»Ich lasse mich nicht anbrüllen«

Die Schauspielerin Sigourney Weaver über fiese Chefinnen und despotische Regisseure.

(Foto:dpa)

SZ-Magazin: Ihre Bluse heute ist pink. Als Sie 1988 den Golden Globe für Die Waffen der Frauen bekamen, trugen Sie ein rotes Kleid. Tragen Sie gern Farbe?
Sigourney Weaver: Das Rot passte zu Katharine, meiner damaligen Rolle. Sie war der Inbegriff der bösen Chefin. Heute würde sie gar nicht mehr als herzlos auffallen, die Arbeitswelt ist ja viel brutaler geworden. Das hat mich auch an Michelle Bradley interessiert.

Michelle Bradley ist die Chefin eines Unternehmens, das Waffen herstellt. Sie spielen sie in Ihrem neuen Film: Chappie.
Diese Frau hat alles für diesen Job aufgegeben. Und der besteht darin, die vielen Genies, die bei ihr arbeiten, klein und auf Linie zu halten, damit der Umsatz stimmt. Sie sollen nicht denken, nicht träumen. Vor Visionen hat sie Angst. Ich habe viel über CEOs gelesen. Man muss schon sehr zielstrebig sein, besonders als Frau, um in der Geschäftswelt durchzukommen. Auf Familie müssen die meisten dieser Frauen tatsächlich verzichten. Im echten Leben wär das nichts für mich.

Im echten Leben sind Sie seit dreißig Jahren verheiratet, Ihre Tochter ist 25. Stimmt es, dass Sie Ihren Mann angesprochen und zum Tanzen aufgefordert haben?
Ja, und ich habe mir eine Abfuhr geholt. Dann lief er hinter mir her und meinte: Entschuldige, ich wollte nur einen Witz machen. Einen Witz! Er sagte: Ich möchte mit dir tanzen, wirklich. Es war schrecklich. Ich war ganz steif vor Kränkung. Ich konnte ihn die ganze Zeit nicht anschauen.

Wie kamen Sie dann zusammen?
Ich habe ihn später mal zu einer Party eingeladen, das war in der Ghostbusters-Zeit. Wir haben uns alle verkleidet. Er blieb lang und half mir beim Aufräumen. Dann habe ich ihn gefragt, ob er mit mir essen geht.

Sie haben wieder den ersten Schritt gemacht?
Ja. Ich habe ein paar Kompromisse gemacht am Anfang. Mein Mann ist jünger als ich. Ich hatte mir fest vorgenommen, wenn er mehr als fünf Jahre jünger ist als ich, gehe ich nie wieder mit ihm aus. Er ist sechs Jahre jünger als ich. Ich musste also wieder etwas großzügig sein. Im Laufe unserer Ehe hat er sich dann sehr viel Mühe gegeben, mit mir zu tanzen, wenn ich dazu Lust hatte.

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Ripley, Ihre Figur in Alien, bis heute Ihr Alter Ego sein würde?
Nein, damals gab es noch gar keine Fortsetzungsfilme. Und Ripley sollte ja eigentlich ein Mann sein. Vielleicht ist sie deshalb so einzigartig geblieben. Sie ist weder sympathisch noch unsympathisch. Sie ist kämpferisch und kaltblütig, sie bricht nie zusammen, aber das alles wirkt wie unbeabsichtigt. Sie ist ein Mensch, der zufällig eine Frau ist.

Was dachten Sie, als Patricia Arquette bei der Oscar-Verleihung gleiche Rechte in Hollywood für Frauen wie für Männer eingefordert hat?
Ich war beeindruckt. Dass sie diesen Augenblick nutzt, um über etwas zu reden, worüber niemand spricht, weil es sich nicht gehört. Männer verdienen in Hollywood ein Vielfaches mehr als Frauen. Leonardo DiCaprio verdient bestimmt dreißig Mal so viel wie Meryl Streep.

Betrifft Sie das auch?
Absolut. Mit Ausnahme von Alien 4. Das hat sich dann auch wirklich großartig angefühlt.

Werden Frauen im Filmgeschäft auch sonst schlechter behandelt?
Ich habe gehört, dass Frauen anders angebrüllt werden. Aber ich habe mit Regisseuren gearbeitet, die dafür bekannt sind, herumzuschreien. Ridley Scott. James Cameron. Und ich lasse mich nicht anbrüllen.

Was tun Sie dagegen?
Ich bitte sie ruhig, aber sehr bestimmt, das zu lassen. Und ich sage ihnen, wenn sie einen von uns anbrüllen, brüllen sie uns alle an.

Finden Sie es leichter, andere zu verteidigen als sich selbst?
Ich ertrage es schlecht, wenn Leute sich in einer solch privilegierten Welt schlecht benehmen. Und das ist zwar tragisch, aber ich bin heutzutage auf einem Set meistens die, die mit Abstand die meiste Erfahrung hat.

Sie haben sich mit 14 Jahren umbenannt, von Susan in Sigourney. Warum?
Ich fühlte mich zu groß für Susie. Ich las damals den Großen Gatsby und fand den Namen Sigourney faszinierend. Schön lang und kurvenreich. Aber dann wurde ich Siggi, oder Sig. Es hat sich also kaum etwas verändert. Man entkommt sich selbst halt doch nicht.

Wie schnell haben sich Freunde und Familie an Sigourney gewöhnt?
Das hat gedauert. Vor allem, weil ich in der Schule immer Weaver war.

Wie Ripley.
Wie Ripley.

Der Sie auch nicht entkommen. Sie haben mal gesagt: Ich spiele, um der Person zu entkommen, die ich bin.
Als ich jung war, hatte ich keine Ahnung, was ich anfangen sollte. Ich dachte – und das war wirklich so – ich spiele halt alle möglichen Leute, die haben alle möglichen Berufe, eines Tages weiß ich dann, was ich werden will. Meeresbiologin zum Beispiel. Es war keine Flucht vor etwas, sondern zu etwas hin.

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