Keine Panik

Der junge Fotograf Stefan Loeber verbrachte fünf Monate in Tel Aviv und erlebte mit der Stadt Krieg, Frieden und Waffenruhe. In seinen Bildern dokumentiert er die Normalität eines Ausnahmezustandes.

Name: Stefan Loeber
Geburtsdatum: 25.05.1988
Ausbildung: Studium Fotodesign, HS München
Wohnort: München
Website: stefanloeber.de

SZ-Magazin: Herr Loeber, als sie Anfang August 2014 nach Tel Aviv aufbrachen, herrschte Krieg. Ein komisches Gefühl?
Stefan Loeber: Ich habe mich eigentlich relativ sicher gefühlt. Die Menschen dort leben mit dem Krieg. Es herrscht keine Panik, vielleicht auch durch die räumliche Distanz zu Gaza – obwohl ich ein paar Bombenalarme miterlebt habe. Es war merkwürdig, wie schnell so ein Ausnahmezustand auch für einen selbst zur Normalität wird. 

Wieso hat Sie der Alltag und weniger das Extreme fotografisch gereizt?
Die Serie ist nicht bewusst entstanden. Eigentlich habe ich für meine Bachelorarbeit Beduinen in der Negrev-Wüste fotografiert. Meine Zeit in Tel Aviv hat mich aber extrem beschäftigt. Ich habe dort eigentlich jeden Zustand erlebt: Krieg, Waffenruhe und Frieden. Ich denke, dass ich diese Dinge erst über die Kamera wirklich verstanden habe. 

Sie haben rechte Demonstrationen fotografiert und Gemüse unter der Landesflagge im Supermarkt. Zeigen ihre Bilder bewusst eine andere Seite des Konflikts, abseits der Frontlinie?
Ich denke, man kann sich generell über Fotos politischen Themen anders nähern. Mir ging es um einen Blick von Innen und Außen. Ich wollte die Distanz verlieren, mir Zeit nehmen, mich öffnen. Bei Kriegsmeldungen, aber auch vielen Kriegsbildern, geht das oft verloren: den Alltag in Krisengebieten zu zeigen.

Wie war es, als deutscher Fotograf in Israel mit der Kamera unterwegs zu sein? Wie haben etwa Demonstranten des rechten Flügels auf Sie reagiert? 
Es war schwer, solchen Leuten zu begegnen. Die Heftigkeit der Schuldvorwürfe und auch die starke Aggression gegeneinander hat mich sehr überrascht. Es gibt kaum Ansätze, den Konflikt friedlich zu lösen. Ich konnte natürlich nicht offen meine Meinung sagen. Einmal traf ich einen bekannten Rapper, der sehr politisch ist, auf einer Kundgebung. Er rappte: "Ganz Gaza soll ein Friedhof sein". Ich habe versucht, auf ihn zuzugehen, aber da sind die Gräben einfach zu groß. In diesen Porträts habe ich viel über mich selbst gelernt. Ein Porträt ist immer auch ein Selbstporträt.

Wohin geht es als nächstes?
Im Sommer möchte ich nach Israel zurück. Ich habe kein konkretes Projekt vor Augen, sondern lasse mich einfach überraschen. Es soll dabei aber nicht unbedingt um den Krieg gehen. Ich möchte Neues entdecken, interessante Geschichten finden - keine Themen aus der Schublade.

Fotos: Stefan Loeber

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