Sinn für Homor

Auch in den USA werden Schwule und Lesben immer noch offen angefeindet. Eine Dummheit, gegen die sie sich wehren – mit originellen Protestplakaten. Wir zeigen Ihnen die besten.

Jesus lebte zusammen mit zwölf Männern und einer Prostituierten. Er war mehr wie ich als wie ihr (Gegner der Homoehe).

Wäre es Ihnen lieber, wenn ich Ihre Tochter heirate? (Statt einen Mann.)

Einer schwul, einer heterosexuell. Wir sind Zwillinge und wollen die gleichen Rechte.

Ironie: Vertreter der Polygamie (Anmerkung: wie manche religiösen, schwulenfeindlichen Hardliner), die für die traditionelle Ehe kämpfen

Wenn Sie gegen die Homoehe sind, geben Sie Heterosexuellen die Schuld: Die zeugen doch die Kinder, die homosexuell werden.

Haben wir (Homosexuelle) etwa über euer (heterosexuellen) Ehen abgestimmt?

Sie sind gegen gleichgeschlechtliche Ehe? Na, dann haben Sie doch keine.

Jesus hatte auch zwei Väter. Und aus ihm wurde ein großartiger Mann.

Die Bibel sagt: Skalverei ist gut. Schwule sind schlecht. Schlangen können sprechen.

Hey, ihr heterosexuellen Kalifornier: Dürfen wir dann jetzt über eure Ehen abstimmen?

Mormonen haben meinen Ehering geklaut!" Bild13="Lasst meine Mamas heiraten!

Folgen von Homoehe: Homosexuelle heiraten (sehr wahrscheinlich). Das jüngste Gericht bricht herein, Russland greift uns an, die Polkappen schmelzen, Familien werden zerstört (sehr unwahrscheinlich)

Gott hasst Schwule (rechts Schild, Homoehe-Gegner). Gott hasst Schilder (linkes Schild, Homoehe-Befüworter)

(Drittes Schild von links) Mein Bruder hat die bessere Frisur, aber ich habe mehr Rechte.

Jesus hatte auch zwei Väter.

Der äußerste Flügel der amerikanischen Konservativen liefert sich mit den Schwulen und Lesben im Land einen Krieg der Protestschilder – und die Homosexuellen gewinnen ihn mit Leichtigkeit. Weil Engstirnigkeit eben auch mangelnde Kreativität mit sich bringt. »Gott hasst Schwule«, steht auf den Plakaten, die radikale Christen vor der Westboro Baptist Church in Kansas in die Höhe halten. Wie soll man auf so viel Intoleranz reagieren? Am besten wie der junge Mann, der ebenfalls ein Protestschild malte – auf dem allerdings »Gott hasst Schilder« stand – und sich damit direkt neben die Hassprediger und ihre kleinen Helfer stellte. Und ein anderer ergänzt das feindselige Plakat »Homosex ist Sünde« clever mit einem kleinen Schild, das davorgehalten den Satz ergibt: »Homosex ist Sün…sationell«. Klug gekontert: Das geht auch mit den Bibelzitaten aus dem Alten Testament, etwa dem 3. Buch Mose (Levitikus), die schwulenfeindliche Christen als Beleg neben Sätze wie »Schwule landen in der Hölle« stellen. Die beantwortet man am besten so: »Levitikus schreibt auch vor: ›Schneidet euch nicht die Haare‹. Aber den Teil lassen wir weg, oder?«

Das Ergebnis ist zum Lachen, aber der Anlass ist ernst: Es gibt noch immer US-Bundesstaaten, in denen Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit nicht sicher sind, in 29 Staaten kann man wegen Homosexualität den Job verlieren, in 34 wegen Transsexualität. Amerika ist zugleich das Land, in dem Gay Pride erfunden wurde (und man in San Francisco nachts am Pizzastand ganz selbstverständlich neben schwulen Männern in Leder-Fetisch-Kleidung mit freiem Po ansteht) – und das Land, in dem 52 Prozent der Kalifornier gegen die Homoehe votiert haben. Es müssen noch so einige kluge Protestschilder geschrieben werden, bis man als Homosexueller auf Pausenhöfen, an Stammtischen oder eben auf Demonstrationen nicht mehr als Schwuchtel oder Schlimmeres beschimpft wird. Immerhin: Wenn im nächsten US-Bundestaat über die Homoehe abgestimmt wird, stehen für die Pro-Demonstranten jede Menge smarte Slogans bereit: »Wenn ich keinen Mann heiraten darf, dann heirate ich deine Tochter. Besser?«, oder »Elizabeth Taylor durfte sieben Männer heiraten, warum darf mein Bruder nicht einen haben?« Die Sprüche lassen sich ganz gut ins Deutsche übersetzen, praktisch, denn beim Christopher Street Day im Juli in Köln störte eine evangelikale Gruppe die Abschlusskundgebung mit wirren schwulenfeindlichen Plakaten (»Wer die Gunst der Schwulen sucht (weil er nicht anders ist) wollte vergessen, warum Gott Sodom untergehen ließ«). Die umstehenden Zuschauer schüttelten den Kopf. Das war zwar nicht komisch, aber eine sinnvolle Reaktion.