Mögen Sie Döner?

Sternekoch Ali Güngörmüş im Interview ohne Worte über Restaurantkritiker, Hip-Hop, deutsche Pünktlichkeit und die unverzichtbaren Attribute eines Küchenchefs.

Ali Güngörmüş

Geboren 15. Oktober 1976 in Pageou, Türkei
Beruf Koch und Restaurantchef 
Ausbildung Hauptschulabschluss, Kochlehre 
Status Witzig, Mann

Wenn es ein deutsches Pendant zum amerikanischen Traum gibt, dann wohl das Leben von Ali Güngörmüş: Geboren als eines von sieben Kindern auf einem Bauernhof in Ostanatolien, die Mutter Analphabetin mit großem Herzen und herrlichem Bauerngarten, so erzählt es ihr Sohn. Den Vater, Schweißer in Deutschland, sahen die Kinder nur im Sommer­urlaub. Mitte der Achtzigerjahre zog die Familie zu ihm nach München. Ali, zehn, lernte schnell Deutsch, schloss die Hauptschule ab, machte eine Kochlehre in einem bayerischen Wirtshaus, war ehrgeizig, verschuldete sich, um mit 28 sein erstes Restaurant in Hamburg eröffnen zu können: »Le Canard Nouveau«. Großes Können plus fröhliches Gemüt, das fiel Produzenten von Kochsendungen auf. Mit gerade mal dreißig bekam er 2006 vom Guide Michelin einen Stern verliehen, er behielt ihn zwölf Jahre. Dann brannte im Sommer 2018 das Restaurant ab. Traurig? »Ach«, sagt Ali Güngörmüş, »ich habe ja noch in München das ›Pageou‹, und Sternekoch bleibt man, auch wenn es das Restaurant nicht mehr gibt.« Damals, 2006, war er der einzige türkische Sterne­koch weltweit. Er wäre es immer noch, hätte er nicht inzwischen ­einen deutschen Pass. Bis heute geht er jeden Sonntag zu seiner Mutter. Ihren Lammköfte gilt sein ganzes Sehnen.

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