Wie man die Vorherrschaft der Chinesen verhindern könnte

Unser Kolumnist ist der Meinung, man müsste einfach Annegret Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin wählen.

Wie wird das Leben sein, wenn die Chinesen die USA als Weltmacht abgelöst haben und dann uns alle beherrschen werden, ein Fall, den man für unausweichlich halten muss, wenn man, wie ich, zu viel Zeitung liest?

China – das Projekt Weltmacht. China überholt USA bis 2032. Deutschland kann China nichts entgegensetzen. Chinas Weg zur Weltherrschaft. China baut seinen Einfluss in Afrika aus. Darum wird China die neue Weltmacht.

Ich erinnere mich, dass Kurt Georg Kiesinger, Kanzler von 1966 bis 1969, in Wahlkampf­ansprachen oft heftig aufs Pult klopfte und rief: »Ich sage nur: China, China, China.«

Bei Youtube gibt es einen Mix aus Trump-Reden, in denen er das Wort China verwendet, drei Minuten lang sagt er immer nur China, es ist wie ein Rap, die Leute streiten sich, ob er 233-mal China sagt oder 234-mal oder 235-mal, ich hab’s nicht gezählt. Also, er sagt natürlich Tschaina, das sieht fast schon chinesisch aus, was? Tschai-na.

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Was werden wir essen? Wie wird man uns überwachen? Wie werden wir reden?

Ich denke, eine Methode, den Chinesen die Machtübernahme schwerer zu machen, wäre, Annegret Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin zu wählen. Es könnte sein, dass die Chinesen sagen, wir wollen uns lieber um Frankreich (Macron) kümmern und um Italien (Conte). Deutschland mit der Frau Dings-da, … also, 嗯 (das ist das chinesische Schriftzeichen, das äh bedeutet, es klingt wie ňg, also irgendwas zwischen eng und ung) … Deutschland, werden sie in China sagen – das machen wir später …

Für Chinesen ist Annegret Kramp-Karrenbauer, von der Aussprache her, nicht zu bewältigen. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschien im Februar ein sensationell guter Artikel zu dieser Frage. Die Überschrift lautete Annäigeläite Kelanpu-Kalunbaoar. So, lernte ich, sprechen Chinesen den Namen der CDU-Generalsekretärin aus.

Wenn sie ihn aussprechen. Die meisten vermeiden es.

Wobei es sich, sagt meine Freundin Ruth, die Sinologin ist, hier wiederum um eine lautmalerische Annäherung handele, die korrekte Umschrift müsse heißen (sprechen Sie langsam nach): An-nei-ge-le-te Ke-lan-pu Ka-lun-bao-er.

Der ganze Artikel war irre interessant, weil er mit einer Einführung in die chinesische Sprache, die nur aus wenigen Silben besteht, verbunden war. »Um ein fremdes Wort auszusprechen«, so die Autorin, »muss es in diese Silben zerlegt werden.« Nehmen wir: Hitler. Die Silben Hit und ler gibt es in China nicht, der Name wird also chinesifiziert. Chi-te-le stand in der FAS, was aber, sagt Ruth, Xi Tele heißen müsse, was man Hsi Tele ausspreche. Xi Tele hao, Hitler ist gut, hätten die Chinesen in den Siebzigern zu jedem Deutschen gesagt. Sei aber nicht böse gemeint gewesen, nur im Sinne der legendären chinesischen Gastfreundschaft.

Das Interessante ist aber, dass die Silben im Chinesischen auch etwas bedeuten. Was? Das hängt von der Aussprache ab. Ma ma ma könne, las ich, »Die Mutter beschimpft das Pferd« bedeuten, aber auch »Das Pferd beschimpft die Mutter«, ganz nach Betonung. Schreibt man den Namen aber hin, hat jede Silbe ein Zeichen, das ist eine Festlegung. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nennt Merkel immer Mo-ke-er, wobei mo tatsächlich schweigsam bedeutet, ist das nicht irre? Es gibt auch mei-ke-er. Mei ist die Japanische Aprikose. Wird aber nicht oft benutzt.

Bei der Einchinesischung von Anneigelete Kelanpu-Kalunbaoer müssen die Chinesen sich übrigens, weiß ich nun, zwischen Silben entscheiden, die Donner oder Knospe bedeuten. Kelanpu-Kalunbaoer, so der Rat der Zeitung, solle sich bald selbst darum kümmern, denn wenn die Chinesen so was mal fest­geklopft hätten, seien sie kaum wieder davon abzubringen. Der kanadische Premier Trudeau wolle gern offiziell Duluduo heißen, was man verstehen kann. Aber weil sein Vater schon Staatschef war und Teluduo hieß, habe der Sohn mit seinem Wunsch Probleme.

Irgendwie freue ich mich schon fast auf die Chinesen.