Sollte man betonen, man habe für ein Geschenk bezahlt?

Unsere Leserin verschenkt gerne Eintrittskarten. An die kommt sie durch ihren Job zwar einfach ran – jedoch weder vergünstigt, noch gratis. Die Beschenkten glauben das aber.

Illustration: Serge Bloch

»Ich arbeite im Veranstaltungsbereich, und wir haben immer wieder tolle Events auf dem Programm. Ich verschenke gerne Karten für diese Veranstaltungen. Nun ist es so, dass ich diese Karten genauso bezahlen muss wie alle anderen Besucher. Allerdings besteht in meinem Bekanntenkreis die Meinung, ich würde sie verbilligt oder sogar gratis kriegen. Muss ich, was mir unangenehm wäre, beim Verschenken betonen, dass ich für die Karten auch gezahlt habe, weil das Geschenk ansonsten einen Teil seines Werts verliert?« Eva G., Regensburg

Ich glaube, jeder, der Ihre Frage liest, wird bedauern, nicht mit Ihnen befreundet zu sein. Was für eine schöne Geschenkidee. Über Karten für eine tolle Veranstaltung freut man sich doch immer, zumal Sie sich bestimmt überlegt haben, welche Veranstaltung zu jemandem passt. Ich muss Ihnen mit Ihrer Vermutung Recht geben, dass es sehr unfein wirken würde, wenn Sie zum Geschenk dazu sagen, dass Sie dafür übrigens bezahlt haben. Das wirkt knickrig und unsympathisch. Als erwarteten Sie dafür irgendwann ein Geschenk im entsprechenden Wert zurück. Dass Ihnen überhaupt der Gedanke kommt, ehrt Sie natürlich. Sie wollen eben nicht wirken wie jemand, der anderen irgendeinen wert­losen Kram schenkt. Aber sollte jemand das annehmen, dann ist das wirklich das Problem dieser Person. Nicht Ihres.

Das Einzige, was mir einfällt, wie Sie einen Hinweis auf den Wert Ihres Geschenks geben könnten, wäre, dass Sie es besonders schön verpacken. Vielleicht tun Sie das bereits, Sie haben darüber nichts geschrieben. Sie könnten die Tickets in eine Schachtel legen und eine extra schöne Schleife drum herum binden, dann sähe es gleich teuer aus.

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Abschließend eine kleine Geschichte aus meinem Leben: Ein Freund von mir, den ich leider aus den Augen verloren habe, hat oder jedenfalls hatte die Angewohnheit, Gegenstände aus seinem Besitz weiter­zuschenken. Bevorzugt waren es Bücher. Er zog sie aus seinem Regal, schrieb eine Widmung hinein und überreichte sie mit der Höflichkeit, die ihm zu eigen war. Es waren Bücher, die ihm etwas bedeuteten und von denen er annahm, sie würden einem gefallen. Sie sahen nicht neu aus, sondern durchaus gelesen. Bis heute weiß ich jedes Buch, das ich von ihm bekam, besonders zu schätzen.