Nano

Die Nanotechnologie könnte für uns alle gefährlich werden. Aber warum fürchtet sich eigentlich niemand davor?

(Im Bild: Eine Ameise trägt einen mit Hilfe von Nanotechnologie hergestellten Computerchip. Foto: Reuters)

Der Mensch ist ja doch ein rätselhaftes Wesen. Besonders rätselhaft ist die Frage, warum er sich vor manchen Neuerungen der Technik eher fürchtet – und vor anderen eher nicht. Aktuell fürchten wir uns zum Beispiel nicht annähernd genug vor der Nanotechnologie. Das findet zumindest das Umweltbundesamt, das in einer aktuellen Studie vor Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder freisetzen könnten, entschieden warnt. Das Amt fordert sogar eine neue Kennzeichnungspflicht, denn sogenannte Nanopartikel sind schon in Kosmetika und Sonnencremes, in Farben und Dachziegeln, sogar in Lebensmitteln enthalten.

Dort tun sie die unterschiedlichsten Dinge, wie Bakterien abweisen, UV-Strahlen blockieren oder Autolacke länger glänzen lassen. Wie nun aber der Name Nano schon sagt, der sich vom altgriechischen Wort für Zwerg ableitet, sind diese Partikel vor allem erst einmal: klein. So klein, dass man sie auf keinen Fall sehen kann, klein im Bereich von Milliardsteln eines Meters.

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In ihrer Winzigkeit überwinden sie Grenzen, an denen für größere Teilchen Schluss ist. Sie gelangen ins menschliche Blut, in die Zellen, ins Gehirn. Und könnten dort natürlich äußerst schädlich wirken, auch wenn man dazu noch wenig weiß.

Im Grunde erfüllen sie alle Kriterien für eine handfeste Panik: Unsichtbar und ungreifbar wie Viren, wie Radioaktivität, wie Handystrahlen geistern sie durch die Welt. Aber irgendwie stört uns das ausnahmsweise nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass so ein Nanoteilchen doch irgendwie zu passiv ist, um als echter Schurke zu taugen. Es vermehrt sich nicht. Es strahlt nicht. Es liefert sich auch keine tödlichen Kämpfe mit menschlichen Abwehrzellen. Selbst der große verstorbene Chef-Panikmacher Michael Crichton musste mehr bieten, als er sieben Jahre vor dem Umweltbundesamt die Nano-Gefahr in einen Bestseller namens Beute (Prey) verwandelt hat – woran man übrigens sieht, wie so manche Furcht in Wellen zu uns kommt und zwischendrin auch mal wieder verschwindet.

Crichton also beschwor die (derzeit noch hypothetische) Möglichkeit, der Mensch könnte aus Nanoteilchen unsichtbare Mikro-Maschinen bauen, sogenannte Nanobots. Ein Schwarm solcher Nanobots würde dann, nur als Beispiel, unseren Biomüll unermüdlich in Schokolade umwandeln. Und sich dabei zugleich selbst replizieren. Eigentlich eine feine Sache – aber nur so lang, bis die Dinger plötzlich einen eigenen Willen entwickeln und anfangen, die Welt aufzufressen.

Hmm. Fürchten Sie sich jetzt vielleicht? Wirklich nicht? Tja, dann wissen wir auch nicht, was wir in Sachen Nano-Gefahr noch unternehmen sollen. Wir übergeben an die Bild-Zeitung.

Die Rubrik 50 Zeilen wird von drei Autoren abwechselnd geschrieben. Auf Tobias Kniebe folgt nächste Woche Georg Diez, danach Andreas Bernard.

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