actionpress(2)

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