Das Arbeiterschwein

Mal kuscheliges Haustier im Stall, dann Hauptspeise bei Sonntagsessen: Als Haus- und Nutztier hat das Kaninchen eine Sonderrolle. Maria Irl hat deutschlandweit Kaninchenzüchter fotografiert. Das Ergebnis ist eine amüsant-irritierende Milieustudie.

Name: Maria Irl
Geboren: 24.03.1980
Ausbildung: Fotografiestudium an der FH Hannover, derzeit Masterarbeit Photographie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Webseite: www.mariairl.de

SZ-Magazin: Frau Irl, auf Ihren Fotos sieht man ein Kaninchen, das einen Parcours meistert, drei andere hängen gehäutet an einer Leiter – was empfinden die Züchter für ihre Tiere?
Maria Irl: Das ist vergleichbar mit dem Verhältnis vom Bauern zu seinen Tieren: Man kennt sie und möchte, dass es ihnen gut geht, weiß aber auch, dass man sie eines Tages schlachten muss. Allgemein hat das Kaninchen eine Sonderstellung, da es einerseits als Haustier und andererseits als Nutztier gehalten wird. Daraus resultieren auch die Negativstimmen, die Kaninchenzüchter manchmal für das Schlachten der flauschigen Tiere anklagen.

Wo in Deutschland haben Sie Kaninchenzüchter fotografiert?
Ich war deutschlandweit unterwegs, habe Kaninchenzüchter im Stall besucht oder Veranstaltungen dokumentiert: Etwa in Chemnitz, wo es 1880 den ersten Zuchtverein gab, weshalb die Stadt von Züchtern als "Wiege der Kaninchenzucht" bezeichnet wird. In Niedersachen gibt es regelmäßige Erzeugerschauen, bei denen vor allem Frauen und Kinder Handarbeiten präsentieren, von verarbeiteten Fellen bis zu Stickereien ist alles dabei. Zum Beispiel wiegen in Norddeutschland Züchter von Angorakaninchen bei einer Leistungsschau das geschorene Fell ihrer Tiere.

Haben Sie selbst Kaninchen oder woher kam die Inspiration zu Ihren Bildern?
Nein, ich wollte einfach einer klassischen Alltagsgeschichte auf die Spur gehen. Bei näherer Auseinandersetzung ist die Kaninchenzucht ein spannendes Thema: Hauptsächlich sind es ältere Männer, die sich mit den kuscheligen Tieren beschäftigen. Manche nehmen es bierernst, andere lachen selbst darüber. In meinen Bildern greife ich diesen Humor auf.

Was ist Ihnen denn als besonders lustig in Erinnerung geblieben?
Das skurrilste war wohl die Geschichten von einem Züchter, der seinem Kaninchen Fell implantieren lies, weil dem Kaninchen ein Punkt fehlte. Für die Kaninchenrassen gelten nämlich strikte Kennzeichen, die bei den Schecken zum Beispiel die Fellfärbung festlegen. Manche Züchter malen ihre Kaninchen daher auch mit einem Edding an. Das ist natürlich nicht erlaubt. Immerhin lachen sie über sich selbst wenn sie sagen: "Als Scheckenzüchter muss man einfach ein Rad ab haben."

Fotos: Maria Irl

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