Welche wilden Ideen haben Sie in ­München nicht verwirklicht?

Theaterregisseur und Intendant Martin Kušej im Interview ohne Worte: über bittere Tränen, Reaktionen der Zuschauer und eine lehrreiche Narbe.

Martin Kušej

Geboren 14. Mai 1961 in Wolfsberg/Kärnten
Beruf Theaterregisseur und Intendant 
Ausbildung Regiestudium 
Status Romantiker

Bevor er 2011 als Intendant ans Residenztheater in München kam, galt Martin Kušej als Stückezertrümmerer, Publikumsschocker, Regisseur des Widerstands. Aber ihn nervt das Gerede vom Berserker. »Natürlich ist mein Stil kraftvoll«, sagte er über seine Art, Regie zu führen, »aber ich will ja auch von dem erregt sein, was ich tue. Doch ich arbeite längst fein und leise, präzise und psychologisch.« Als Theaterleiter in München hatte Kušej einen sehr guten Start. In seiner ersten Spielzeit inszenierte er Rainer Werner Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant. Unerwiderte Liebe, Geltungssucht, Macht, Gier, unter Frauen, in der Hauptrolle Bibiana Beglau. Theaterpreis FAUST 2012. Jede Vorstellung sofort ausverkauft. Die Münchner mochten ihn derart, dass er bis 2021 bleiben sollte, doch nun wird diese seine letzte Spielzeit am Resi. Das Burgtheater in Wien ruft, und diesem Ruf muss einer wie er natürlich folgen. Kušej stammt aus Kärnten und ist ein so überzeugter Österreicher, dass er manchmal »wie Sau« an seiner Heimat leidet. Wegen der Politik der Abschottung. Aber auch wegen der Landschaft: Der Altweibersommerin Kärnten erfüllt ihn – da zitiert er Haruki Murakami –mit der »grundlosen Traurigkeit, die der Anblick einer ländlichen Idylle im Herzen des Menschen hervorruft«.

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