"Frau, eigentlich die Verheiratete → Weib"

Die Brockhaus-Enzyklopädie ist das Gedächtnis der deutschen Sprache und Mentalität. Aber wie haben sich die Begriffserklärungen im Laufe der Zeit verändert? Wir haben Stichwörter wie Liebe, Arbeit und Homosexualität in Brockhaus-Ausgaben nachgeschlagen, die bis ins Jahr 1893 zurückreichen – als man vieles offensichlich noch ganz anders sah.


Wie erklärt der Brockhaus "Arbeit"?

15. Auflage:
Arbeit, im allgemeinen Sinn eine Kraftbetätigung zur Überwindung eines Hindernisses bei der Verfolgung eines Zwecks. Bei der menschlichen Arbeit, die eine körperliche oder geistige Kraftbetätigung sein kann, wird durch die Arbeit ein die Arbeitszeit überdauerndes Ergebnis bezweckt. (1928)

16. Auflage: Die planmäßige Betätigung der körperlichen oder geistigen Kräfte, die im Unterschied zum Spiel einen überdauernden Ertrag zum Ziele hat. (1952) 17. Auflage: Arbeit, das bewußte Handeln zur Befriedigung von Bedürfnissen, darüber hinaus als Teil der Daseinserfüllung des Menschen. (1966)

21. Auflage: Arbeit, der bewusste und zweckgerichtete Einsatz der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte des Menschen zur Befriedigung seiner materiellen und ideellen Bedürfnisse. (2006)

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Wie erklärt der Brockhaus "Liebe"?

15. Auflage: Liebe, der Sammelname für eine vielgestaltige Fülle menschlicher Gefühlsbindungen, die als beglückende Erweiterung und Bereicherung des eigenen ich empfunden werden. […] Im Unterschied zur Sexualität, die bloße Triebbefriedigung sucht, ist die Liebe eine Ich-Du-Beziehung des ganzen Menschen zum ganzen Menschen. Sie ist nicht ohne Hingabe und Opferbereitschaft zu denken. (1932)

16. Auflage: Liebe, die ursprünglichste menschliche Gemeinschaftsbindung. In naturhaften Triebstrukturen, die bis in die Tierwelt reichen, vorgeformt, bildet sie das Fundament für den Bau des menschlichen Soziallebens. […] Der 'Lohn' der Liebe ist eine beglückende Bereicherung des Ich, das sich aus seiner Vereinzelung befreit fühlt. (1955)

17. Auflage: Sammelbegriff einer Vielfalt menschlicher Gefühlsbindungen, denen die rational nur unvollständig begründbare Wertbejahung eines Objektes zugrunde liegt. (1970)

21. Auflage: Liebe, die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine intensive gefühlsmäßige, zumindest der Vorstellung nach auf Vertrauen und Dauer angelegte und entsprechend positiv erlebte Beziehung zu einem anderen Menschen zu entwickeln. (2006)

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Wie erklärt der Brockhaus "Frau"?

14. Auflage: Frau oder Weib, der erwachsene Mensch weiblichen Geschlechts, im engern Sinne der verheiratete. Alle die körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, durch die das Weib sich vom Manne unterscheidet, stehen im innigsten Zusammenhange mit der Bestimmung derselben, Mutter zu werden. (1893)

15. Auflage: Frau, im heutigen Sprachgebrauch eigentlich die Verheiratete, → Weib. (1930)

16. Auflage: Bis in die körperlichen Anlagen und Entwicklungsgesetze hinein ist die Frau durch ihre biologische Aufgabe geprägt, die zugleich die Erfüllung ihres Lebenssinns bedeutet. Vom Verführen über das Umworbensein bis zur wartenden Geduld in unendlichen Abtönungen bleiben die Typen der Frauenliebe durch Jahrtausende die gleichen, vom Mythus in den Gestalten der Eva, der Helena und der Penelope eindrucksvoll geprägt. (1954)

17. Auflage: Frau, Vertreterin des weiblichen Geschlechts, als Partnerin des Mannes die gleichberechtigte Hälfte des Menschengeschlechts, in allen geschichtlichen Wandlungen die dem Manne polar zugeordnete Kraft. (1968)

21. Auflage: Frau, weiblicher erwachsener Mensch. Die geschlechtsspezifischen körperlichen Merkmale der Frau sind wesentlich geprägt durch die biologische Funktion der Fortpflanzung. (2006)

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie erklärt der Brockhaus "Homosexualität"?)


Wie erklärt der Brockhaus "Homosexualität"?

15. Auflage: Konträre Sexualempfindung, Inversion, gleichgeschlechtliche Liebe, auf das gleiche Geschlecht gerichteter Geschlechtstrieb. […] Einen an Homosexualität leidenden Menschen nennt man homosexuell oder Uranist. […] Bei manchen männlichen Homosexuellen findet sich ein dem weiblichen Körperbau entsprechendes flaches Becken und stark entwickelte Brüste. (1931)

16. Auflage: Homosexualität, gleichgeschlechtliche Liebe. Die wissenschaftlichen Auffassungen über das Wesen der Homosexualität gehen weit auseinander; die Homosexuellen selbst sind meist überzeugt davon, daß es sich um eine normale unabänderliche Veranlagung handelt. (1954)

17. Auflage: Homosexualität, gleichgeschlechtliche sexuelle Anziehung und / oder Betätigung, häufige Form der Abweichung von der sexuellen Norm. (1969)

21. Auflage: Bezeichnung für die Form der sexuellen Orientierung, bei der ein überwiegendes sexuelles Interesse an gleichgeschlechtlichen Partnerinnen oder Partnern besteht. (2006)

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie erklärt der Brockhaus "Nation"?)


Wie erklärt der Brockhaus "Nation"?

15. Auflage: Nach der sprachlichen Wurzel bedeutet Nation die Gemeinschaft von Menschen gleichen Ursprungs. Doch kann infolge der Rassenmischung von einer gleichen Abstammung (Rasse) bei keiner modernen Nation mehr gesprochen werden. […] Das bloße Gefühl der nationalen Verbundenheit wird gestützt, wenn auch nicht bedingt, durch überwiegende Gleichheit der Rasse oder Rassenmischung, der Religion und vor allem der Sprache. (1932)

16. Auflage:  Seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlich für das in einem Land 'erborene' Volk. Die durch Einheit der Sprache und Kulturüberlieferung bestimmte Kultur-Nation ist unabhängig von staatlichen Grenzen, während die Staats-Nation durch die gemeinsame staatliche-politische Entwicklung geformt ist. (1955)

17. Auflage: Nation, seit dem 18. Jahrhundert eine politische Gemeinschaft von staatstragender Kraft; sie ist gekennzeichnet durch das Bewußtsein der politisch-kulturellen Eigenständigkeit, das Nationalbewußtsein, und den Willen zur Zusammengehörigkeit. (1971)

21. Auflage:
Begriff, der […] den Rahmen bezeichnet, innerhalb dessen neben kultureller Eigenständigkeit auch politische Selbstständigkeit (Souveränität) beansprucht wird. Dies geschieht unter Verweis auf eine als gemeinsam angenommene Geschichte, Tradition, Kultur und Sprache. (2006)

Foto: AP

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