Im Gewand einer Superheldin

Nancy Pelosi ist zur Sprecherin des Repräsentantenhauses gewählt worden - und somit erneut die mächtigste Frau Amerikas. Schon länger ist die 78-Jährige auch modisch eine Influencerin.

Auf ins (Wort-) Gefecht mit Donald Trump: Nancy Pelosi weiß, wie man Power mit Mode verbindet.

Foto: AP

Soll noch mal einer sagen, dieses Influencer-Ding sei nur etwas für Streetstyler, junge Royals und fitnessbesessene Mittdreißiger mit Avocado-Auffälligkeit. Nancy, 78, aus Baltimore kann das bisweilen auch. Zumindest hat ein einziger, einflussreicher Auftritt von ihr dafür gesorgt, dass ein älterer Mantel der italienischen Marke Max Mara wieder neu aufgelegt wird. Eine Nancy-Re-Edition sozusagen, weil halb Amerika plötzlich wissen wollte, was für ein Hammerteil sie da trägt, um sich vielleicht auch mal so eines zuzulegen.

Natürlich handelt es sich bei »Nancy« nicht um irgendeine ältere Dame, sondern um Nancy Pelosi, die diesen Donnerstag erneut zur Sprecherin des Repräsentantenhauses gewählt werden soll, damit wäre sie die mächtigste Frau Amerikas und größte Gegenspielerin Donald Trumps. Das macht sie zur politischen Super-Influencerin, modisch allerdings hatte das Amt bislang wenig Schlagkraft. Jedenfalls weniger als das der First Lady, wenn auch deren Mäntel zuletzt nicht wieder in Produktion gingen. Wir erinnern uns da an ein Exemplar von Zara, das Melania Trump für den Besuch eines Camps für Flüchtlingskinder nahe der mexikanischen Grenze wählte.

Und natürlich trug Nancy Pelosi jenen Mantel nicht an irgendeinem Tag, sondern nach einem live im Fernsehen übertragenen Schlagabtausch mit Donald Trump vor gut drei Wochen. Geredet wurde über Grenz-Sicherheit und einen möglichen, später bekanntlich eingetretenen »Shutdown«, also der Haushaltssperre, den Pelosi als »Trump Shutdown« bezeichnete, woraufhin der Präsident so aus der Fassung geriet, dass er den teilweisen Stillstand der Regierungsgeschäfte großspurig auf seine Kappe nehmen wollte.

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Pelosi verließ das Weiße Haus daraufhin als klare Siegerin und trug nun eben jenen knielangen Mantel in feurigem Orange-Rot. Sie hatte den Präsidenten gerade ordentlich gegrillt und setzte nun, nach getaner Arbeit, noch ihre Sonnenbrille auf und rauschte mit breitem Grinsen zurück ins Capitol.

Twitter, dieses digitale Heimwerker-Medium, explodierte daraufhin mit Memes und Gifs. Pelosi als Superheldin, die das Weiße Haus hinter sich in Flammen aufgehen lässt, Pelosi als coole Killerin mit Matrix-Sonnenbrille. Betitelt wurde das Ganze mit »Badass«, »Don‘t mess with Mama« oder »wie man mich fertig macht: gar nicht«. Selbstredend hat der Mantel mittlerweile seinen eigenen Twitter-Account.

Aber warum schlugen Pelosi und das Max-Mara-Design so ein? Pelosi trug es bereits ein paar Mal in der Vergangenheit, die Demokratin ist bereits seit über 30 Jahren auf der politischen Bühne. Die feurige Farbe hätte für diesen Showdown natürlich nicht passender sein können, auch Superhelden-Capes sind meistens immer noch rot. Aber auch die voluminöse Ei-Form, einst von Balenciaga entworfen, und der hochgeschlossene, schützende Stehkragen taten ihr übriges - Mode kann so wunderbar »Power« transportieren, wenn man sie nur lässt. Ach ja, außerdem verlief die Knopfleiste links von der Mitte, passend zur politischen Überzeugung. Der Teufel liegt bekanntlich im Detail.

Dabei ist Nancy Pelosi in Umfragen nicht mal besonders beliebt. Die Republikaner geben seit Jahren viel Geld dafür aus, sie auf Werbeplakaten zum Feindbild zu stilisieren. Außerdem hat sie noch dieses andere Handicap: In einem Artikel über Pelosi im Atlantic wurde vergangenes Jahr eine Studie aus Yale zitiert, in denen Probanden Politiker bewerten sollten, Ann Burr und John Burr. Obwohl die fiktiven Profile identisch waren, schnitt der ambitionierte männliche Kandidat deutlich besser ab als die ambitionierte weibliche Kandidatin. Wer als Frau in der Politik Erfolg haben wolle, müsse die Männer besiegen und ausmanövrieren, hieß es weiter. Doch je besser sie darin seien, desto verhasster seien sie am Ende. Pelosi hat zwar fünf Kinder groß gezogen und erst danach eine beispiellose politische Karriere hingelegt, letztlich gilt sie vielen jedoch als wohlhabende, abgehobene San-Francisco-Linke, die mit den Problemen der Arbeiter nichts anfangen kann.

Respekt vor ihrem Stehvermögen haben die Leute allerdings schon. Pelosi geht nicht nur als erste (weibliche) Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses in die Geschichte ein, sie hielt dort auch die längste Rede aller Zeiten: acht Stunden ohne Unterbrechung – und als wäre das schon nicht Leistung genug, tat sie es noch auf Highheels. »Pelosi-Heels« sind seitdem ein geflügeltes Wort.

Ab Donnerstag haben die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Pelosi und ihre Parteikollegen können dann so ziemlich alles blockieren, was der Präsident gerne durchbringen möchte. Und seit dem Schlagabtausch im Dezember wird die mächtige Sprecherin nun erst recht zur Gallionsfigur des Widerstands gegen Trump. In der New York Times hieß es, das Treffen im Weißen Haus sei nur ein Vorgeschmack dessen gewesen, was 2019 auf Trump zukommt. Mit Pelosi als Gegenspielerin muss er sich warm anziehen. Vielleicht fängt er mit einem guten Mantel an.

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