Angriff aus dem All

Was tun, wenn die Außerirdischen kommen? Oder sind sie längst da?

Das musst du lesen!«, sagte Bruno, mein alter Freund, und zeigte mir einen kleinen Artikel, den er auf smithsonian.com entdeckt hatte. Es ging um das Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow 1985 in Genf.

»Eine uralte Geschichte«, sagte ich.
»Aber kanntest du sie?«
»Nein.«
»Na, also.«

Ich las: Bei jenem Treffen hatten Reagan und Gorbatschow einen Spaziergang gemacht, zu zweit, nur mit Dolmetschern. Plötzlich, so erzählte es Gorbatschow viele Jahre später, habe Reagan gefragt: »Was würden Sie tun, wenn die USA plötzlich von jemandem aus dem Weltraum angegriffen würden? Würden Sie uns helfen?«

»Ohne Frage«, habe er, Gorbatschow, geantwortet.
Darauf Reagan: »Wir Ihnen auch.«

»Ich finde es interessant«, sagte Bruno, »dass zwei verfeindete Mächte, wenn es um Aliens geht, sofort zusammenstehen. Aber wenn es sich um ganz reale Gefahren handelt, die Klimaveränderung oder das nukleare Wettrüsten, kündigen sie gerade sämtliche verfügbaren Abkommen oder halten sich einfach nicht an sie.« Er machte eine Pause. »Hältst du es sogar für möglich, dass im Fall einer Alien-Attacke auch der FC Bayern und Borussia Dortmund zusammenarbeiten würden?«

»Ich finde noch interessanter«, sagte ich, »dass die beiden sich Aliens nur als Angreifer vorstellen konnten. Ich denke, außerirdisches Leben könnte auch in der Hirnlosigkeit von Einzellern bestehen oder eine solche Superintelligenz sein, dass wir komplett unter deren Wahrnehmungsschwelle liegen. Vielleicht ist das wichtigste Merkmal von Außerirdischen, dass wir keinerlei Vorstellung von ihnen ent­wickeln können. Sie sind jenseits von allem, was wir zu denken in der Lage sind, verstehst du? Ich glaube, sie wären an uns kein bisschen interessiert. Du gehst doch bei einem Spaziergang bisweilen auch achtlos an einem Ameisenhaufen vorbei, oder?«

»Es könnte sein«, warf Bruno grüblerisch ein, »dass die Russen, die eine Menge Weltraum-Missionen hatten, sich mit den Aliens verbündet haben. Putin ist tückisch. Hältst du es für möglich, dass Reagans jüngster Nachfolger ein von Putin ins Amt gebrachter Extraterrestrischer ist?«

»Es deutet vieles darauf hin«, sagte ich. »Und es würde manches erklären. Dass jemand zum Beispiel einen ehemaligen Außenminister, den er selbst ernannt hat, es war Tillerson, dass er den also später ›dumm wie Brot‹ nannte – es würde darauf hinweisen, dass er nicht kapiert, wie Menschen miteinander umgehen, auch nach längerer Zeit nicht. Weil er eben aus einer anderen Galaxie stammt.«

»Wie Commander Spock in Star Trek«, sagte Bruno, »ein Halb-Vulkanier, der keine Gefühle kennt, nur Logik. Nur dass T. auch Logik unbekannt ist und er im Grunde nur eine Fähigkeit aus dem Universum mitgebracht hat: Er kann schmerzfrei endlos fernsehen.«

»Du musst das hier lesen!«, sagte ich und zeigte ihm einen Artikel über das rätselhafte Himmelsobjekt Oumuamua, das im Oktober 2017 von einem Teleskop auf Hawaii entdeckt worden war. Es hat die Form einer Zigarre, ist glänzend und dunkelrot, und seine Flugbahn gehorchte nicht genau den Gesetzen der Himmelsmechanik. Der Harvard-Professor Avi Loeb hält es für möglich, dass es das Lichtsegel eines Raumschiffs von Außerirdischen oder sogar ein Miniraumschiff ist, das sie zu einem Erkundungsflug in unser Sonnensystem geschickt haben.

»Und wo ist es jetzt?«
»Keine Ahnung. Einfach vorbeigeflogen. Als man es entdeckte, war es schon wieder 33 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das ist die 85-fache Distanz des Mondes zu uns. Sie sind weitergereist, verstehst du? Sie finden uns komplett uninteressant. Wir sind ihnen scheißegal.«