Sport ohne Style

Die Mode hat sich schon allen möglichen Sportarten angenommen, nur Handball kommt bisher zu kurz. Dabei könnten die deutschen Spieler bei ihrer Heim-WM ein bisschen Unterstützung durchaus gebrauchen.

Sympathie-, und vor allem Werbeträger: Uwe Gensheimer, Kapitän der deutschen Handball-Nationallmannschaft.

Foto: rtr

Selbst Leuten, die nicht die leiseste Ahnung von Handball haben, dürfte in den letzten Tagen dieses Ungleichgewicht bei der deutschen Nationalmannschaft aufgefallen sein: Warum ist das so leer in der Mitte? Warum steht da keiner?

Zumindest am Fernseher macht das alles einen wahnsinnig unruhigen Eindruck. Links oben der Schriftzug der Sportmarke Kempa, darunter das bunte Lidl-Logo, rechts daneben der Bundesadler, über der Nummer groß in grün die Gesundheitskasse AOK. Wer bisher dachte, nur Ski- und Rennfahrer ließen sich zuballern – Handballer haben genau so viel drauf, wobei wir hier immerhin von einem Nationalmannschaftstrikot sprechen. An den Ärmeln klebt die Autopflege Nigrin, auf der Hose tauchen noch einmal Kempa sowie der Technologiekonzern Harting auf und hinten, unter der Rückennummer, sitzt die DKB Bank. Nur in der Mitte sieht es dagegen seltsam leer aus. In Gedanken fügt man bereits den Hinweis ein: »Hier könnte Ihre Werbung stehen.«

Womöglich kein Wunder, dass die Mode diesen Sport bislang weitestgehend ignoriert hat. Der Designer Virgil Abloh widmete sich mit seiner Marke Off-White zuletzt dem Tennis und der Leichtathletik, Ralph Lauren hat einen Polospieler als Logo, das Label Etro schickt einen zum Surfen und Fußballtrikots sind längst so etwas wie die neuen Freizeithemden. Handball? Fehlanzeige.

Dabei hätte der Sport durchaus Potential. Steigende Zuschauerzahlen, prominente Fans wie der Rammstein-Schlagzeuger Christoph Schneider, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, die Autorin Sophie Passmann. Der Leipziger Stefan Kretzschmar brachte es mit Piercings und gefärbtem Haar in den Neunzigern zum auch Nicht-Kennern geläufigen Handball-Star (heute verblüfft weniger sein Look – mit Tunnels im Ohr schockt man niemanden mehr –, sondern seine Sorge um die Meinungsfreiheit in diesem Land).

Vor allem sind die »netten Normalos«, als die Handballer immer gelten, aber bei Mode offensichtlich viel mutiger als gedacht: Der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes Bob Hanning erschien vergangene Woche im barocken Versace-Medusen-Shirt zur Pressekonferenz. Sonst eher ein Look, den Goldkettenbrüder wie Abbas Hamady aus der Neukölln-Serie 4Blocks pflegen, weshalb Hanning bei Twitter gleich ordentlich rumgereicht wurde. Bei den Kollegen vom Fußball wäre das freilich nicht der Rede wert gewesen, beim Handball hingegen schien diese Art Logos bislang nicht vorgesehen.

Bob Hanning, Vize-Verbandschef, hat offenbar in Faible für den barocken Stil von Versace.

Foto: dpa

Versace übrigens schickte bei den gerade zu Ende gegangenen Männermodenschauen in Mailand Models im Boxerlook über den Laufsteg. Vielleicht braucht die Designerin Donatella ja für nächste Saison einen neuen Sport, los Leute, Handball! Ragazzi, Pallamano! Klingt auch gleich viel eleganter.

Das sagt die Herrenausstatterin: »So oder so: Logomania liegt voll im Trend!«
Das sagt der Fußballexperte: »Am Hintern wär’ noch Platz, wie bei österreichischen Kickern.«

Das könnte Sie auch interessieren

Artikel teilen: