Euro

Wofür stand der Euro noch mal? Ach, ja: Stabilität.

Weil der Euro mehr ist als nur eine Währung, betrifft die gegenwärtige Krise des Euro auch mehr als nur die Wirtschaft. Der Euro war von Anfang an ein Versprechen, für Wohlstand, europäische Einigkeit und Stärke. Der Euro war, wie so vieles in der EU, ein Akt des Voluntarismus, bei dem der Wille über die Wirklichkeit triumphieren sollte. Was ja lange Jahre auch ganz gut geklappt hat: Schluss mit Nationalismus und Kleinstaaterei, freie Fahrt und freier Konsum dank der Einheitswährung, ein Kontinent vereint unter der Fahne von Euro und easyJet. Das war das Wohlfühlversprechen, mit dem die europäische Jugend zwischen Prag und Lissabon in den letzten acht Jahren aufgewachsen ist. Aber wie sagte schon der Ökonom Milton Friedman: There is no free lunch. Jetzt, wo das System zum ersten Mal seine Grenzen testet, wird deutlich, wie viel Autosuggestion dabei im Spiel war. Und wie sehr man sich selbst in den Fängen eines Systems verstrickt hat, das sich verselbstständigt hat. Denn das ist ja die Botschaft der griechischen, der spanischen und wohl auch aller zukünftigen Zwangslagen: Das System muss über alle Kosten hinweg gesichert werden. Ein neumodischer Fatalismus, der schon die Bankenkrise begleitet hat mit dem Mantra: too big to fail. Jetzt heißt es: leider zu spät, um da noch auszusteigen. Wir können die Griechen nicht gehen lassen, so das missmutig merkelige Achselzucken, weil das die Sache noch schlimmer machen würde.

Und je länger man diesem Orakeln und Deuteln zuhört, desto mehr kann einen das an ganz andere Streitereien erinnern, die im Wesen, so scheint es, dem Finanzdrama ähnlich sind: Aus fast allen Äußerungen der letzten Zeit dringt eine psychologische Verklemmung, die man aus der Paarbeziehung kennt. Erst sagt man freiwillig ja zueinander, dann dauert es eine Weile und es geht mal so, mal so, dann ist ein Nein nicht mehr denkbar, denn das würde alles in Frage stellen, was war, und irgendwann kann man sich einerseits eh nicht mehr erinnern, wie das ohne einander war, und hätte andererseits auch längst den Glauben verloren, dass etwas Neues besser sein könnte. Und so bleibt man halt zusammen und macht sich das Leben zur Hölle.

Danke Athen, danke Brüssel, danke Berlin für diese kleine Erinnerung. Menschen sind nun halt mal so. Blöd ist es allerdings, wenn ein System diese Schwächen der Menschen hat, aber trotzdem für unantastbar, unhinterfragbar erklärt wird. Wie gesagt, es geht bei den 8,4 Milliarden, oder wie viele es nun werden, um mehr als nur um Geld: Die Finanzkrise ist eine Beziehungskrise.

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