Heute nichts versäumt 

David Hasselhoff und Blümchen haben zusammen eine Single herausgebracht, deren Sound genauso schwofig ist wie ihre Bühnenoutfits. Hätte es Blümchenhoff doch lieber wie die Spice Girls gemacht – und wäre beim bewährten Neunzigerjahre-Stil geblieben.

Blümchenhoff debütiert bei »Willkommen bei Carmen Nebel«

Foto: ZDF/Sascha Baumann

Vergangenes Wochenende haben David Hasselhoff und Jasmin Wagner, die jetzt wieder Blümchen genannt werden will, ihre neue Single im ZDF vorgestellt – zunächst bei Carmen Nebel, tags darauf im Fernsehgarten. Die beiden sind jetzt offiziell Blümchenhoff.

Nachdem man sich diese im ersten Moment zweifellos nach Fake News klingende Schlagzeile auf der Zunge hat zergehen lassen, kann man sich von ihrem Wahrheitsgehalt auf Youtube überzeugen. In dem Mitschnitt sieht man, wie der einstige Baywatch-Star ein bisschen un- und die vielleicht erfolgreichste deutsche Solokünstlerin der Neunzigerjahre ein bisschen überamibitioniert die Lippen zu einer gleichgültige Pop-Nummer bewegen und sich dabei auch noch ein wenig anschmachten.

Hinter der Nummer »You Made The Summer Go Away« mit eingängigen Zeilen wie »I can hear the snowman banging on my door (I can tell he's angry)« (»Ich höre den Schneemann an meine Tür klopfen; ich weiß, er ist wütend«) steckt das deutsche Musikproduzenten-Duo Stereoact, das unter anderem für den 2016er Schlager-Hit »Die immer lacht« (featuring Kerstin Ott) verantwortlich ist und in diesem Jahr den Ballermann-Award in der Kategorie »Dance National« eingeheimst hat. Da weiß man, wo die Reise hingeht. So sind die zwei ZDF-Shows genau die richtigen Plattformen zur Single-Vorstellung – das anwesende Publikum klatscht und trottet brav mit im Schwofe-Takt.

Passend sind auch die Outfits des Duos: Hasselhoff, ewig Junggebliebener in Turnschuhen, der seine gute Form in schnittiger Lederjacke über körperbetontem Shirt und Skinny-Jeans unter Beweis stellt, und Wagner als Inkarnation einer feschen Showmacherin mit viel Rüschen (am asymmetrischen Top bzw. Minikleid), viel Glitzer (am Kleid, Haarschmuck, Gürtel) und Glanz (am ausgestellten Lack-Rock, silbernen Pumps). Da wünscht man sich doch glatt die gute alte Neunzigerjahre-Blümchen zurück – die war einst nämlich nicht nur für ihre durchaus hymnenhaften Rave-Hits, sondern auch für ihren individuellen Style bekannt. Mit geknoteten Blusen, Trägerkleidchen, Kuhflecken-Tops, Netzoberteilen und zahlreichen Mini-Dutts rollte sie durch ihre neonbunten Musikvideos, und traf damit genau den Zeitgeist.

Den Grund für die gemeinsame Single erklärt Hasselhoff auf seinem Instagram-Account: »Wir haben uns getroffen, als ich vor über 60000 Menschen gespielt habe und haben uns entschieden, gemeinsam einen Song aufzunehmen.« Der Rahmen war die »Die 90er live auf Schalke«-Veranstaltung in diesem Frühjahr. Zahlreiche Neunzigerjahre-Acts, darunter Caught in the Act, Snap!, Fun Factory, Oli.P, Dr. Alban + Haddaway, die Vengaboys, Rednex – und eben David Hasselhoff und Blümchen – bespielten für insgesamt neun Stunden die Arena.

Auffällig viele dieser Namen konnten ihre musikalische Laufbahn nicht über das Jahrzehnt hinaus fortsetzen. Einige haben versucht, sich in neuen Formationen oder Musikstilen weiterzuentwickeln, als am erfolgreichsten hat sich aber die Darbietung alter Hits erwiesen. Selbst die Spice Girls befinden sich gerade auf Reunion-Tour, und werden gefeiert wie Legenden.

Auch Blümchenhoff wäre möglicherweise gut beraten gewesen, sich musikalisch nicht neuzuerfinden – und modisch ebenso wenig. Wenn die beiden einfach bei ihrer Nineties-Kluft geblieben wären, würden sie voll dem derzeitigen Retro-Trend entsprechen: Slip Dress, Neon und Fischerhut haben gerade schließlich Hochkonjunktur. Und sogar die Zeile »Ich hab' heute nichts versäumt«, die Blümchen 1997 trällerte, passte nie besser.

Wird getragen von: Helene Fischer, Katy Perry bzw. Männern in der Midlife Crisis
Wird getragen mit: Nylonstrumpfhose, viel Haarspray, ausgeschaltetem Mikro
Das sagt das Netz: »Gib mir meine Rundfunkgebühren zurück!«