Wrocław

Brücken gibt es mehr als genug im alten Breslau. Aber der literarische Kommissar ist hier kein Netter wie Brunetti.

Brücken
Eine 200 Meter lange Hängebrücke mit Stahlseilen stellte Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein Wagnis für Ingenieure dar. Deswegen wollte man die Kaiserbrücke über die Oder einem besonderen Härtetest unterziehen: Ein ganzes Regiment Kaiser Wilhelms II. sollte darüber hinwegmarschieren. Als der deutsche Ingenieur davon erfuhr, so geht die Legende, sprang er eine Woche vor dem Test von seiner Brücke in den Tod, aus Furcht, sich verrechnet zu haben. Doch die Brücke hielt, sie überstand sogar zwei Weltkriege. Je zwei kleine Türme standen an beiden Enden. Der deutsche Kommandeur ließ sie sprengen und mit ihnen ein ganzes Wohnareal, nur damit ein einziges Flugzeug aus dem von Sowjetsoldaten belagerten Breslau starten konnte. Das Flugzeug stürzte über Tschechien ab, die Türme an der Brücke wurden nie wieder aufgebaut. Ende der Fünfziger-jahre soll Polens berühmtester Kunstflieger unter der Brücke hindurch geflogen sein, trotz strengsten Verbots. Die unverwüstliche Kaiserbrücke heißt heute Grunwald-Brücke und ist längst zum Wahrzeichen für die so oft umkämpfte Stadt geworden.

Gondeln
Kleine Wassertaxis pendeln zwischen den Oder-Inseln in der Stadtmitte, auf denen im Sommer oft Rockkonzerte stattfinden. Größere Boote fahren zur sogenannten Jahrhunderthalle am Stadtrand, einem Bauwerk der unter Architekten berühmten Breslauer Moderne. Man kann an Deck essen, manchmal werden die Boote auch für Partys gemietet.

Stadtschreiber
Kommissar Eberhard Mock ist auf den ersten Blick kein netter Mensch: Er ist cholerisch und pedantisch, hat ein Alkoholproblem, besucht Prostituierte und ohrfeigt Frauen. Vor allem aber ist er: Deutscher. Die historischen Krimis des Altphilologen Marek Krajewski, die im Vorkriegs-Breslau spielen, sind in Polen dennoch so beliebt, dass sogar eigene Mock-Spaziergänge durch die Innenstadt Wrocławs angeboten werden. In Deutschland wurden die Übersetzungen bei Dtv mehrmals auf die KrimiWelt-Bestenliste gewählt.

Meistgelesen diese Woche:

Essen
»Restauracja Quchnia Polska«, (Rynek 20/21, Tel. 0048/71/343 56 17, www.quchniapolska.pl). Polnische Küche, die mehr zu bieten hat als Pierogi – aber die auch. Unbedingt das Tatar probieren.

Schlafen
»Hotel Monopol«: Marlene Dietrich und Picasso wohnten hier, Hitler hielt eine Rede vom Balkon. Ausgezeichnetes Frühstück hinter großen Fenstern mit Blick auf die Oper. Ul. H. Modrzejewskiej 2, Tel. 0048/71/772 37 77, www.monopolwroclaw.hotel.com.pl, DZ ab 100 Euro.

Unbedingt
Eine Oper sehen. Im Sommer gibt es einige Vorstellungen auf einer Oder-Insel in der Innenstadt oder in der Jahrhunderthalle. An beiden Orten ein unvergessliches Erlebnis.

Auf keinen Fall
Alkohol auf öffentlichen Plätzen trinken, das ist hier verboten. Bei Konzerten auf den Oder-Inseln drückt die Polizei allerdings meist ein Auge zu.

Illustration: Jean Jullien

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