Heißkalte Schnaps-Pralinen-Schmelze

Der italienische »Affogato« folgt einem wunderbaren Prinzip, findet unser Kochkolumnist: Heißer Kaffee verschmilzt mit kaltem, cremigem Eis. Bei diesem Rezept kommt jedoch ein Schokotrüffel in die Espressotasse.

Hier versinkt eine kakaobepuderte Praline sachte in heißem Espresso mit Milschaum.

Text, Foto & Video: Hans Gerlach

Ein italienischer »Affogato« ist eine Espresso-Variation als Dessert: eine Kugel Eis, meistens Vanilleeis, wird in einer Tasse mit heißem Espresso übergossen – fertig. Manche geben noch geschlagene Sahne drauf oder gehackte Nüsse, aber das muss für mich nicht sein. Das Eis beginnt im heißen Kaffee zu schmelzen, die Aromen von Espresso und Vanille verschmelzen auch und überall hat man Übergänge von heißem Kaffe zu kaltem, cremigem Eis in der Tasse, auf dem Löffel, im Mund. Ein wunderbares Prinzip.

Wenn ich früher am Wochenende mit meiner damals noch kleinen Tochter Kaffee getrunken habe, dann bekam sie ihren »Kinder-Capuccino«, das war ein Stück edler Zartbitterschokolade in einer sehr kleinen Tasse, aufgegossen mit geschäumter Milch. Mit dieser Erinnerung, einer großen Neigung zu Mini-Desserts und einem Affogato auf dem Tresen einer italienischen Bar, begann ich zu überlegen, was man mit dem Prinzip Affogato noch alles anstellen könnte. Otto Koch zum Beispiel versteckt ein Dessert in einer großen Schokoladenhohlkugel (einfach einen Luftballon in geschmolzener Schokolade drehen, sobald die Schokolade fest ist, die Luft aus dem Ballon lassen), die Servicekraft gießt am Tisch eine heiße Sauce über die Kugel und die gibt in schmelzender Auflösung das Dessert frei. Sehr hübsch, aber doch etwas kompliziert für ein Mini-Dessert. Aber ein als cremiger Schokotrüffel verfeinertes Schokoladenstückchen im Espresso - das konnte nicht schiefgehen.

Vielleicht muss es auch gar kein Dessert sein – einen Kräuterbutter-Affogato mit einer kräftigen Sauce zu etwas kleinem Gegrilltem oder Gebratenem kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht haben Sie noch ganz andere Ideen? Schreiben Sie mir!

Affogato con Tartuffi – Kaffee mit Schnapspraline

Zubereitungszeit
30
Gesamtzeit
2,5
Schwierigkeit

Zutaten für 24 Stück Tartuffi-Schokotrüffel:

Für 4 Personen
  • 1 EL Rum (1,5 cl) Rum
  • 80 ml Kokosmilch Kokosmilch
  • 1 TL frisch geriebene Ingwerwurzel Ingwer
  • 200 g dunkle Kuvertüre oder Zartbitterschokolade Schokolade, Kuvertüre
  • 20 g Muscovado-Zucker Zucker
  • 30 g Kokosöl oder Butter Kokosöl, Butter
  • 2 EL Kakaopulver Kakao
  • heißer Espresso zum Servieren Espresso
  • Milchschaum (optional) Milch

1. Für die Tartuffi die Kuvertüre eher fein hacken. Rum mit Kokosmilch, Kokosöl und Ingwer in einem kleinen Topf verrühren, ein paar Minuten ziehen lassen. Ingwermilch aufkochen, durch ein Sieb über die Kuvertüre gießen, ein paar Minuten ruhen lassen, dann cremig rühren – dabei bleiben ein paar Stückchen die sich nicht komplett auflösen, das schmeckt später wie Chocolate Chips in einem Cookie oder grobes Salz auf der Breze. Wer die Trüffel ganz glatt mag, kann die Masse in einer Metallschüssel über einem passenden Topf mit etwas kochendem Wasser cremig rühren.

2. Jetzt erst den Zucker unterrühren – so löst er sich nicht ganz auf und gibt den Tartuffi später einen lustigen kleinen Crunch. Abkühlen lassen, erst auf Zimmertemperatur, dann im Kühlschrank – im Winter braucht es den Kühlschrank nicht.

3. Etwas Kakaopulver in eine große flache Schüssel geben, mit einem Teelöffel haselnussgroße Stücke aus der Trüffelmasse ausstechen, im Kakao wälzen, abklopfen und zwischen den Handballen kurz rund rollen. Eine Stunde in den Kühlschrank stellen.

4. Zum Servieren einen Trüffel (oder für einen Tartuffo doppio zwei) in eine Tasse oder ein Espressoglas geben, mit heißem Espresso übergiessen, einen kleinen Löffel Milchschaum auf die Tartuffi setzen. Kurz warten und dann genießen.