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Die Instagramseite @die_reklame sammelt die schönsten historischen Werbeanzeigen. Und beweist dabei: Absurde Slogans sind keine Erfindung unserer Zeit.

Moritz Hoffmann bringt einen zum Lachen, aber darum geht es ihm gar nicht so sehr. Seit 2007 sammelt der Historiker alte Werbeanzeigen, die oftmals skurril wirken, aber vor allem – und darum geht es ihm – etwas über die Zeit erzählen, in der sie entworfen wurden. So waren rauchende Fabrikschlote, die den Himmel dunkel färbten, im Jahr 1942 noch »Zeichen einer prosperierenden, modernen Industrie«, wie er schreibt. Und das Empire State Building war als Motiv einer C&A-Kampagne zwar Mitte der 50er Jahre ein Sehnsuchtsort – aber Anfang der 70er Jahre bereits Symbol einer zunehmend kritisch gesehenen US-Politik. Es lohnt sich, nach dem ersten Schmunzeln die Anzeigen noch etwas länger zu betrachten.

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Werbung aus: Bravo, Nr. 18, 1974.

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Was wurde hier im Jahr 1974 beworben? Haarspray
Warum sollte man das damals kaufen? »Pomadenheini ist tot«, vermeldet die Anzeige fröhlich. Sein Nachfolger: Fönfrisurheini.
Was lernen wir? 
1) In den 70er Jahren sollte es auf dem Kopf weniger glatt und streng zugehen, sondern luftiger und lässiger werden. Oder wie Gillette es hier sagte: »Seid locker, Männer. Holt euch 'ne Dose.«
2) Dass Männer eine Werbung in der Bravo lesen, ist eine recht gewagte Zielgruppenanalyse.

Was wurde hier 1920 beworben? Ein Nasenformer. Mit dem Versprechen: »Versand diskret.«
Wer sollte sich das kaufen? Menschen, die ihre Nasenknorpel nicht mochten, was offenbar oft vorkam. Die Firma schrieb stolz: »Über 200.000 Stück verkauft.«
Was lernen wir? Die Schönheitsindustrie war schon vor Botox und aufgespritzten Lippen absurd.

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Werbung aus: Brigitte, Nr. 2, 1975.

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Was wurde hier 1975 beworben? Scheiblettenkäse, das Schlimmste, was Milch je angetan wurde. 
Wer sollte sich das kaufen? Menschen, die finden, Wiener mit Industriekäse zu umwickeln ist »Fantasievoll essen«. 
Was lernen wir? Wie sich Werber im Jahr 1975 eine fetzige Party vorstellten: »Sabine und Biggi, 20 und 22 alt, besuchen eine Fremdsprachen-Schule im ersten Semester. Heute Abend wollen sie eine Party geben. "Ich hab ja nur ne kleine Studentenbude, aber Sabine wohnt zu Hause. Da ist Platz für eine Party mit 14 Leuten. Und ihre Mutter stellt uns ihre Küche zur Verfügung. Es soll doch auch was Warmes zu essen geben. Wir haben da eine prima Idee: Würstchen im Schlafrock. Die kosten nicht viel und sind im Nu gemacht mit den toll gewürzten Brat & Grill Scheibletten. (...) Französisches Baquette dazu – und heiße Musik. Das wird ein Fest!«
Was hoffen wir? Dass es Sabine, Biggi und diese Wurstparty nicht wirklich gab.

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Werbung aus: Die Beamten-Post, 1.11.1924.

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Was wurde hier 1924 beworben? Eine Krankenversicherung.
Wer sollte sich das kaufen? Alle Menschen, die wegen der hohen Kosten nicht zum Arzt konnten. Aber bitte nur der Mittelstand und »Aufnahme bis zum 60. Lebensjahre.« 
Was lernen wir? Wenn eine Krankenversicherung schreibt »Auskunftsstellen an allen großen Plätzen« sollte man nicht hoffen, dass außer für Werbung und Vertrieb viel Geld in der Kasse ist.

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Werbung aus: Brigitte, Nr. 10, 1986.

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Was wurde hier 1986 beworben? Eine Ketchup-Pumpe
Wer sollte sich das kaufen? Menschen, die folgende Geräusche kennen: Klopf, klopf, schüttel, schüttel, motz, klop, klopf... PFLATSCH. 
Was lernen wir? Wenn Ketchup-Pumpen »die feine Art zu würzen« sind, ist der Kiosk im Schwimmbad eine Sterneküche. 

Was wurde hier 1922 beworben? Bleistifte der Firma Apollo.
Warum sollte man ausgerechnet die kaufen? Das fragt sich der Mann auf dem Plakat offenbar auch gerade. 
Was lernen wir? 1922 war ein neuer Bleistift ein feierlicher Anlass, für den man die guten Anziehsachen aus dem Schrank holte.

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Werbung aus: Stern, 7.3.1965.

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Was wurde hier 1965 beworben? Kaffeepulver
Wer sollte sich das kaufen? Mutti für Vati.
Was lernen wir? Im Kinderzimmer die Straßenschuhe immer anlassen. 

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Werbung aus: Der Bazar - Nr. 5, 1898.

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Was wurde hier 1898 beworben? Ein Stärkungsmittel.
Wer sollte sich das kaufen? Frauen mit Blutarmut, Bleichsucht – und einem Bizeps wie der junge Arnold Schwarzenegger.
Was lernen wir? Wenn die Firma den Hinweis »Ueberraschende Erfolge!« fett auf die Anzeige druckt, war sie selbst nicht so richtig überzeugt von der Wirksamkeit des Mittels. 

Was wurde hier 1974 beworben? Glückauf-Bier
Wer sollte sich das kaufen? Bergarbeiter in Gelsenkirchen.
Was lernen wir? Gut, dass das Bierglas seine Hände verdeckt. 

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Dortmunder Zeitung, 17. April 1926

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Was wurde hier 1926 beworben? Ein topmodernes Telefon.
Warum sollte man das kaufen? Weil, wie das Inserat reimt: 
»Unser Automat jede Vermittlung erspart!«
Was lernen wir? Diesen Reim lass lieber sein.

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Werbung aus: Brigitte, Nr. 16, 1975.

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Was wurde hier 1975 beworben? Bahntickets
Warum sollte man das kaufen? »Für einen sauberen, umweltfreundlichen Verkehr« – mit Steinkohle.
Was lernen wir? Ruhrkohle ist zur Natur mindestens so freundlich wie der Gesichtaudruck von Dr. Karlheinz Bund (links oben).

Was wurde hier 1922 beworben? Sekt von Söhnlein Rheingold
Warum sollte man das kaufen? Weil man nur vier bis fünf Flaschen Söhnlein auf Ex trinken muss, schon sieht man junge hübsche Frauen halbnackt in einer Ostereierschale durchs Wohnzimmer laufen.
Was lernen wir? Zum Omas Zeiten war auch schon viel Schweinkram.

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Werbung aus: Bravo, 29. Oktober 1998.

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Was wurde hier 1998 beworben? Eine Hose namens »O-Dog«.
Warum sollte man das kaufen? Weil sie nur 69.95 Mark kostete statt 99.99 Mark. 
Was lernen wir? Es gab mal die Rufnummer »01805 _I_S_T  COOL«.