Salat, der von selbst nachwächst

Salatstrünke landen bei Ihnen im Biomüll? Stopp! Unser Kochkolumnist empfiehlt: Setzen Sie den vermeintlichen Abfall das nächste Mal in ein Glas Wasser - und warten Sie ein bisschen ab.

Weg damit oder nicht weg damit? Das ist oft eine Frage der Gewohnheit. Salatstrünke zum Beispiel scheinen so klein und unwichtig, dass sie meist im Müll landen. Dabei wiegen zehn Strünke etwa so viel wie ein ganzer Salatkopf. Wenn also jeder gleich viel Salat essen würde wie bisher, wir aber auch die Salatstrünke verwenden, dann hätten wir zehn Prozent mehr Salat zur Verfügung. Alleine bei Kopfsalat und Eissalat wären das in Deutschland etwa 20.000 Tonnen im Jahr. Damit kann man schon einer Menge Schulkinder ein paar Vitamine zuführen. Also: Salatstrünke schmecken aromatischer als der eigentliche Salat, dabei sind sie auch noch zart-bitter und das ist super für die Entgiftung. Ich tauche die Strünke meist in die Salatsauce, die ich gerade abschmecken will. Kleingehackt aromatisieren sie auch Salatsaucen oder Dips, wie ein knackiges Gewürz.

Passend zu Ostern kann man die Strünke auch in eine Schale mit Wasser setzen, statt sie gleich aufzuessen. Nach zwei Wochen wachsen lauter neue kleine Salate. Ohne Dünger, nur mit Licht und Liebe. Diesen sogenannten Kitchenhack findet man im Netz, allerdings immer nur mit Vorher-Nachher-Bildern. Die könnte man natürlich auch manipulieren, für einen Fake-Kitchenhack. Deshalb habe ich meine Salatstrünke zwei Wochen lang gefilmt, um zu sehen, ob das Experiment tatsächlich gelingt: Mit der Ernte lässt sich zwar keine Großfamilie ernähren, aber es klappt. Der Salat schmeckt und es ist faszinierend zu sehen, wie aus dem Strunk neues Leben wächst.

Nach dem Ende des Films passierte dann noch ein echtes Wunder: Nils, mein Küchenchef, setzte die jetzt schon zweimal abgeschnittenen Salatstrünke zurück ins Wasser. Wie gehabt ohne Erde, ohne Dünger. Noch schneller als beim ersten Mal bildeten sich wieder neue Blätter und diesmal auch Wurzeln und Stängel. Es sieht so aus, als wollen die Salate jetzt blühen. Ich werde sie einpflanzen.

Re-Grown Salad mit Tortilla
Für 4 Personen

  • 4-6 Mini-Romanasalate
  • 400 g gekochte Kartoffeln (mit oder ohne Schale)
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 2-3 EL Butter
  • 8 Eier
  • 3-4 EL Sahne
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 4 EL geriebener Parmesan
  • 1 EL Zitronensaft
  • 2 EL Olivenöl

Salatblätter abschneiden, so dass jeweils ein Strunk übrig bleibt. Jeden Salatstrunk auf der Wurzelseite frisch anschneiden und in ein flaches Glas mit Wasser setzen, an einen hellen Platz stellen und etwa zwei Wochen abwarten, bis lauter frische zarte und knackige Salatblätter gewachsen sind.

Jetzt entweder die Salatblätter ernten und in einen schönen Salat geben oder:

Ofen auf 200 Grad vorheizen (Umluft 180 Grad). Kartoffeln grob würfeln, den Lauch putzen und in Ringe schneiden. Die Kartoffeln in einer ofenfesten Pfanne mit Butter langsam 5 Minuten braten. Währenddessen die Eier aufschlagen, mit Sahne verrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Die Mischung über die Kartoffeln giessen, noch 2 Minuten auf der Herdplatte stehen lassen, dann mit Parmesan bestreuen und in den Ofen schieben. 8 bis 10 Minuten garen. Salatblättchen mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer marinieren.

Die Tortilla in Stücke schneiden und mit den Salatblättchen bestreuen.

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