Das Beste aus aller Welt

Was stellt Pep Guardiola an seinem ersten Arbeitstag beim FC Bayern an? Unser Autor hat analysiert, wie sich andere Personen in wichtige Ämter einführten, und kann Guardiola nur davon abraten, sich an Päpsten und US-Präsidenten zu orientieren.

Welcher Wahnsinn hat uns erfasst, dass wir in München den ersten Arbeitstag eines Fußballtrainers als sehr großes Ereignis betrachten! Dass zu den allergrößten Fragen dieser Tage vor allem diese zählt: Was wird Pep Guardiola in der kommenden Woche zuerst tun? Womit wird er seine Amtstätigkeit beginnen?

Ich habe mich eine Weile mit den ersten Handlungen bedeutender Personen in neuen Ämtern befasst und kann sagen, dass in jedem Fall vom Ersten, das jemand tut, wenn er seine Arbeit beginnt, eine Signalwirkung ausgeht, die von großer Bedeutung ist. Bitte, ich möchte Guardiola nicht noch weiter mit Erwartungen belasten, als es ohnehin schon geschehen ist, aber hier erhoffen wir von ihm nicht nur den Gewinn aller ausgeschriebenen Pokale, Meisterschalen und Rekorde, sondern eine gewisse Erlösung vom Irdischen, das heißt: Am Ende der kommenden Saison sollte München in einer gigantischen Explosion der Freude sich mit dem Universum vermählen und fortan für die kommenden Jahrhunderte in einer eigenen Sphäre der Lust und des Taumels weiterexistieren. Wenigstens das.

Wie geht man eine solche Aufgabe an?
Fest steht: Man kann es verbocken. William Harrison, der 1841 zum neunten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden war, hielt im März bei klirrender Kälte im Freien ohne Mantel und Hut eine zweistündige Antrittsrede, bei der er sich dermaßen erkältete, dass er schon im April an einer Lungenentzündung starb. Acht Jahre später erschien Zachary Taylor, einer der Nachfolger, zu seiner Vereidigung bei ebenfalls erheblichem Frost unkenntlich vermummt; die Leute hielten ihn für einen Obdachlosen, der sich hereingeschlichen habe, und buhten ihn von der Bühne, bis Taylor sich zu erkennen gab.

Also noch mal: wie beginnen?
Als der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt worden war (ein Amt bescheidenen Zuschnitts, mit dem Posten des Bayern-Trainers verglichen), trat er vor die jubelnde Menge und sagte einfach: Buona sera, guten Abend. Das war großartig, so zurückhaltend wie bedeutend. Fritz Kuhn, der neue Stuttgarter Bürgermeister, trug sich am ersten Tag in die sogenannte »Brezel-Liste« des Stadtrates ein. Darin ist vermerkt, wie viele Brezen man zu welcher Sitzung wünscht und wie viel Butter dazu, die schwäbische Variante von Buona sera sozusagen.

Die andere Möglichkeit: Man macht es wie Til Schweiger in seinem ersten Tatort, betritt die Szenerie, sagt »Fuck!« (eine Reminiszenz an das berühmte erste »Scheiße!« von Götz George bei seiner Premiere als Schimanski) und erschießt drei Komparsen. Was eindrucksvoll ist, für einen Fußballtrainer aber kaum nachzuahmen. Soll er vor versammelter Mannschaft drei Ersatzspieler umlegen? Was ist, wenn die im Laufe der Saison dann doch gebraucht werden? Und wissen Sie, was selbst ein Ersatzspieler beim FC Bayern kostet?

Trotzdem: Diese markige Variante hat etwas. Der verstorbene österreichische Trainer Ernst Happel, schon zu Lebzeiten eine Legende, ließ am ersten Trainingstag 1981 beim Hamburger Sportverein den Stürmer Hrubesch eine leere Coladose aufs Latteneck des Tores stellen, nahm einen Ball und schoss die Dose aus zwanzig Metern Entfernung herunter. Dann sagte er: »Nachmachen!« Nur ein einziger Spieler vermochte das: Franz Beckenbauer, der damals im Herbst seiner Karriere tatsächlich für den HSV spielte und mit ihm auch Meister wurde. Als alle Spieler es versucht hatten, hieß Happel Hrubesch, die Dose erneut aufs Tor zu stellen – und schoss sie wieder herunter.

Wie wäre es also, Pep Guardiola nähme ein paar Krümel Erde aus der Grasnarbe des Trainingsplatzes und schüfe mit ein paar raschen, unauffälligen Handbewegungen daraus einen neuen Offensivspieler? Oder wenigstens ein neues Kreuzband für den verletzten Verteidiger Badstuber? Nur mal so aus Auftakt.

Illustration: Dirk Schmidt