Selbstverbiegung

Frauen übernehmen immer noch viel mehr Hausarbeit als Männer. Wann soll da Zeit bleiben für Muße und Entspannung – etwa beim Yoga? Die Bilder der Künstlerin Csilla Klenyánszki spielen mit dem wahnwitzigen gesellschaftlichen Anspruch, den Alltag zu optimieren.

Haben Sie den nach unten schauenden Hund erkannt? Den Pflug? Den Delfin? Sieht eigentlich ganz lustig aus, was die ungarische Künstlerin Csilla Klenyánszki da in ihrer ­Serie House/hold präsentiert, praktisch auch: Sie verbindet das Angenehme mit dem Notwendigen, Yoga mit Haushalt. Wenn das Leben eine ewige Wiederholung des Immer­gleichen ist, wieso nicht Einkehr im Alltagsuchen? Ja, wieso eigentlich nicht?

Weil es absurd ist. Genauso wie die Bilder von Csilla Klenyánszki. Denn was beim ers­ten Hinsehen wie ein Spiel wirkt, gewinnt bei genauer Betrachtung mehr und mehr an Bedrohlichkeit: Hoffentlich ist das Bügel­eisen nicht eingeschaltet, das auf dem Hintern des Models steht, hoffentlich bricht der Hocker, auf dem sie da so kunstvoll im Pfau verharrt (oder ist es das Brett?), nicht gleich ­unter ihr zusammen.

Es gab mal eine ähnliche Bilderreihe, 1944 fotografiert vom italienischen Produktdesigner Bruno Munari. Sie hieß Gemütlichkeit in einem ungemütlichen Sessel suchen, und das passt ganz gut: dass der Mann versucht, Platz zu nehmen, während der Frau anscheinend keine andere Wahl bleibt, als mit den Dingen des Alltags zu verschwimmen, um für sich selbst überhaupt irgendwas aus diesem Alltag herauszuholen.

»Gender Care Gap« nennt man das Phänomen, dass Frauen fast doppelt so viel Sorge- und Hausarbeit leisten wie Männer. Csilla Klenyánszki behandelt dieses Thema mit feiner Ironie. Ihre Bilder fragen, was es mit den Frauen macht, alles gleichzeitig erreichen zu müssen, äußere Reinlichkeit, innere Reinheit. Das letzte Motiv zeigt eine Pose mit dem Namen Totenstellung.