Ungebetene Gaben

Spendenaufrufen von Hilfsorganisationen liegen oft Adressaufkleber und kleine Geschenke bei. Verwenden? Zurückschicken? Wegschmeißen?

Illustration: Serge Bloch

»Mich erreichen immer wieder Bettelbriefe von Hilfsorganisationen. Oft sind kleine Geschenke beigegeben, etwa ein Stück Schmirgelpapier, ein Stück Schokolade, angeblich von Kindern angefertigte Püppchen oder Adressaufkleber. Ich fühle mich dadurch erpresst und spende dann gerade nicht (anderweitig durchaus). Was aber tun mit den Geschenken? Zurückschicken? Entsorgen? Benutzen? In einer Art Trotzreaktion werden sie von mir, soweit sinnvoll, benutzt.« Ulrich L., München

Sie müssen ein sehr ehrbarer Mensch sein, dass Sie sich diese Frage stellen. Denn es sind ja alles Dinge von geringem Wert. Und was Geschenke angeht, an die sich eine Erwartungshaltung knüpft, spielt der Wert eine nicht unwesentliche Rolle. Sollte einem eine Hilfsorganisation einen Rolls-Royce vor die Tür stellen, würde sich wohl jeder fragen, ob er ihn einfach so annehmen kann. Aber Schmirgelpapier? Ein Stück Schokolade? Ich glaube, Sie machen sich zu viele Gedanken.

Wenn es Ihnen nicht allzu viele innere Nöte bereitet, würde ich vorschlagen, dass Sie die Sache ganz genau so weiterhand­haben wie bisher. Was Sie brauchen können, nehmen Sie an, kleine Aufmerksamkeit des Universums, selten genug, ist ja auch mal ganz schön; was Sie nicht brauchen, kann einfach weg. Belasten Sie sich nicht weiter mit dieser Sorge. Die Hilfsorganisationen berechnen ja mit ein, dass nicht jede Gabe zu einer Spende führt.

Sollten Sie die unverlangten Einsendungen allerdings nerven, weil sie Ihnen ein latent schlechtes Gewissen bereiten, könnten Sie die jeweilige Hilfsorganisation darum bitten, Sie aus deren Verteiler zu entfernen. Eine meiner Hauptbeschäftigungen. Nichts tippe ich häufiger in Mailbetreffzeilen als »Unsubscribe«. Oft genug kommt darauf eine weitere Mail, in der bestätigt wird, dass man aus dem Verteiler genommen wurde. Und so ist versehentlich fast eine Brieffreundschaft entstanden. Neulich hatte ich den Fall, dass man mir antwortete, man habe meine personenbezogenen Daten nun in einer Sperrliste gespeichert, was ja auch nicht mein Ziel war. Man will ja einfach nur gelöscht werden, was nach weiterem Hin und Her dann auch geschah, wie mir per Mail natürlich nochmals bestätigt wurde. Das moderne Leben ist anstrengend genug, freuen Sie sich einfach über die Gratis-Adressaufkleber.

Aber im Ernst jetzt, Schmirgelpapier?