Raum ist in der kleinsten Hütte

Internationale Top-Designer und -Architekten haben für das SZ-Magazin jeweils ein Vogelhaus entworfen. Heraus kamen hölzerne Unikate, die sich für drinnen wie draußen eignen – und schon bald Ihnen gehören können.

Das »Vogelhäusl« des Architekten Stefan Diez zeichnet sich durch die gebogenen Holzflächen aus.

Stefan Diez

Auch bei seinem »Vogelhäusl«, wie Diez es nennt, steht der Fertigungsprozess im Fokus: das Biegen von Holzflächen. »Die Idee, das Häusl aus zwei von Hand gebogenen Sperrholzstreifen herzustellen, ist vermutlich von unserem Stuhl ›Houdini‹ für e15 und seiner gebogenen Form inspiriert«, sagt Diez. »Aber auch viele andere Ent­würfe entwickeln wir aus Flächen, die erst beim Zusammenfügen ihre komplexe, endgültige Form bekommen.« Der (signierte) Prototyp kann mittels eines Gurts an Laternenpfähle, Balkongeländer, Regenrinnen oder natürlich an einen Baum geschnallt werden. Zum Säubern lässt sich das Vogelhaus über einen Drehverschluss auf der Rückseite aufklappen.

Stefan Diez betreibt seit 2002 sein eigenes Design­büro in München. Zu seinen Kunden zählen Hersteller wie Authentics, Rosenthal, Thonet und Hay.

Agesa Hansen

Vogelhaus von Agesa Hansen: »Ich hatte die Idee, dass ein Baum aus einem Holz­teller wächst, aber so minimalistisch wie möglich.«

Auf den ersten Blick sieht dieser Futterplatz aus wie eine hängende Etagere. Und so verkehrt ist die Assoziation nicht: »Ich hatte die Idee, dass ein Baum aus einem Holz­teller wächst, aber so minimalistisch wie möglich«, sagt Gesa Hansen. Ihr Entwurf ist eine Mischung aus Bauteilen, die sie in ihrem Atelier gefunden hat, Reste anderer Projekte. Darunter ist eine Messingplatte, die nun als Dach fungiert: »Ich liebe die Patina, wenn Metalle wie Messing oder Kupfer ver­wittern.«

Gesa Hansen lebt in Paris. Sie gestaltet hand­gefertigte Holz­möbel in Kleinserie, zudem entwirft sie Interieurs für Res­taurants, Galerien und Geschäfte.

Michele de Lucchi

Vogelhäuschen von Michele de Lucchi: »Es sind die kleinen Dinge, die ein Heim, egal ob für Menschen oder Vögel, vertraut und einladend machen«

Die erste Skizze bestand nur aus ein paar schnellen Strichen. Aus ihr entstand in Michele de Lucchis Modellwerkstatt mithilfe von Laser-Sägen dieses Vogelhaus mit steilem Mansarddach. Es besteht aus dreißig geölten Kirschholz-Paneelen, jedes mit einer minimal unterschiedlichen Form. »Es sind die kleinen Dinge, die ein Heim, egal ob für Menschen oder Vögel, vertraut und einladend machen«, sagt de Lucchi. Er empfiehlt, das Vogelhaus so auf­zustellen, dass es durch ein kleines Vordach geschützt ist.

Michele de Lucchi, Mitbegründer der Memphis-Bewegung, gilt als einer der einflussreichsten Designer und Architekten Italiens. Er entwarf Gebäude für Banken, Computer für Olivetti, Lampen für Artemide und diverse ikonisch gewordene Gebrauchsgegenstände.

Daniel Libeskind

Vogelhaus des Stararchitekten Daniel Libeskind: »Die Umhüllung aus Holzplatten schafft eine Struktur, die leicht, luftig und komplex zugleich ist.«

Viele Stararchitekten sind nur schwer erreichbar und werden gut abgeschirmt. Daher waren unsere Erwartungen an diese Anfrage klein. Doch Libeskinds Assistentin in New York schrieb sofort zurück: »Daniel liebt Vögel und ist dabei. Er nimmt das sehr ernst!« Nach einigen Wochen erreichte uns ein Objekt aus geöltem Nussbaumholz, das an die »unmöglichen Figuren« und optischen Täuschungen von M. C. Escher erinnert. Es kann aufgehängt, aufgestellt oder an einer Wand angebracht werden. »Die Umhüllung aus Holzplatten schafft eine Struktur, die leicht, luftig und komplex zugleich ist«, meint Libeskind.

Zu seinen bekanntesten Bauten zählt das Jüdische Museum in Berlin. Das One World Trade Center in New York hat er mit entworfen.

Cristina Celestino für Gebrüder Thonet Vienna

Vogelkäfig von Cristina Celestino: »Es ist ein Hybrid, der draußen oder drinnen aufgestellt werden kann.«

Das österreichische Traditionsunter­nehmen Gebrüder Thonet Vienna, berühmt für den Kaffeehausstuhl aus gebogenem Holz, beauftragte für unsere Aktion die italienische Produktdesignerin Cristina Celestino. Sie entwarf ein Vogelhaus, das Käfig und Futterplatz sein kann, aber dank seiner Struktur aus Bugholz so formschön ist, dass es auch als frei stehendes Kunstobjekt durchgeht. »Es ist ein Hybrid, der draußen oder drinnen aufgestellt werden kann.« Als Inspiration diente Celestino der ikonische Thonet-Kleiderständer »P29« von 1929. Das Intarsienmuster wiederum ist eine Referenz an ihre Tischkollektion »Caryllon« für Gebrüder Thonet Vienna.

Cristina Celestino lebt in Mailand.

Graft

Das Vogelhaus von Graft wurde aus 36 Scheiben gefertigt.

Der Entwurf des Berliner Architekturbüros geht auf ein Modell für das Null-Energiehaus-Projekt »Bird Island« in Kuala Lumpur zurück, das Graft 2007 konzipierte. »Die organische Form der Hülle, die eine Auflösung der Wand und somit ein neues Raum­gefüge schafft, wurde für das Vogelhaus vereinfacht.« Das Häuschen besteht aus 36 Scheiben, die aus MDF-Platten gefräst und dann miteinander verleimt wurden. Der weiße Lack verleiht ihm die nötige Wetterfestigkeit. Das Vogelhaus kann aufgestellt oder aufgehängt werden.

Graft wurde 1998 von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gegründet und für seine experimentellen Bauten vielfach ausge­zeichnet, darunter das Eisstadion »Schierke Feuerstein Arena« in Wernigerode.

Unikate zu gewinnen

Sie möchten eines dieser Vogelhäuser besitzen? Sie werden im November im Rahmen unserer diesjährigen Unikate-Aktion verlost. Dabei können sich ­Leserinnen und Leser um Unikate namhaf­ter ­Designer und Her­steller bewerben. Voraussetzung: die Spende eines Mindestbetrags an eine wohltätige Organisa­tion. Alle Details zum Prozedere erfahren Sie in Aus­gabe 45 des SZ-Magazins, die am 9. November erscheint. Schreiben Sie an denkdran@sz-magazin.de, wenn wir Ihnen rechtzeitig eine Erinnerungsmail schicken sollen.