Waterworld

Name: Lucas Wahl
Alter: 25
Ausbildung: Im 7.Semester an der FH Hannover (Information und Design)
Webseite: www.kollektiv25.de

Herr Wahl, Ihre Bildstrecke Haus am See zeigt Menschen, die auf dem Tonle Sap, Kambodscha, leben. Wieso siedeln sich Menschen auf einem See an?

Die Menschen leben auf dem See, da sich dessen Fläche in der Regenzeit um das sechsfache vergrößert. Würden sie am Ufer leben, wären sie in der Trockenzeit bis zu 20 km vom Wasser und somit den Fischgründen entfernt. Außerdem besitzen viele Bewohner kein Land und auch kein Geld, um welches zu erwerben.

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Und wie lebt es sich für die Menschen auf dem Wasser?

Der Tonle Sap bietet den Bewohnern ein paar Vorteile: Zugang zu Fisch und somit Arbeit. Um ein Haus zu haben ist Landbesitz nicht nötig; sie können mitsamt ihrem Haus umziehen. Allerdings gibt es viele Nachteile: Die Gesundheitsversorgung ist schlecht, so kommt auf 10.000 Bewohner ein Arzt; Elektrizität gibt es nur aus Autobatterien; das Wasser zwischen den Häusern ist von schlechter Qualität, da es Toilette, Spülbecken und Badezimmer zugleich ist. Außerdem haben viele Mütter Angst, dass ihre Babys ertrinken könnten.

In Ihrer Fotostrecke Blind Family dokumentieren Sie das erschütternde Leben einer blinden Familie in Nepal. Wie schafft es solch eine Familie in einem Dritte-Welt-Land zu überleben?

Für eine Familie mit derartigen Problemen ist das Überleben äußerst schwierig. Die Familie Mukhinya lebt vom Betteln. Durchschnittlich erwirtschaftet sie 0,60 € am Tag. Das reicht nicht für eine gesunde und vor allem nicht für eine kindgerechte Ernährung. Von dringend notwendiger Medizin ganz zu schweigen.

Wie sind Herr und Frau Mukhinya erblindet?

Beide Elternteile, Saltu (der Vater) und Parameswory (die Mutter), sind in ihrer Jugend an Infektionskrankheiten erblindet. Saltu kann noch einen minimalen hell/dunkel Kontrast wahrnehmen. Da Paramesworys Familie an Hexen glaubt, dachte ihre Mutter, die Infektion sei von Bösen Geistern hervorgerufen worden und versuchte deshalb die Infektion mit einem Stück Kürbisschale aus den Augen heraus zu kratzen. Dabei zerstörte sie die Augäpfel ihrer Tochter.

Fühlt man sich bei solch einer tragischen Geschichte machtlos, oder sehen Sie Ihre Fotos als stumme Berichtserstatter, welche die Welt wachrütteln sollen?

Ich denke nicht, dass solche Fotos diese abgestumpfte Welt noch wirklich wachrütteln können.  Heutzutage werden wir mit Bildern von Leid und Armut nur so überflutet. Aber zumindest können sie die Menschen für die Dinge, die in der dritten Welt passieren, ein wenig sensibilisieren. Und natürlich fühlt man sich machtlos. Wir haben versucht, die Tochter Manjila in eine Einrichtung für unterernährte Kinder zu bringen, in der die Mutter einen Monat zusammen mit der Tochter hätte bleiben müssen. Aus Angst, ihr Mann könnte sie währenddessen mit einer anderen Frau betrügen, ist sie immer wieder weggelaufen. Nach zwei Tagen hat die Einrichtung beschlossen, das Ganze abzubrechen. Besonders die Zukunft des Kindes sieht düster aus. Wenn Manjila keine Schulbildung bekommt, fällt die Familie dem Teufelskreis der Armut zum Opfer. Weil die Eltern keine Schule besucht haben, sehen sie Bildung als unwichtig an, zumal sie nicht vorhandenes Geld kostet.

Wie konnten Sie der blinden Familie vermitteln, welche Intention Sie mit Ihren Bildern verfolgen?

Man kann die Fotografie zum Beispiel mit dem Radio vergleichen und erklären, dass man wie bei einer Radio Reportage Bilder sprechen lassen will. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass es für die Familie schwierig zu verstehen war, warum jemand Elend anstatt schöner Tempel fotografiert.

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