Das perfekte Dinner für die US-Wahlnacht

Sie fragen sich, wie Sie die amerikanische Präsidentschaftswahl durchstehen sollen? Mit diesem speziellen Soulfood-Menü von Hans Gerlach. Das hilft Ihnen beim Wachbleiben und stärkt die Nerven. 

Die Ereignisse der Nacht vom 3. auf den 4. November werden unser aller Leben in irgendeiner Form beeinflussen, denn dann wählen die USA ihren Präsidenten. Hoffen wir, dass die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler so deutlich ausfällt, dass es keine Versuche gibt, das Ergebnis nachträglich zu fälschen. Aber eines ist so oder so sicher: Es wird spannend. Damit Ihre Nerven und Ihr Magen gut versorgt sind in diesen aufregenden Stunden, habe ich Ihnen ein TV-Dinner mit amerikanischen Gerichten zusammengestellt, die mich an das Gute in der Kultur unserer transatlantischen Freunde erinnern.

Fragt sich, ob der passende Drink am Ende billiger Bourbon sein wird – oder ob wir möglichst lange wach bleiben wollen, um den Verlauf der Hochrechnungen und Auszählungen ausgiebig zu genießen, bis unsere freudig erschöpften Augenlider doch zuklappen. Ich hoffe auf Letzteres und schlage folgende Getränke vor: klares, frisches Wasser aus dem Wasserhahn (wer will, kann im Gedenken an die amerikanische Trinkwasserversorgung auch ein kleines Stück Chlortablette ins Wasser geben). Zwischendurch Cola mit oder ohne »libre« (also Rum) oder eine erfrischende Virgin Mary: Dafür etwa 12 cl Tomatensaft mit 2 cl Zitronensaft und einer Prise Salz, Pfeffer, Selleriesalz und jeweils einem kräftigen Schuss Tabasco und Worcestersauce auf Eis shaken und dann in ein Glas abseihen (eine Variante mit etwas Alkohol ist übrigens die Michelada). Und für den Abschluss sollte zur Sicherheit ein Champagner kalt stehen – in »Old Europe« sind wir schließlich an der Quelle.

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Vorspeise: Tacos mit Guacamole

Den Abend könnten wir beginnen mit Tacochips und einer schönen Hot Guacamole – denn sehr viel hängt davon ab, wie der spanischsprachige Teil der amerikanischen Bevölkerung abstimmen wird.

Hauptgang: Steak oder Jackfrucht-Burger

Nach den Chips kommen die ersten Hochrechnungen, jetzt ist Zeit für etwas Einfaches, Kräftiges. Falls es – der Klimaüberhitzung zum Trotz – draußen richtig kalt sein sollte, könnte das die perfekte Stimmung sein für ein Caveman- oder Eisenhower-Steak, direkt aus der heißen Glut eines Wintergrill-Feuers. Das Steak sollte wenn möglich »organic« (also bio) sein und darf in diesem Fall gerne aus den USA stammen. Eine vegetarische Alternative wäre ein Burger. Die beste Version des klassischen Rindfleisch-Burgers habe ich hier im »Probier doch mal« noch nicht beschrieben, dafür aber eine sehr gute Variante mit Jackfrucht.  Wenn man den sozialen Medien Glauben schenken darf, gibt es viele Veganer in den Vereinigten Staaten von Amerika. Allerdings kann man wahrscheinlich auch davon ausgehen, dass jeder nordamerikanische Veganer einen halbwegs erfolgreichen Social-Media-Kanal betreibt. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass die restlichen knapp 328 Millionen US-Amerikaner doch lieber ein paar slow and low gegrillte Spareribs knabbern. Das Rezept dafür ist übrigens eines der am häufigsten nachgekochten Probier-doch-Mal-Rezepte.

Nachspeise: Schoko-Gewürz-Brownie oder Apple Pie

Als Dessert – auch Zucker hält wach – lege ich Ihnen meinen sehr, sehr schokoladigen Gewürz-Brownie wärmstens ans Herz. Manch amerikanischer Erwachsener würde womöglich die Gewürze durch Marihuana ersetzen – das kann auch kulinarisch betrachtet interessant sein und wird in den USA zunehmend legal.

Ganz frisch habe ich einen Apple Pie für Sie gebacken. Es gibt unzählige Varianten für das Rezept, meines speist sich teilweise aus meiner Erinnerung: Mein erster Job als Austauschschüler in einer amerikanischen Kleinstadt war Tellerwäscher in einem Diner. Der Apple Pie dort hat mir gut geschmeckt: Er kam, anders als die meisten anderen Lebensmittel, nicht aus dem Tiefkühler, sondern von einer Dame aus der Nachbarschaft. Auf der Oberfläche waren kleine, angeschmolzene Zuckerkrümel, leicht knusprig, und innen eine gute Apfelsorte. In meinem Garten steht ein Apfelbaum der Sorte Jonagold, klar nehme ich die als erstes für Versuche mit neuen Rezepten. Die Äpfel sind sehr aromatisch und sie zerfallen nicht gleich beim Kochen. Für den Apple Pie sind sie perfekt geeignet. Traditionell wurde im Teig für Apple Pie Schweineschmalz verwendet, keine Butter. Einfach weil im Spätherbst oder Winter, wenn es viele Äpfel gibt, auch die Schweine geschlachtet wurden. Außerdem enthält Schmalz im Gegensatz zu Butter kein Wasser, Mürbeteige mit Schmalz werden deshalb besonders mürbe. Denn Wasser bildet mit dem Eiweiß im Mehl Kleber, also Gluten, das macht den Teig zäh. Aus Recherchegründen habe ich Schmalz verwendet, das schmeckt tatsächlich sehr gut. Aber Butter oder Butterschmalz gehen auch und damit bleibt der Kuchen vegetarisch.

Bei meinen Apple-Pie-Versuchen habe ich einen kleinen, aber entscheidenden Trick für Mürbteige gefunden – der weder in europäischen Kochbüchern, noch in all den Sterne-Restaurants, in denen ich früher gearbeitet habe, berücksichtigt wird. Dabei ist es ganz einfach: Erst Mehl und Fett verkrümeln, so dass sich um die einzelnen Mehlkörner eine schützende Fetthülle bildet, was die Bildung von Gluten bremst. Danach erst Eigelbe oder Flüssigkeit zugeben, eventuell mit einem kleinen Teil vom Mehl, damit der Teig am Ende nicht zu mürbe wird. Immerhin muss der Teig ja die Füllung zusammenhalten. Apple Pie schmeckt am besten warm, aber frisch aus dem Ofen kann man ihn nur schwer schneiden.

Durchhalte-Snack

Und falls dann irgendwann alles aufgegessen, die Nacht aber noch jung ist, wäre es fantastisch, wenn Sie die Zutaten für ein Pastrami-Sandwich in der Hinterhand haben.

Rezept für den Apple Pie

Zutaten:

Für 4 Personen
  • Für die Füllung
  • 2 EL Butter
  • 1,5 kg Äpfel, z.B. Jonagold
  • 0,5 TL Piment
  • 0,5 TL Zimt
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Zucker
  • 1 EL Zucker
  • 2 EL Mehl
  • 1 EL Apfelessig
  • Für den Teig
  • 300 g Mehl
  • 0,5 TL Salz
  • 1 EL Zucker
  • 240 g Butter (sehr kalt) oder Schweineschmalz
  • 80 - 120 ml Eiswasser

250 g Mehl und Salz mischen, Butter mit den Fingerspitzen (oder einem Universalzerkleinerer) unterkrümeln. Die Finger zwischendurch eventuell in Eiswasser kühlen, dann aber kurz abtrocknen, wir wollen jetzt noch kein Wasser im Teig. Restliches Mehl zugeben, 80 ml Eiswasser abmessen, mit den Krümeln noch mehr verkrümeln. Zügig zu einem Ball formen. Teig in zwei nicht ganz gleich große Teile schneiden, etwas flachdrücken, zudecken und 2 Stunden ruhen lassen – an einem kühlen Platz, oder 1,5 Stunden im Kühlschrank, restliche Zeit bei kühler Zimmertemperatur.

Äpfel schälen, entkernen, vierteln und in 2 cm dicke Scheiben schneiden (es sollen ca. 1,25 kg übrig bleiben). 2 EL Butter in einer großen (!) Pfanne schmelzen, Äpfel zugeben, umrühren, Zucker zugeben umrühren, bei großer Hitze 5 Min. leicht karamellisieren lassen, dabei ab und zu umrühren.

Mehl über die Äpfel sieben, Salz und Gewürze zugeben, unterrühren, noch 2 Minuten weiterköcheln lassen. Den Essig zugeben und in einer großen, flachen Schüssel ausbreiten, komplett abkühlen lassen, dann im Kühlschrank noch weiter kühlen.

Einen Backstein oder ein Backblech im Ofen auf 220 Grad vorheizen. Das größere Teigstück mit etwas Mehl zu einem etwa 30 cm großen Kreis ausrollen, eine Pieform oder Tarteform mit 26 cm Durchmesser damit auslegen. Den Teigrand so abschneiden, dass etwa 1 cm übersteht. Im Tiefkühler anfrieren. Restlichen Teig zu einem 26 cm großen Kreis ausrollen.

Kalte Pieform aus dem Tiefkühler nehmen, die Füllung darin verteilen, mit dem zweiten Teigkreis belegen. Den überstehenden Teigrand nach innen falten, mit einem Finger von aussen halten, während die Zinken einer Gabel von innen gegen den Rand drücken und so den Pie verschliessen. Evtl. die Oberfläche mit Teigresten verzieren.

Ein Ei aufschlagen, mit 2 EL Wasser verquirlen, den Pie damit bestreichen und mit 1 EL Zucker bestreuen. Drei oder vier Lüftungsschlitze in die Teigoberfläche schneiden, damit der Dampf später gut abziehen kann. Auf das heiße Blech oder den Backstein setzen, 15 Minuten backen. Die Temperatur auf 190 Grad reduzieren, 25-30 Minuten fertig backen. Auf einem Gitter abkühlen lassen. Mit oder ohne Walnusseis, Vanilleeis o.ä. servieren.