Hacke, Spitze, hoch das Bein

Zinedine Zidane ist nach zehn Monaten zurück als Trainer bei Real Madrid und die Fans jubeln – nur seine Jeans sorgen für Verwirrung. Seine Frau, die zur Pressekonferenz mitkam, hat die Hose gleich ganz weggelassen.

Schlankes Bein: Zinedine Zidane mit eigenwilligem Beinkleid. 

Fotos: rtr

Sergio Ramos hat diese Woche die Kunst des Selbstinterviews für sich entdeckt. Dank Twitter brauchen Stars ja keine Pressekonferenzen mehr, dank Instagram keine Paparazzi und – wie man am Montag auf dem Account des Real-Madrid-Kapitäns sehen konnte – eigentlich auch keine Journalisten mehr. Welche Fragen man beantworten will, weiß man selbst schließlich am besten, DIY ist sowieso das Motto der Stunde. Ein kurzer Auszug aus Sergio an Sergio: »War die Gelbe Karte in Amsterdam ein Fehler?« – »Absolut. Ich nehme die Schuld zu 200 Prozent auf mich.« – »Hast du dich mit dem Präsidenten in der Umkleidekabine gestritten?« – »Umkleide-Probleme werden in der Umkleide diskutiert und gelöst.« Irre auto-investigativ das Ganze.

Sein alter und neuer Trainer Zinedine Zidane hingegen hält weder viel von klassischen noch von Selfmade-Interviews, weshalb man zwar auf der Pressekonferenz am Montagabend viel zu seiner überraschenden Rückkehr zu Real Madrid hörte, aber von ihm wahrscheinlich nichts darüber hinaus zu diesem Auftritt erfahren wird. Das müssen also wohl doch wir Modekolumnisten übernehmen – und stellen hier mal ein paar Fragen in den Raum:

Frage: Was genau waren das für hochgekrempelte Hosen? In den Sozialen Netzwerken war von »Millennial Jeans« die Rede, vom leicht fragwürdigen Teenager-Look eines 46-Jährigen. Kollegen vermuteten, er wollte damit Schienbeinschoner andeuten, subtiles Motto-Dressing also. Trotzdem interessiert die Mehrheit natürlich: Wo kriegt man so was her? 

Meistgelesen diese Woche:

Antwort: Von Dsquared2, einem der Lieblingslabel von Fußballern, die italienische Marke stattet auch Pep Guardiolas Manchester City aus. Erkennen können Sie das am roten Etikett, das nicht wie bei Levi’s hinten, sondern vorne an der Knopfleiste angebracht ist. Im aktuellen Online-Store ist das Modell nicht mehr erhältlich, aber wenn Max Mara wegen Nancy Pelosi einen roten Mantel wiederauflegen lässt, stehen die Chancen gut, dass auch hier bald für Nachschub gesorgt wird.

Frage: Ist das nicht eine etwas sehr lässige beziehungsweise nachlässige Garderobe für einen so wichtigen Anlass? Real Madrid in tiefer Krise – und der Retter kommt in destroyed skinny jeans, Turnschuhen, freien Knöcheln und einen Ticken zu eng angeliegendem Jackett daher?

Antwort: Gute Beobachtung! (Anm. d. Red.: Sergio, großer Spaß diese Selbstinterviews! Endlich sind wir vollkommen deiner Meinung) So ziehen sich eigentlich Spieler an, nicht Trainer, und der frühere Madrid-Trainer Zinedine Zidane schon mal gar nicht. Er trug für gewöhnlich gut geschnittene Anzüge an der Seitenlinie, bei der Pressekonferenz zur ersten Verpflichtung immerhin blaues Jackett und dunkle Hose.

Frage: »Fängt die Revolution also schon im Kleiderschrank an«, wie die spanische Vanity Fair mutmaßte?

Antwort: Anders herum gefragt: Wie könnte man allen zeigen, dass man sich in dem Laden schon wieder wie zu Hause fühlt? Zum Beispiel, in dem man eben nicht im formalen, auf Distanz gehenden Zwirn erscheint, sondern sich betont casual anzieht, »de andar por casa«, wie man im Spanischen für »zwanglos« sagt. Sieht leger aus, ist in Wirklichkeit aber demonstratives Platzhirschgehabe. Fehlten eigentlich nur noch die Hausschuhe.

Untenrum frei: Madame Zidane trägt ein elegantes Blazerkleid in den Vereinsfarben von Real Madrid.

Foto: AFP

Frage: Hatte Zidane auch deshalb – ebenfalls eher untypisch bei solchen Anlässen – seine Frau dabei?

Antwort: Blöde Frage. Zu Hause ist da, wo die Familie ist. Aber schon bei seiner ersten Verpflichtung begleitete ihn Véronique, mit der er seit 30 Jahren zusammen ist und vier Kinder hat. Sie hielt sich im Übrigen an die Vereinsfarbe: Die 48-Jährige trug ein elegantes weißes Blazerkleid, ein Trend, den Meghan Markle vor ihrer Schwangerschaft populär machte. Beide Zidanes zeigten also viel Bein, nur dass ihre, mit weißen Pumps, optisch länger wirkten, während seine mit dem dicken Umschlag unten dran arg gestaucht daherkamen. Aber war das womöglich auch schon wieder symbolisch gemeint? Statt Ärmel, die Hosen hochkrempeln? Weil es im Fußball ja um Beinarbeit geht?

Fragen über Fragen. Vielleicht kann der Sergio die ja für seinen Trainer demnächst auch gleich mitbeantworten.

Wird auch getragen von: Kevin Prince Boateng, Dani Alves, Cristiano Ronaldo
Auch gut für: Hochwasser, empfindliche Schienbeine und Radfahren ohne Kettenschutz
Typischer Instagram-Kommentar: »Zidane macht Madrid Beine!«

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