Ihr Blick, wenn Sie ein Kunstwerk betrachten?

Der Galerist Johann König im Interview ohne Worte über sein Kunstverständnis als Sehbehinderter, Vorurteile gegenüber seinem Beruf und die Langeweile der Berliner Kunstszene.

Johann König

Geboren 22. Juli 1981 in Köln
Beruf Galerist
Ausbildung Abitur an der Blindenstudienanstalt in Marburg
Status Sieht was, was du nicht siehst

Von Gerhard Richter bekam er Indianerkassetten mit Lederstrumpf-Geschichten, mit On Kawara fuhr er in den Urlaub, Hanne Darboven ging in seinem Elternhaus ein und aus: Johann König war Teil der Kunstwelt, da wusste er noch gar nicht, dass Bilder nicht nur gemalt, sondern auch verkauft, versteigert, ausgestellt werden. Sein Vater war ein renommierter Kunstprofessor und Kurator, seine Mutter eine Illustratorin und Schauspielerin und er: genervt von den Museen, Ateliers und Galerien, in die er mitgeschleppt wurde, oft wurde sogar das Urlaubsziel danach ausgesucht. Und dann explodiert auf einmal die Munition einer Startschusspistole in seiner Hand. König ist elf und so gut wie blind. Auf dem Blindeninternat trifft er auf einen Lehrer, der ihm beibringt, Kunst nicht sehend, sondern erlebend und konzeptuell, also irgendwie Joseph-Beuys-artig zu verstehen. König fasst an, lässt sich Idee und Arbeitsschritte erklären, begreift im Dialog über die Kunst. Seine erste Galerie eröffnet er noch vor dem Abitur, heute zählt er zu den interessantesten Galeristen Deutschlands. Nach einer Hornhauttransplantation 2009 kann er besser sehen, dafür war er direkt danach ein bisschen enttäuscht: Manchen Anblick – zum Beispiel eine beeindruckende Landschaft – hatte er sich überwältigender vorgestellt.

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