Halloween

Don Quijote kämpfte gegen Windmühlen, die katholische und evangelische Kirche gegen Halloween-Kürbisse: Wie ein heidnischer Feiertagsimport die christlichen Institutionen Deutschlands erschüttert.

Wie bei vielen seltsamen Brauchtümern ist auch bei Halloween historisch nicht ganz klar, welche Kräfte da eigentlich beschworen oder welche bösen Geister vertrieben werden sollten. Dass der Name aus Irland kommt und eine Verkürzung des Wortes All Hallows’ Even (Allerheiligenabend) ist, scheint noch relativ sicher zu sein. Das könnte auf einen doch irgendwie katholischen Ursprung der Sache hindeuten – oder vielleicht wollten die Katholiken nur am Vorabend ihres großen Feiertags noch mal keltisch-heidnisch die Sau rauslassen. Dafür sprechen mögliche, aber nicht sicher erwiesene Verbindungen zum Fest eines angeblichen keltischen Totengotts namens Samhain, das einstmals auch um den 31. Oktober herum stattgefunden haben soll.

Für heidnische Umtriebe spricht auch die Tatsache, dass in Deutschland sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche echte Probleme mit der wachsenden Popularität von Halloween haben. Man glaubt es kaum, aber für die Kirchen ist die Lufthoheit über den Kalender der Feste und Feiertage offenbar immer noch ein großes Ding. Die Evangelen nervt zum Beispiel, dass Halloween grundsätzlich auf ihren Reformationstag fällt, wo die Welt eigentlich ihres großen Martin Luther gedenken soll. Um ein wenig Deutungshoheit zurückzugewinnen, verteilt die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche inzwischen Halloween-Bonbons, die aber »Lutherbonbons« heißen und mit einem Konterfei des Reformators geschmückt sind. Die Website dazu, die sich an junge Halloween-Fans wendet, schlägt einen vertraulichen Ton an: »Auch Martin hatte manchmal das Gefühl, der Teufel würde ihn auf böse Gedanken bringen«, heißt es da zum Beispiel. Aber welche Erleichterung: »Bangemachen gilt nicht, war Martins Devise. Denn wer auf Gott vertraut, braucht vor niemandem Angst zu haben.« Während die einen also wieder einmal versuchen, sich mit absurder Zielgruppen-Schleimerei zu retten, setzen die anderen auf ihre Nähe zum Staat und sorgen verbissen dafür, dass an Halloween wenigstens ab Mitternacht Ruhe herrscht. Da beginnt für die Katholiken nämlich ihr »stiller Feiertag« Allerheiligen, was zumindest in Bayern totales öffentliches Partyverbot bedeutet. Wo doch mal eine Behörde wie das Münchner Kreisverwaltungsreferat Ausnahmegenehmigungen für Halloween-Partys vergeben hat, sieht die CSU gleich böse Angriffe auf die »kulturelle Tradition Bayerns«, und dann kommt der Freistaat und macht dem verlotterten Treiben wieder ein Ende. So zeigt Halloween jedes Jahr, wenn schon sonst nichts, wie schön unsere Amtskirchen langsam an der Gegenwart verzweifeln.

Foto: ddp

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