Verboten gute Arme Ritter

Der Tonkabohne haftet etwas Verruchtes an, weil sie zeitweise als Gewürz in Deutschland verboten war. Mit ihrem Aroma von Vanille und Waldmeister macht sie dieses Resteessen zum Edel-Dessert.

Die Tonkabohne verdankt ihr Renommee dem Ruch des Verbotenen: Wie Stevia durften Tonkabohnen in Deutschland lange nur für »kosmetische Zwecke« verkauft werden, weil es umstritten war, wie gesund der Genuss von Tonkabohnen ist. Tatsächlich enthalten Tonkabohnen Cumarin, für mich schwingt ein wenig die Assoziation an Curare mit – das ist ein tödliches Pfeilgift aus Südamerika. Dabei ist es aber ungefährlich, mit Tonkabohne zu würzen. Obwohl die Pflanzen auch im brasilianischen Dschungel wachsen, haben sie mit Curare überhaupt nichts zu tun. Einige für uns alltägliche Gewürze enthalten ebenfalls Cumarin, Zimt zum Beispiel sollte deswegen nicht regelmäßig in großen Mengen gegessen werden. Doch die Bohnen werden sowieso sehr sparsam dosiert, so wie zum Beispiel auch die in größeren Mengen ebenfalls giftigen Muskatnüsse.

Der Duft der Tonkabohne passt immer da, wo auch Vanille harmoniert. Deshalb wird das brasilianische Gewürz immer häufiger verwendet, der Preis für Vanille hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht, das Gewürz ist für viele schlicht zu teuer geworden. Der Duft der Tonkabohne erinnert tatsächlich an Vanille – und an Waldmeister. Wer keinen Waldmeister mag, sollte also die Finger von Tonkabohnen lassen. Der Vergleich mit Vanille drängt die Tonkabohne jedoch in die Rolle eines Ersatzproduktes. So wie Tofu-Würstchen niemals wie Nürnberger Bratwürste schmecken können, schmeckt auch die Tonkabohne eben doch nicht genau wie Vanille. Aber ein schöner Seidentofu kann die Misosuppe ganz wunderbar bereichern, genauso gibt es viele Rezepte, in denen die Tonkabohne glänzen kann. Eine Prise Tonkabohne auf einem gebratenen Hähnchen schmeckt zum Beispiel sehr gut, auch mit Rotkraut verträgt sich das Gewürz bestens. Aber meistens kommt sie doch in Desserts zum Einsatz – Tonka-Arme-Ritter sind ein einfaches, schönes Beispiel dafür.

Tonka-Arme-Ritter (oder Tonka-Pavesen oder Tonka french toast)

Zutaten für vier Personen:

  • 250 g Hefezopf oder Milchbrötchen (gerne auch vom Vortag)
  • 100-150 g Lieblingsmarmelade, z.B.: Zwetschgen
  • 300 ml Milch oder Sahne oder gemischt
  • 3 Eier
  • 4 EL Butter
  • 1/2 Tonkabohne
  • 3 EL Zucker

Hefezopf oder Milchbrötchen in 1 cm dicke Scheiben schneiden, die Hälfte davon großzügig mit Marmelade bestreichen. Milch lauwarm erhitzen, die Eier verquirlen. Jeweils 2 Brötchenscheiben zusammendrücken, dann in der Milch kurz wenden und durch die Eier ziehen. Butter in einer großen beschichteten Pfanne aufschäumen lassen. Die Armen Ritter bei mittlerer Hitze goldbraun braten, dabei einmal wenden.

Tonkabohne reiben und mit dem Zucker mischen. Zwetschgen-Arme-Ritter aus der Pfanne nehmen, auf Küchenkrepp abtropfen lassen und mit Tonkabohnenzucker bestreuen, warm servieren.

Noch mehr Inspiration gesucht?

Alle Rezepte des SZ-Magazins und der Süddeutschen Zeitung finden Sie auch auf unserem Portal »Das Rezept«, unter anderem mit praktischer Zutaten-Stichwort-Suche.

Artikel teilen: